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Aus dem College soll „Emerson Village“ werden
Rettungsplan der britischen Anthroposophischen Gesellschaft wurde verworfen Von Christian von Arnim FOREST ROW (NNA). Emerson College, das internationale Zentrum für Erwachsenenbildung auf der Basis der Geisteswissenschaft von Rudolf Steiner, wird im Sommer endgültig geschlossen, wenn es nicht gelingt, den Campus in „Emerson Village“ zu verwandeln. Ein neues Projekt unter diesem Titel, das ökologisches Wohnen mit verschiedenen anderen anthroposophischen Initiativen verbinden soll, ist jetzt als letzter Rettungsanker für die Liegenschaft vorgelegt worden. Rückläufige Einnahmen und eine hohe Hypothekenlast hatten das College in eine finanzielle Krise gestürzt. Die Zukunft der von Francis Edmunds gegründeten Einrichtung stand schon länger infrage, weil es nicht mehr gelungen war, genügend Studierende zu gewinnen um einen rentablen Betrieb zu gewährleisten. Fumiko Chikami, Dr. John Lees und Robert Lord haben nun die Initiative zur Umwandlung des Colleges ergriffen. „Eine wahre Flut von Unterstützung durch Emails, Treffen und Telefongesprächen hat uns ermutigt, eine neue Vision für die Zukunft des Campus zu entwickeln“, schreiben sie in ihrem Vorschlag. „Wir haben keinen Zweifel daran, dass viele Leute in der ganzen Welt bereit sind, freie Zeit, Geld, Liebe und Gebete aufzuwenden, um diesen Platz für die Zukunft zu retten,“ heißt es darin weiter. Sie heben hervor, dass es sich dabei nicht um einen Rettungsplan für Emerson College in seiner jetzigen Form handelt, sondern um „eine Vision für die Zukunft, die auf einem Konzept beruht, das eine Metamorphose von Francis Edmunds Idee einer Gemeinschaft von Projekten darstellt“. Einige der bestehenden Aktivitäten der internationalen Erwachsenenbildung sollen fortgeführt und neue Studiengebiete entwickelt werden. Hinzu kommt ein ökologisches Wohnprojekt, das Arbeits- und Wohnräume vermieten wird, außerdem ist an die Entwicklung eines Gesundheitßentrums und einer heilpädagogischen Einrichtung gedacht. Ein Kindergarten, Läden, ein Cafe und eine Buchhandlung sollen zusätzlich auf dem Gelände entstehen. Zur Verwirklichung des Projekts haben die Initiatoren bereits eine Million Pfund eingeworben im Rahmen einer Option, die einen Gesamtkaufpreis von 3,5 Millionen Pfund einbringen würde. „Wir sind zuversichtlich, dass das Geld in wenigen Tagen zur Verfügung stehen wird“, schreiben sie. Als ersten Schritt möchten sie das laufende Bankdarlehen von einer Million Pfund durch einen Kredit mit günstigeren Bedingungen ersetzen, um den Finanzdruck von der Einrichtung zu nehmen. Bis zum Ende des Jahres wird sich das Defizit des Colleges auf 300.000 Pfund belaufen. Durch das Einwerben von 500.000 Pfund soll die Basis für die Entwicklung des neuen Emerson Projekts geschaffen werden. Da zunächst die Baugenehmigung beantragt werden muss, um das ökologische Wohnprojekt auf den Weg zu bringen, möchten Chikami, Lees und Lord möglichst schnell mit der Renovierung der Gebäude unter ökologischen Gesichtspunkten beginnen. „Wir brauchen eine halbe Million Pfund Schenkgeld für die Instandsetzung und als laufendes Kapital“, sagte Robert Lord zu NNA. Ein früherer Plan zur Rettung des Colleges, den die Anthroposophische Gesellschaft in Großbritannien (ASGB) vorgelegt hatte, wurde nicht verwirklicht, nachdem er bei den Mitgliedern auf Widerstand gestoßen war. Die Gesellschaft wollte 1,5 Millionen Pfund aus einer Erbschaft einsetzen, um die Emerson Liegenschaft zu erwerben, das Gelände einem Treuhänder zu übergeben und die Schulden abzulösen. Der Sinn eines solchen Schritts war infrage gestellt worden, wenn nicht gleichzeitig etwas unternommen würde, um das grundsätzliche Problem zu lösen, dass das College nicht mehr finanziell überlebensfähig ist. Außerdem hätte der durch die Anthroposophische Gesellschaft vorgeschlagene Kaufpreis nur die Hälfte des geschätzten Werts von 3 Millionen Pfund betragen. „Ich verstehe überhaupt nicht, aus welchen rechtlichen, finanziellen und strategischen Überlegungen heraus die Gesellschaft vorschlägt, eine vorliegende Erbschaft einzusetzen, um die Vermögenswerte einer Einrichtung zu erwerben, deren Probleme grundsätzlich, chronisch und nicht lösbar sind“, schrieb der Bank- und Finanzexperte Christopher Houghton Budd in einem Brief an den Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft. Die Argumente von Houghton Budd führten zu neuen Überlegungen der Emerson Treuhänder unter Vorsitz von Marc ter Kuile. Im Endergebnis wurde der Rat angenommen und entschieden, das College zu schließen. „Die Treuhänder von Emerson College Trust Limited haben in ihrer Versammlung vom 12.Februar beschlossen, Emerson College in einer so geordneten Weise wie möglich zu schließen, die Vermögenswerte zu verkaufen und die Gläubiger zu befriedigen. Wir haben diese Entscheidung getroffen, um die Gläubiger der Einrichtung zu schützen, zu denen auch Mitarbeiter und Pensionäre gehören,“ heißt es in der Mitteilung der Treuhänder. „Wir sind außerdem der Auffassung, dass es nicht korrekt ist, die Anthroposophische Gesellschaft (ASBG) um finanzielle Unterstützung zu bitten, da zum ersten der Plan der Gesellschaft, den Campus zu kaufen, nicht umsetzbar ist, weil er unmittelbar zur Insolvenz führen würde und weil wir zum zweiten nicht genug Zutrauen haben, die Zusage zu machen, dass wir das College mithilfe des Geldes der Gesellschaft wieder in die schwarzen Zahlen führen können,“ schreiben die Treuhänder weiter. Ein anderes Problem, das durch die ganze Angelegenheit ans Licht kam, ist die Situation des Mercury Provident Pensions Fonds, der für die Renten der Emerson Mitarbeiter verantwortlich ist. Er weist gegenwärtig ein Defizit von 4,7 Millionen Pfund auf. Wie ein Vertreter des Fonds auf einer Versammlung berichtete, wird sich dieses Defizit bis zum Ende des Monats durch die nächste Bewertung auf 9 Millionen Pfund erhöhen. In Zusammenhang mit dem Fonds kommen möglicherweise sowohl auf Emerson College als auch auf die Anthroposophische Gesellschaft erhebliche finanzielle Verbindlichkeiten zu. End/nna/cva/ung Bericht-Nr.: 100316-03DE Datum: 16. März 2010 © 2010 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ Wieviel Islam tragen wir in uns?
Goetheanum-Tagung „Arabische Kultur und Europa“ Von NNA-Korrespondent Wolfgang G. Vögele DORNACH (NNA). Vorurteile, Ängste oder schlicht auch Unwissenheit kennzeichnen heute das Bild des Islam bei vielen Menschen in den europäischen Ländern. Auch in der anthroposophischen Bewegung besteht mindestens ein Informationsdefizit zu dem Thema - trotz vieler erfolgreicher kultureller und sozialer Projekte im arabischen Kulturraum, von denen Sekem in Ägypten wohl das bekannteste sein dürfte. Wie kann man das Verhältnis von „Christentum und Islam“ bestimmten und wo hat die Anthroposophie darin ihren Platz? Diesen Fragen wollte die Sektion für Schöne Wissenschaften am Goetheanum mit einer Kulturtagung „Arabische Kultur und Europa“ auf den Grund gehen, die im Februar in Dornach stattfand. Rund 200 Besucher hörten die Vorträge der Islamwissenschaftlerin Mirja Cordes und des Orientalisten, Waldorflehrers und Buchautors Bruno Sandkühler. Beide Referenten konnten auch aufgrund eigener beruflicher Erfahrungen in den arabischen Ländern zahlreiche Fragen beantworten. „Wir haben immer das Bewusstsein, dass unsere Kultur vor allem auf dem Griechisch-Römischen beruht“, stellte Sandkühler fest. Diese einseitige Auffassung solle mit dieser Tagung etwas erschüttert werden. Denn allzu lange sei verdrängt und vergessen worden, was der Westen den Arabern verdanke: nämlich das sich auf Beobachtung und Experiment stützende wissenschaftliche Denken. Erst mit der Klassik (Goethe, Herder) habe man sich wieder der orientalischen Kultur zugewandt, etwa der persisch- arabischen Dichtung. Heute würden wir uns immer stärker des europäisch-arabischen Kulturaustausches bewusst, der im 7. Jahrhundert eingesetzt und jahrhundertelang angedauert habe. Ein Ziel dieser Tagung war es denn auch, die Vielfalt dieser Wechselwirkungen möglichst umfassend aufzuzeigen, um eine breitere Urteilsgrundlage für die gegenwärtigen Weltlage zu gewinnen. Ein einleitender Vortrag über „Sterne, Wasser, Stein – Arabien vor dem Islam“ machte den kulturellen Boden sichtbar, auf dem der Islam als neue Weltreligion entstehen konnte. Mirja Cordes skizzierte dann in eindrücklicher Weise „Mohammed und seine Gefährten. Die Begründung des Islam.“ Bruno Sandkühler schilderte anschließend unter dem Titel „Von der Eroberung Spaniens bis zur neuen Naturwissenschaft – Der arabische Impuls in Europa“ die rasante Ausbreitung der neuen Religion in ihren verschiedenen Strömungen. Die bereits 271 n.Chr. gegründete „Akademie von Gondishapur“ (Persien, heute Iran), die als erste Universität der Welt gilt, wurde im 7. Jahrhundert muslimisch; ihre Forschungs- und Lehrmethoden wurden im 9. Jahrhundert in Bagdad von der konkurrierenden Institution „Haus der Weisheit“ übernommen und zur Blüte gebracht. Hier wurden zahllose wissenschaftliche Texte aus Indien, Persien und anderen Ländern gesammelt und ins Arabische übersetzt, vor allem aus den Bereichen Medizin und Mathematik. Schon damals bildete sich eine Spannung, eine Art Konkurrenz zwischen naturwissenschaftlich-materialistischer Forschung und religiös-traditionell fixierter Koranwissenschaft. Diese Wissenschaft, nicht nur der Islam, wirkte auf Europa. Das türkisch-osmanische Element war mehr religiös, das arabische mehr naturwissenschaftlich. Unter „Arabismus“ habe Rudolf Steiner nicht den Islam, sondern jene materialistische Naturwissenschaft verstanden, die sich zuerst von Gondishapur, später von Bagdad aus entfaltet und verbreitet habe. Nach Steiner bedeutete diese „bewunderungswürdige Wissenschaft der Araber“ eine verfrühte Entfaltung der Bewusstseinssele und des Intellektualismus. Durch den fortwährenden Austausch mit dieser Wissenschaft sei die christliche Zivilisation befruchtet worden, es sei aber auch der philosophische Nominalismus entstanden, für den Ideen keinen spirituellen Inhalt mehr gehabt hätten. Es gebe, so Sandkühler, noch etwa 200.000 unveröffentlichte arabische wissenschaftliche Schriften, die vieles „Moderne“ vorwegnehmen, etwa eine Art darwinistischer Evolutionstheorie und sogar quantenphysikalische Ansätze, deren Auswirkungen aber durch den religiösen Islam gebremst worden seien. Sandkühler zufolge sind die arabischen und gebündelten vorarabischen (indischen, persischen) Impulse in drei Schichten nach Europa transportiert worden: in der schriftlich überlieferten, in der mündlich weitergegebenen und in der (historisch nicht fassbaren) übersinnlich hereinwirkenden (rein esoterischen) Strömung. Die Esoteriker arbeiteten multireligiös zusammen. Nur eine dieser Gruppen ist historisch bekannt: die „lauteren Brüder“ (10. Jahrhundert), islamische Mystiker aus Basra, die eine Enzyklopädie publizierten, in der auch Pythagoras genannt wird. Diese esoterische Strömung taucht in der hermetischen Tradition des europäischen Mittelalters und der Renaissance wieder auf. Auch in den Gralsdichtungen wird auf arabische Quellen verwiesen. Trithemius von Sponheim beruft sich in seiner Lehre von den Regenten der Zeitalter ebenfalls auf arabische Quellen. Zu Beginn des 8. Jahrhunderts, mit der maurischen Eroberung Spaniens, habe an den christlich-islamischen Grenzen eine Art kultureller Osmose stattgefunden. Cordoba und Granada entwickelten sich zu neuen Wissenßentren. Der persische Gelehrte Avicenna (um 1000) und der spanisch-arabische Philosoph Averrhoës (um 1150) wirkten auf den Sufismus, die islamische Mystik. Aristoteles wurde zuerst von den Arabern wahrgenommen, eher er in der Scholastik als Teil der christlichen Überlieferung galt. Die Gelehrten des Hochmittelalters studierten gründlich die arabischen Schriften in lateinischer Übersetzung, wie etwa der Franziskaner Roger Bacon (um 1250), der die Unwissenheit seiner Zeit beklagte und mehr Experimente forderte. Er gilt als der geistiger Vorläufer seines Namensvetters Francis Bacon (um 1600, Baco von Verulam), der die empirischen Wissenschaften begründete. Auch der jüdische Philosoph Maimonides (13. Jahrhundert) schrieb arabisch. Allmählich verlor die Religion an Überzeugungskraft und das wissenschaftliche Denken trat in den Vordergrund. Auch während der Renaissance wurden arabische Quellen neu entdeckt. Der Frühhumanist Nikolaus von Kues (1401-1454) ließ Koranübersetzungen herstellen und plädierte für eine Harmonisierung der Religionen. Im Werk des Philosophen Pico della Mirandola (1463-1494) gibt es viele Parallelen zu arabischen Schriften. Er plante eine Art Weltkongress der Wissenschaftler einzuberufen, was ihm aber von der Kirche untersagt wurde. So hätte eine Verbindung zwischen Wissenschaft und Esoterik entstehen können. Der europäisch-arabische Kulturaustausch fand erst sein Ende, als Anfang des 17. Jahrhunderts die letzten Araber aus Spanien vertrieben wurden. Kaum wissenschaftlich erforscht sind manche kulturellen und wirtschaftlichen Folgen des Austausches, so geht das aufkommende Bankwesen und der bargeldlose Zahlungsverkehr auf den Templerorden zurück, der ein Bindeglied zwischen Arabien und Europa darstellte. Bis heute gelte ein unverbrüchlicher Fortschrittsglaube, dem zufolge alle Probleme – Klima/Soziales – durch Wissenschaft lösbar seien. Obwohl maßgebliche Politiker nicht merken, dass dies in eine Sackgasse führt, werde doch auch eine Gegentendenz sichtbar, die in einer Spiritualisierung der Wissenschaften bestehe – so die These von Bruno Sandkühler. Ein Vortrag von Mirja Cordes beleuchtete die aktuelle Situation der arabische Kultur, gab Einblicke in fundamentalistische Auslegung des Islam, wie sie in Saudi-Arabien praktiziert wird. Unter anderem wurde auch das Palästinaproblem erörtert. Im Sinne einer Selbsterkenntnis sollten wir uns fragen, wie es mit unserer eigenen Kultur bestellt sei, wie weit auch wir eine starre Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit in uns tragen, forderte die Referentin. Wieviel Informationsbedürfnis im Publikum herrschte, zeigte sich auch darin, dass eine zusätzliche Stunde anberaumt wurde, in der die Referentin Rede und Antwort stand. „Arabismus“ im Sinne von Steiner habe nichts mit den Arabern zu tun, so Cordes. Mohammed sei zwar Araber, aber kein Arabist gewesen. Die für viele Christen gewalttätig oder frauenfeindlich klingenden Stellen im Koran müssten in ihrem historischen Kontext verstanden werden. Den gleichen Vorwurf könne man auch Bibeltexten machen, die auch nicht völlig „gewaltfrei“ seien. Es gebe plurale Islam-Interpretationen. Schon der Begriff „Ungläubige“ werde je nach Lehrschule anders definiert. Wer diese heiligen Schriften zu eng interpretiere, nähere sich der Auffassung der radikalen Atheisten, für die jede Religion „gewalttätig“ sei. Eine schematische Einteilung von Weltanschauungen oder Religionen, wie sie Anthroposophen manchmal nach dem Schema „ahrimanisch“ oder „luziferisch“ vorgenommen hätten, lehnte sie ab. Sandkühler wies im Abschlussplenum auf die arabischen Staaten als Wirtschaftsfaktor hin: Mit der Ölförderung sei eine ungeheure Wirtschaftsmacht in die arabische Welt geflossen. In Saudi-Arabien und den prosperierenden Golf-Anliegerstaaten habe sich gleichsam Feuer mit Wasser verbunden: arabische starre Stammesmentalität plus westliche Hypermodernität. In Dubai – wo eine Waldorfinitiative in Gang gekommen sei – etwa spiele nur Technik eine Rolle, nicht der Islam. Das erwirtschaftete Geld fließe teils in die terroristische Al Qaida-Organisation, teils in den Moscheenbau in Europa. Sandkühler riet, sich auch bezüglich des Korans in muslimische Gesprächspartner hineinzuversetzen, wenn es zu einem Dialog kommen solle. Weitere Fragen betrafen das Verhältnis von Islam und Anthroposophie. So sei zwar der Reinkarnations-Gedanke mit dem orthodoxen Islam unvereinbar, doch gerade in der islamischen Esoterik (Sufismus) gebe es manche Überlieferung, die eine Verständigung mit der westlichen Esoterik ermögliche. Sandkühler forderte eine Aufklärung im Rahmen unseres Bildungssystems zum Thema Islam. Auch in den westlichen Medien werde der Islam in respektloser Weise behandelt, so etwa, wenn betende Moslems meist von hinten gefilmt werden. Eine Schweizerin befürchtete, nach dem Minarettverbot in der Schweiz als Touristin in arabischen Ländern diskriminiert zu werden. Sandkühler dazu: „Fragen Sie ruhig zurück: Wie steht es in Ihrem Land mit dem christlichen Kirchenbau?“ Ein zum Thema passendes künstlerisches Rahmenprogramm ergänzte die Referate: Friedrich Rückerts und Goethes Übertragungen persischer Dichtungen (Hafis) und sein daran anknüpfendes Gedicht „Selige Sehnsucht“ (aus dem „West-östlichen Diwan“), aber auch zeitgenössische Gedichte aus dem arabischen Raum wurden eurythmisch dargestellt. Die Teilnehmer hatten außerdem Gelegenheit, eine Aufführung der Goetheanumbühne mit Lessings Drama „Nathan der Weise“(Regie: Torsten Blanke) zu besuchen, das bekanntlich das Verhältnis der drei monotheistischen Weltreligionen thematisiert und vom Toleranzgedanken der Aufklärung beherrscht wird. Zum Abschluss der Diskussion schließlich rezitierten beide Referenten die Eröffnungs-Sure des Korans, die eine ähnliche Funktion erfüllt wie das Vaterunser im Christentum. Mit Eurythmie zum Goethegedicht „In tausend Formen…“ aus dem „Buch Suleika“ und zum arabischen Gedicht „Psalm“ des Syrers Adonis (geb. 1930) klang die Tagung aus. End/nna/vog Bericht-Nr.: 100316-02DE Datum: 16. März 2010 © 2010 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ Menschen als „Mitproduzenten der Welt“
Deutschlandstart des Dokumentarfilms „Zwischen Himmel und Erde – Anthroposophie heute“ versammelte in Köln viele Zuschauer Von NNA-Korrespondentin Edith Willer-Kurtz KÖLN (NNA). Auf große Resonanz stieß bei seiner Premiere auch in Deutschland der neue Dokumentarfilm zum Thema „Anthroposophie“: rund 500 Menschen sahen im Filmforum in Köln in dieser Woche „Zwischen Himmel und Erde- Anthroposophie heute“ des Filmemachers Christian Labhart. Veranstalter war die Kinogesellschaft Köln in Kooperation mit mindjazz pictures. Seit Februar ist der Film schon in der Schweiz zu sehen. „Zwischen Himmel und Erde“ – wie ist dieser Titel zu verstehen? Aus anthroposophischer Sicht könnte man sagen: was kommt aus der geistigen Welt herab und hinein in den Menschen, der tätig auf der Erde lebt. Von daher stehen Menschen im Vordergrund des Films, Streiflichter erhellen ihre Taten. Dabei kann man sehen, wie sich die Anthroposophie seit ihrer Entstehung vor über 100 Jahren im Lauf der Zeiten verändert hat – gewollt von ihrem Begründer Rudolf Steiner, der den Menschen für ihre Lebensphasen individuell „Lernstoff“ anbot, nicht Diktat. Und so trifft Labhart auf ganz unterschiedliche Menschen: einen Sänger, einen biodynamischen Bauer, ein Vorstandsmitglied am Goetheanum und eine Waldorflehrerin - sie alle in der Schweiz beheimatet. In Deutschland begegnet er einem Journalisten und eine Politaktivistin. In Ägypten, in Sekem schließlich einem Eurythmisten. Alle Befragten kamen in ihrem Leben mit Anthroposophie in Berührung, meist bereits als Schüler. Wie wurden sie dadurch für das spätere Leben geprägt? Mit Absicht kommentarlos werden Sequenzen aus dem Leben des einzelnen gezeigt, dabei kommen sie selbst zu Wort. Mehrmals wird deutlich, wie die Erkenntnisse Rudolf Steiners das Leben der Protagonisten beeinflusst haben. So Martin Ott, der ökologische Landwirtschaft mit Pädagogik verbindet auf dem Gutsbetrieb Rheinau im Kanton Zürich. Der Zuschauer erfährt Details, die er vielleicht nicht gleich verstehen kann. Denn das Handeln des Bauern ist tief fundiert mit Wissen, eben weil schon 1924 Steiner einen „Landwirtschaftlichen Kursus“ vor 100 Bauern hielt mit Themen wie „Das Zusammenleben von Erde und Kosmos“ und „Die planetarischen Wirkungen auf die Erde und deren Bewohner“. Vor dem Hintergrund dieses Wissens entstehen Produkte auf dem Gutsbetrieb mit dem Namen „Demeter“. Die Lehrerin Susannne Wende ist als Klassenlehrerin in der Rudolf Steiner Schule in Kreuzlingen. Die Frage mit dem Morgenspruch, den die Schüler täglich sprechen, der vom Leben der Menschen, Pflanzen, Tiere und den Kräften handelt, bleibt im Film unerklärt - so wie die Schüler ihn auch sprechen und nicht gleich alles verstehen. Besinnt sich der Heranwachsende später der Wahrnehmung dessen, was er als Schüler gesprochen hat, so wird der Hintergrund wieder lebendig. Manches scheint so, dass es von Steiner in die Welt gebracht wurde, um Wirkungen zu erzeugen, die weit über die Pädagogik hinausreichen. Da geht die Klasse mit der Lehrerin eine Woche wandernd über die Schweizer Alpen; Anstrengungen werden überwunden, Erfahrung werden erlebbar und wandeln sich in Stolz. Die Lehrerin erzählt dem Zuschauer im Film. „Es ist wie ein Bild, das sie mit sich nehmen, man kann etwas Grosses überwinden“. So will sie die jungen Schüler vorbereiten, damit sie später in ihrem Leben stark sein können. Claudine Nierth studierte nach der Waldorfschule Eurythmie, und bemerkte die Idee der Anthroposophie als ernste Herausforderung in ihrem Leben „Wenn ich Anthroposophie ernst nehme, da muss ich gesellschaftspolitisch näher an die Menschen ran“, befand sie und deswegen fährt sie seit sieben Jahren mit dem `Bus Direkte Demokratie´ durchs Land. Bewusstsein soll geweckt werden, damit noch mehr Menschen in Deutschland mehr Demokratie auf allen politischen Ebenen fordern: „…bis wir in Deutschland den bundesweiten Volksentscheid haben“. Christopf Graf, ein Eurythmist, hat das Leben nach Sekem in Ägypten als Director of Arts geführt. Das Sekem-Projekt, dessen Name „Lebenskraft der Sonne“ bedeutet, beschäftigt inzwischen 2000 Mitarbeiter, im Mittelpunkt der verschiedenen Unternehmen steht der faire Handel sowie das soziale und kulturelle Wohlergehen der Beschäftigten. Die ökonomischen Erfolge der Unternehmen bilden den Grundstein für kulturelle Initiativen wie Kindergarten, Waldorfschulen und Kliniken. Eindrucksvoll sind die Kreise aus den 2000 Mitarbeitern, die sich vor dem Wochenende treffen, im Kreis stehen und den Spruch von Rudolf Steiner sprechen: „Das Schöne bewundern, das Wahre behüten, das Edle verehren…..“ Graf bringt zum Ausdruck, dass da das Gefühl entstehe: „Wir sind wirklich eine Gemeinschaft, wir gehören zusammen, und da gibt es keine Trennung mehr zwischen Europäern und Ägyptern, sondern das sind die Menschen, die in Sekem leben und arbeiten“. Dieses Leben wird in zahlreichen Bildern filmisch lebendig. Zu den ausgesucht schönen filmischen Bildern des Kameramanns Otmar Schmid tauchen Fragen auf: War Rudolf Steiner ein Genie, ein Guru oder gar Scharlatan? Sind Anthroposophen ganzheitlich, dogmatisch oder radikal? Das Goetheanum - ist es ein Tempel, ein Denkmal oder ein Kraftort? Dazu bekundet Nierth, sie habe in Dornach das Gefühl gehabt: „Alles was diese Anthroposophie, was Steiner ins Leben gerufen hat, lebt in der Welt im Umkreis, aber nicht in Dornach“. Bodo von Plato, seit 2001 Vorstandsmitglied der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft am Goetheanum in Dornach hat Antworten auf die Fragen des Sektiererischen, der Gefahr des Dogmatischen und zur Reinkarnation. „Die Anthroposophen sind Menschen, die gewisse Fragen über das Wesen des Menschen und der Welt so wie Hunger und Durst empfinden“, erläutert er entsprechend einem Zitat von Steiner. Dieses Gefühl, man habe es mit einer Sekte zu tun, hänge mit einer Art Hautbildung zusammen: „Man liefert sich nicht mehr der Welt ganz aus, sondern bildet seine eigene Welt. Und die Gefahr des Sektiererischen haftet dem Anthroposophen genau so an, wie die Gefahr des Dogmatischen. Dass man bestimmte Auffassungen als die Wahrheit erklärt, die dem Diskurs nicht mehr zur Verfügung stehen“, betont von Plato. Auch an anderen Stellen kommen Zweifel und Kritik zu Wort im Film: „Immer alles heil und schön darstellen zu wollen ist eine zarte Gefahr in der Waldorfßene, meint beispielsweise Susanne Wende. Eine Stärke des Regisseurs Christian Labhart ist es, Menschen in seinem Film authentisch zu zeigen. Er greift Bilder und Aussagen aus ihrem Leben heraus, Gedanken formen sich aus dem Biographischen und Landschaftsbilder dienen als optische Wahrnehmungen „zwischen Himmel und Erde“. Labhart zeigt den „Menschen als Mitproduzenten der Welt“, wie es Ott ausdrückte. Den Anspruch einer umfassenden Dokumentation zum Thema Anthroposophie hat der Film nicht, er ist sicher auch kein „Lehrfilm“ über Anthroposophie. Aber er birgt Vorbilder und lässt Fragen entstehen, die Orientierung für eigene Lebensfragen und Wertvorstellungen geben können. Ein Begleitheft liefert sehr gute weitere Informationen zum Thema. End/nna/wil Link: www.zwischenhimmelunderde.ch, www.mindjazz-pictures.de Bericht-Nr.: 100316-01DE Datum: 16. März 2010 © 2010 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ |
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