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Wed, 28 Oct 2009

„Macht, Gewalt, Verantwortung“ im Licht des Denkens

Vortrag von Joachim Daniel bei der Anthroposophischen Gesellschaft Düsseldorf

„Macht Gewalt, Verantwortung - zu den Bedingungen einer menschlichen Gesellschaft“ war der Titel eines Vortrags von Joachim Daniel im Michæl-Zweig der Anthroposophischen Gesellschaft Düsseldorf. NNA-Korrespondentin Edith Willer-Kurtz hat ihn besucht.

DÜSSELDORF (NNA). Joachim Daniel ist freischaffender Kultur-Philosoph und Gastdozent an zahlreichen Institutionen und Mitglied der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, dem Goetheanum, in Dornach.

Die Begriffe „Macht Gewalt, Verantwortung“, die in der heutigen Zeit verschiedentlich auftauchen, bedenkt Daniel tief greifend philosophisch, mal forschend, mal wissenschaftlich, immer als Angebot zum Mit- und weiteren Nachdenken. Dabei geht es ihm um die Gestaltkraft der Ideen der Menschheit, d.h. die Frage, wie die Erde weiter Gestalt bekommen kann. Die Zuhörer erlebten sich so mehr in einer Denkfabrik als in einer Vorlesung. Das Ziel des Vortragenden: Eigene Fragen im Zuhörer entwickeln.

Daniel weist auf den Zustand hin, dass die Menschen die Natur heute mit Baumaschinen mehr bewegten als die Winde und weitere natürliche Einflüsse. Zwar erkenne und begreife der Mensch seine Verantwortung für die Welt zunehmend, was dies aber genau bedeute, sei umstritten, hier treffe man auf eine Vielfalt von Meinungen.

Der Mensch heute verstehe sich als autonomes Subjekt in Selbstverwirklichung des eigenen inneren Ichs. Damit komme auch der Freiheitsbegriff ins Spiel. Daniel weist hin auf Interpretationen des Begriffs im Osten und Westen. Im Westen verstehe man Menschenrechte als Freiheitsrechte, im Osten gäbe es Menschenrechte, Individualität und Freiheit, wobei die Menschenrechte die Idee des Friedens in sich tragen würden. Menschenrechte könnten so einerseits Gesetz sein nach dem Motto „Wer hat welches Recht“ oder - wie in Asien – die Frage beinhalten „Wie komme ichWIR zum Frieden“.

Wie man durch Denken in die Zukunft kommt, erläutert Daniel am Beispiel des Denkens der Antike. Hier weise man dem Menschen die Fähigkeit zu, sich durch Denken in eine andere Zeit, an einen anderen Ort zu versetzen. Der Referent zitiert hier Plato: „Denken ist eine Gegenwart von Abwesenheiten“. Der Mensch habe die Fähigkeit und damit auch die Macht, durch sein Denken die Möglichkeiten zu entdecken, die in der Zukunft liegen. So werde Zukunft möglich. Vergangenheit hingegen sei eben unveränderbar.

Beim Thema Gewalt bemüht Daniel das Beispiel des Windes oder des Sturms. Sie werde es immer geben, aber die Windgewalt werde beim Segeln genutzt, mit Kiel und Navigation mithilfe des Sternenhimmels habe man durch sie Amerika entdecken können.

Mit der Zivilisation und dem Eigentum seien Machtkriege entstanden, auch dadurch, dass die Lebensweise der Menschen nicht mehr mit der Natur verbunden sei.

Die Verantwortung schließlich betrachtete Daniel als die große starke Seite der Macht, sie lebt nicht in der Wiederholung, sondern sei stets auf etwas gerichtet. Verantwortung habe man vor jemandem oder für jemand, Kinder zum Beispiel. Verantwortung `vor´ sei über das juristische hinausgehende, die moralische Stellung entscheide mit. Verantwortung für mich und vor mir selber zeige schon, in der Verantwortung liege etwas verborgen.

In der modernen Zeit sehe man in der Verantwortung vor allem eine Möglichkeit der Individualität, aber hier rückte Daniel diese Sichtweise zurecht: In Wahrheit entspringe sie den Sachzusammenhängen der Welt. Der eigentliche Kern liege außerhalb, in der möglichen Struktur der Welt. Somit sei Verantwortung das Organ des Menschen für sein Schicksal, sein Karma. Verantwortung frage auch danach „was mich als Mensch von der Welt umgibt“, folgert Daniel.

Fragen zur Erkenntnistheorie waren ausgesprochen, weitere sollten im Einzelnen entstehen, denn Daniel verstand seinen Vorschlag nicht als Folge von Ratschlägen, sondern im Sinn von Plato zu vermitteln: „Weißt Du, was Du meinst?“ mit Macht Gewalt Verantwortung.

End/nna/will/ung

Link: www.zeitfuerkultur.ch

Bericht-Nr.: 091028-02DE Datum: 28. Oktober 2009

© 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/

Großbritannien debattiert weiter über umstrittene Biokost-Studie

Von Christian von Arnim

LONDON/STROUD/BRISTOL (NNA). Nach der Veröffentlichung eines Reports über Qualitätsunterschiede zwischen biologisch und konventionell hergestellten Lebensmitteln muss sich die britische Agentur für Lebensmittelstandards (FSA) zunehmend gegen Kritik aus den Reihen der Bioverbände zur Wehr setzen.

Für die Verbände sind die Ergebnisse der Studie fragwürdig, die zu dem Ergebnis kommt, dass es keine Qualitätsunterschiede zwischen biologisch und konventionell produzierten Lebensmitteln gibt und auch keinen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen der Biokost.

Dem halten die Bioverbände entgegen, dass die Basis der Studie viel zu schmal sei, dass die Ergebnisse widersprüchlich seien und wichtige Fakten nicht einbezogen worden wären.

Die Studie war von der FSA in Auftrag gegeben worden, die London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM) hatte sie durchgeführt. Erhoben worden waren die Unterschiede im Nährwert und ihre Bedeutung sowie gesundheitliche Vorteile durch die Ernährung mit Biokost.

In einem offenen Brief an „interessierte Parteien“, den die Agentur FSA veröffentlicht hat, sucht ihr Chef, Tim Smith noch einmal die Solidität der Ergebnisse der Studie zu belegen. „Die Studie wurde von uns in Auftrag gegeben, um sicher zu gehen, dass unsere Haltung gegenüber der Biokost richtig und zeitgemäß ist,“ betont Smith. Die Studie entspreche den Auswertungsprinzipien der heutigen empirischen Forschung.

Pestizide seien in der Erhebung nicht berücksichtigt worden, weil „unsere Haltung gegenüber der Sicherheit von Pestiziden eindeutig ist: Pestizide werden genau begrenzt und ihre Rückstände werden konsequent überwacht“, daher könnten sie kein unannehmbares Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen.

Der Report sei vor der Veröffentlichung intensiv von anerkannten Wissenschaftlern auf diesem Gebiet überprüft und dann von einer führenden ernährungswissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht worden. „Die Agentur habe vollkommenes Vertrauen in die Solidität der Arbeit, die das LSHTM erbracht hat,“ heißt es in dem Offenen Brief weiter.

„Unverantwortliche Interpretationen der Studie haben zu falschen Schlussfolgerungen hinsichtlich des höheren Nährstoffgehalts geführt, der in einigen Bestandteilen der Biokost gefunden wurde,“ kritisiert Smith die Kritiker der Reports. „Die wichtige Aussage des Reports besteht nicht darin, dass Menschen Biokost vermeiden sollen, sondern darin, dass sie eine gesundheitlich ausgewogene Ernährungsweise bevorzugen sollten und dass es vom Gesichtspunkt der Ernährung her gleichgültig ist, ob die Nahrung sich aus Biokost oder konventionell erzeugten Lebensmitteln zusammensetzt.“

Die Biodynamic Agricultural Association (BDAA), die biodynamische Produkte mit dem Demeter Label zertifiziert, gehört zu den schärfsten Kritikern des Verfahrens und der Ergebnisse des Reports: „Es ist keine Überraschung, dass eine ausschließlich an den Nährstoffen ausgerichtete Studie zu dem Ergebnis kommt, dass es keine Unterschiede zwischen konventionell erzeugten Lebensmitteln und der Biokost gibt. Die Substanzen, die untersucht worden sind, kommen in allen Lebensmitteln vor,“ betonte Bernard Jarman, der Geschäftsführer der Organisation. „Was mehr überrascht, ist die Tatsache, dass so eine begrenzte Untersuchung durchgeführt worden ist. Es ist allgemein anerkannt, dass die Qualität von Nahrungsmittel noch andere Faktoren einbeziehen muss wie zum Beispiel Geschmack, Lagerfähigkeit und die Freiheit von chemischen Rückständen, um nur drei zu nennen,“ fügt Jarmann hinzu.

Die Gründe, warum sich Verbraucher für Biolebensmittel entscheiden, seien vielfältig, aber wichtig unter ihnen sei die Tatsache, dass sie ohne Einsatz von Pestiziden kultiviert würden und auch tatsächlich keine toxischen Rückstände aufwiesen. Dies sei von großer Bedeutung, die Studie habe diese Zusammenhänge aber nicht berücksichtigt, betont BDAA. Die Auswirkungen von chemischen Rückständen auf die Gesundheit seien ausreichend dokumentiert.

„In einer Zeit des wachsenden Bewusstseins der Verbraucher gegenüber dem Schaden, der in der Umwelt angerichtet wird, erleben wir eine erhöhte Wachsamkeit beim Einkauf von Lebensmitteln. Biolandwirtschaft, die darauf angewiesen ist, dass die Pflanzen ihre Nährstoffe aus dem Boden beziehen, richtet ihr Augenmerk darauf, Humus herzustellen. Humuserzeugung ist ein machtvolles Mittel, den CO2 Ausstoß zu begrenzen“, fügt die biodynamische Vereinigung hinzu. Die Verbraucher wählten außerdem Biolebensmittel aufgrund ihrer Qualität und dazu gehörten „Geschmack, Geruch, Erscheinung, Haltbarkeit und Lebenskraft - alles wenig greifbare Kriterien, die sich auch in wissenschaftlichen Studien schwer nachweisen lassen. Die menschlichen Sinne können diese Qualitäten in wenigen Augenblicken erfassen und wo wir daran interessiert sind – zum Beispiel bei der Verkostung von Wein – entwickeln wir sehr scharfe Sinneswahrnehmungen.“

In der Biobranche und vor allem auch in der biodynamischen Landwirtschaft komme es gerade darauf an, das bessere Produkt herzustellen: „Verbraucher, die genauso viel Wert auf ihre Karotten wie auf ihren Wein legen, wissen, was für ein Unsinn diese Studie darstellt“.

Biodynamische Produkte mit dem Demeter-Label, die allen organischen Standards Rechnung tragen, zeichneten sich besonders durch ihren „vollen Geschmack, ihre hohe Haltbarkeit und Vitalität“ aus. Analysen frischer biodynamischer Gemüse ergäben ausgewogene Proteingehalte (die die Verdauung erleichterten) sowie einen erhöhten Gehalt von Ballast- und Faserstoffen. Dies alles seien Faktoren, die zu einer gesunden Ernährung beitrügen.

„Biokost ist besser für die Umwelt und besser für die Gesundheit. Sie ist eine weise und bedeutungsvolle Wahl des Verbrauchers“, betont die BDAA–Organisation.

Die Soil-Association, eine führende Einrichtung für Biostandards, betont, dass die Studie bereits auf den ersten Blick eine „ziemlich begrenzte Analyse“ darstelle. So seien nur Untersuchungsergebnisse berücksichtigt worden, deren Zusammenfassungen in Englisch vorlägen. Mehr als die Hälfte aller Forschungen seien dadurch unter den Tisch gefallen – darunter auch solche der EU, die im April dieses Jahrs fertiggestellt worden sein.

Es gehöre zu den Mythen in der Öffentlichkeit, dass Verbraucher nur deswegen Biolebensmittel kauften, weil sie der Überzeugung seien, damit etwas Gutes für ihre Gesundheit zu tun. Die jüngsten EU-Untersuchungen hätten dagegen gezeigt, dass die regelmäßigen Käufer von Biokost den Nutzen wesentlich weiter fassten, den die Biolandwirtschaft mit ihren Produkten erbringt.

„Wir sind enttäuscht von den Schlussfolgerungen, zu denen der Report kommt. Er unterschlägt fast alle vorliegenden Studien, in denen die Unterschiede zwischen Biokost und konventionellen Lebensmitteln untersucht werden. Das liegt daran, dass diese Studien nicht mit den Kriterien übereinstimmen, die die London School of Hygiene and Tropical Medicine für die Untersuchung festgelegt hat“, betont Peter Melchett, der Geschäftsführer der Soil Association in einer Stellungnahme.

„Obwohl die Forscher betonten, dass die Unterschiede zwischen Biokost und nicht-biologischen Lebensmitteln nicht bedeutend sind, so die relativ wenigen Ergebnisse, kommen sie dann doch zu dem Ergebnis, dass der Nährstoffgehalt in der Biokost höher ist,“ fügt er hinzu. „Die Verbraucher, die organische Produkte bevorzugen, kaufen nicht einfach Produkte, die nicht mit Pestiziden behandelt werden (ein durchschnittlicher Apfel kann bis zu 16 mal mit bis zu 30 verschiedenen Pestiziden gespritzt worden sein) – sie unterstützen ein System, das die höchsten Standards für das Wohlbefinden der Tiere hat, den Routinegebrauch von Antibiotika verbietet und den Wildbestand auf den Farmen steigert, schließt die Stellungnahme.

End/nna/cva/ung

Bericht-Nr.: 091028-01DE Datum: 28. Oktober 2009

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Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/

 

 


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