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Mon, 21 Sep 2009

Britische Experten für frühe Kindheit schlagen Alarm: Empfehlung für Einschulung mit vier muss wieder vom Tisch

LONDON (NNA). Die Politik der britischen Regierung, mit der Schulbildung wesentlich früher als in andren Ländern zu beginnen, ruft zunehmend die Spezialisten für Frühe Kindheit unter den Wissenschaftlern auf den Plan. John Wadsworth, Hochschullehrer für Erziehung in der Frühen Kindheit, hat den Premierminister jetzt in einer Petition aufgefordert, die Empfehlung Nr. 14 der Grundschul-Curriculum- Kommission zur Herabsetzung des Einschulungsalters „vorbehaltlos zurückzuweisen“.

NNA dokumentiert im Folgenden die Argumente dieser Petition.

Im April hatte der Staatsekretär für Jugend, Familie und Bildung, Sir Jim Rose, den Vorsitzenden der Grundschulkommission darüber informiert, dass die Regierung die Empfehlung der Kommission annehmen wird, nach der Kinder künftig im September nach ihrem vierten Geburtstag eingeschult werden sollen. Es wurde damit argumentiert, diese Regelung käme den im Sommer geborenen Kindern zugute.

Großbritannien hat zur Zeit eines der niedrigsten Einschulungsalter in Westeuropa, da es gesetzlich festgelegt ist, dass Kinder im Trimester nach ihrem fünften Geburtstag eingeschult werden. In der Realität beginnt die Schulzeit für die Mehrheit der Kinder früher, meist ein Trimester, manchmal auch ein Jahr vor ihrer Schulpflicht.

Bevor sie das schulpflichtige Alter erreichen, haben Kinder in Großbritannien mehrere Möglichkeiten. Sie können mit Eltern oder anderen Betreuungspersonen zu Hause bleiben oder auch in einer Pflegeeinrichtung untergebracht werden, die – wenigstens theoretisch - auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als sei dies eine ähnliche Lösung wie in den Skandinavischen Ländern, wo Erziehungseinrichtungen von hoher Qualität für alle zur Verfügung stehen. Aber hier gibt es entscheidende Unterschiede.

Im Gegensatz zu ihren europäischen Kameraden sind die britischen Kinder unter fünf Jahren formalisierten Lernprozessen ausgesetzt, einschließlich Lesen, Schreiben und Rechnen mit klar definierten Lernzielen, die bis zum Alter von fünf erreicht werden sollen. In anderen europäischen Ländern haben Kinder dieser Altersgruppe viel mehr Gelegenheit zum Entdecken, zum Sprechen und Zuhören sowie für die Entwicklung von sozialen Beziehungen. Wenn sie dann mit sechs Jahren zur Schule kommen, sind sie geistig vorbereitet auf die mehr formalen Aspekte des Lernens. Auch wenn andere Gesichtspunkte hinzukommen, zeigt sich, dass die Schüler in anderen Ländern, die später eingeschult werden, im allgemeinen besser mit dem Lesen- und Schreibenlernen zurecht kommen als die früh eingeschulten britischen Kinder.

Die Rose-Empfehlung nimmt nicht zur Kenntnis, dass es gerade die Qualität der Erfahrungen in der Frühen Kindheit sind, die zählen. An anderen Orten in Europa werden die Kinder unter sechs Jahren in Einrichtungen betreut, deren Mitarbeiter gut qualifiziert sind, meist viel Einfluss auf die Lerninhalte haben und auch darauf, wie sie umgesetzt werden. Während zum Beispiel in Skandinavien die Betreuungspersonen der Kinder unter sechs in der Regel eine hohe Qualifikation haben, meist einen Hochschulabschluss, sind Qualifikation und Bezahlung des Betreuungspersonals in vergleichbaren britischen Einrichtungen im allgemeinen niedrig. Ausgenommen davon sind die Kindergärten und Klassen, die von den lokalen Behörden eingerichtet werden, in ihnen arbeiten Lehrer.

Der Vorschlag der Rose-Empfehlung, bereits vierjährige Kinder einzuschulen, kann auf keinerlei positive Erfahrungen verweisen. Anstatt dass die Kinder in den Genuss einer Vorschulerziehung kommen, die ihrem Entwicklungsstand entspricht, werden sie in formalisierte Situationen gezwängt, wo sie weder den Stil noch den Inhalt ihrer Lernprozesse selbst beeinflussen können. Früher heißt bei Lesen- und Schreibenlernen nicht besser!

Wenn die Regierung die Kinder zu früh in formalisierte Lernprozesse schickt, besteht die Gefahr, dass Vertrauen und Motivation in ihnen zerstört werden und sie Lernen nicht als positive Erfahrung erleben. Hinzu kommt, dass die Vierjährigen in den Vorschuleinrichtungen fehlen, wenn sie eingeschult werden und den kleineren Kindern dort nicht mehr als ältere Vorbilder dienen können, die eine große Rolle bei deren Lernen und Entwicklung spielen.

Die Petition schließt mit dem Aufruf an die Praktiker aus dem Bereich „Frühe Kindheit“ in England, sich für die Rechte der jüngeren Kinder einzusetzen. Sie sollen die Regierung ebenfalls auffordern, die Rose-Empfehlung zur Einschulung zurückzuweisen, indem sie die Petition unterzeichnen.

End/nna/cva/ung

Link: http://petitions.numer10.gov.uk/startingsschool.

Bericht-Nr.: 090921-02DE Datum: 21. September 2009

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Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/

Bekannte Demeter-Aktivisten bei Bergtour verunglückt

SEEON-SEEBRUCH/RIMSTING (NNA). Demeter e.V. hat durch einen Unfall zwei bekannte Aktivisten verloren: bei einer Bergtour verunglückten nach Angaben des Verbands Jochen Ackermann (54), einer der profiliertesten biodynamischen Landwirte in Bayern und Andreas Amberger (39), der Geschäftsführer der Demeter-Milchbauerngemeinschaft. „Es ist tragisch, diese beiden engagierten Kämpfer für unsere gemeinsamen Ziele so zu verlieren“, schreibt Demeter-Vorstandsmitglied Stephan Illi in einem Nachruf. Die beiden „hinterlassen eine riesigen Lücke“ im Verband.

Jochen Ackermann war ein erfahrender Bergsteiger, vor Jahren hatte er mit einer Gruppe einen Achttausender im Himalaya bezwungen. „Jochen war immer vorsichtig, er ging nie ein Risiko ein…“ zitiert eine Online-Zeitung aus dem Chiemgau einen Freund des Demeter-Landwirts.

Dem Bericht zufolge waren die beiden Bergsteiger beim Überqueren des Blaueisgletschers abgerutscht und in eine tiefer gelegene Felsregion abgestürzt. Sie seien mit einem Seil verbunden gewesen. Bergwacht und Besatzung des Rettungshubschraubers konnten nur noch den Tod der beiden feststellen. Über die Ursache des Absturzes liegen bisher keine Erkenntnisse vor. Der Gletscher gehört zum Hochkalter Massiv in den Berchtesgadener Alpen, das 2607 Meter hoch ist.

Ackermanns Demeter-Hof in Seeon wird in zweiter Generation biodynamisch bewirtschaftet, bereits seine Eltern waren Demeter-Pioniere. Der Landwirt setzte Zeichen vor allem bei der eigenständigen Zucht von Rindern, z.B. mit einem Stallkalender nach Gestirnskonstellationen, der für viele Landwirte ein wichtiger Begleiter ist. Lange Jahre war Jochen Ackermann Aufsichtsratsmitglied der Milchwerke Berchtesgadener Land, zuletzt gehörte er dem Vorstand der Demeter-Molkerei an. Seine besondere Aufmerksamkeit galt neben der Rinder- und Pferdezucht den biologisch-dynamischen Präparaten. Die Konstellationsforschung ließ er in vielen Vorträgen lebendig werden. Er hinterlässt eine Ehefrau und zwei erwachsene Töchter.

Andreas Amberger war seit dreieinhalb Jahren als Berater im Chiemgau und als Geschäftsführer der Milchbauerngemeinschaft aktiv. Ein besonderes Anliegen war ihm die Weiterentwicklung der biodynamischen Qualität. Stabile und angemessene Milchpreise standen im Zentrum seines Engagements. Gemeinsam mit allen Beteiligten war es ihm wichtig, Vereinbarungen zu finden, die dem Demeter-Landwirt den Mehraufwand der biodynamischen Wirtschaftsweise auf Dauer ermöglichen und seine Existenz absichern.

End/nna/ung

Link: www.chiemgau-online.de

Bericht-Nr.: 090921-01DE Datum: 21. September 2009

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