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Fri, 22 May 2009

„Man muss den Kindern viel heile Welt geben”: Nachruf auf Jakob Streit

Am 15. Mai verstarb der schweizerische Kinder- und Jugendbuchautor Jakob Streit in der Schweiz im Alter von 98 Jahren. Im folgenden Nachruf von Dominik Rose ehren die Verlage Freies Geistesleben und Urachhaus einen ihrer erfolgreichsten Autoren

STUTTGART (NNA). Am 23. September 1910 in Spiez am Thuner See geboren, veröffentlichte Jakob Streit über dreißig Kinder- und Jugendbücher. 1956 wurde er mit dem Literaturpreis der Stadt Bern ausgezeichnet, zahlreiche seiner Werke wurden ins Englische, Französische, Italienische, Portugiesische, Niederländische, Schwedische, Polnische, Tschechische und Slowenische übersetzt.

Ein Fokus seiner literarischen Arbeit lag auf Tiergeschichten, Märchen, Legenden und Nacherzählungen biblischer Geschichten, die sich unter Kindern und jugendlichen Lesern großer Beliebtheit erfreuen. „Als ich nicht mehr Lehrer war“, sagte Jakob Streit einmal, „fühlte ich mich jeweils beim Schreiben wie von Kindern und Jugendlichen umgeben, die mithalfen zu gestalten.“

Jakob Streit war neben seiner literarischen Arbeit lange Zeit als Lehrer tätig und bis zuletzt ein gefragter Redner zu Themen der Pädagogik und Anthroposophie. Darüber hinaus arbeitete der vielseitig interessierte Künstler unter anderem als Theater-Schauspieler und Opern-Regisseur (so ins-zenierte er Glucks „Orpheus“ 1989 in Chieming), und widmete sich als tätiger Naturfreund leidenschaftlich der Bienenzucht. Mit seinen Büchern wollte Streit die kleinen Leser, aber auch die erzählenden Eltern zur Natur zurückführen, den Künstler im Kind wecken und zu einem vertiefenden Natur- und Menschenverständnis beitragen (z.B. in „Das Bienenbuch“ und seinem in Schulen viel gelesenen Roman „Milon und der Löwe“).

„Man muss den Kindern viel heile Welt geben, die unheile kommt noch früh genug“, sagte der Pädagoge und Kinderbuchautor einmal. Er sah die Kinder als „kleine Pflänzchen, die man vor Frost schützen muss“. Nur allmählich und behutsam dürften sie mit dem Bösen in der Welt konfrontiert werden, Geschichten und Märchen sollten diesen Prozess unterstützen. So entstanden die Kindheitslegenden, Zwergen- und Tierbücher, die die Leser – egal, ob Kinder oder Erwachsene - an die Wunder der Natur heranführen sollten.

Zu seinen erfolgreichsten Werken zählen neben dem „Bienenbuch“ auch die Zwergengeschichten „Tatatucks Reise zum Kristallberg“ und „Liputto“ sowie „Louis Braille“, ein biografischer Roman über den Erfinder der Blindenschrift, der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiert.

Die Verlage Freies Geistesleben und Urachhaus, in denen Jakob Streit zahlreiche Bücher veröffentlichte, verlieren einen vielseitigen, inspirierenden Autor, der mit seinen poetischen wie einfühlsamen Geschichten ein besonderes Gespür für die Empfindungen seiner jungen Leser besaß.

Jakob Streit - 23.09.1910–15.05.2009

END/nna/cva

Bericht-Nr.: 090522-02DE Datum: 22. Mai 2009

© 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/

Schweizer stimmen für Stärkung der Komplementärmedizin

Deutliche Mehrheit im Volksentscheid – DAMiD: Komplementärmedizin auch in Deutschland gewollt

BERN/BERLIN (NNA). Die Schweizer haben sich deutlich für eine Stärkung der Komplementärmedizin ausgesprochen. In einem Volksentscheid am letzten Wochenende (17. Mai) unterstützten mit 67 Prozent über zwei Drittel der Stimmenden eine Verankerung der komplementären medizinischen Richtungen in der schweizer Verfassung. Nun heißt es in der Bundesverfassung: „Bund und Kantone sorgen im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für die Berücksichtigung der Komplementärmedizin.“ Betroffen sind Anthroposophische Medizin, klassische Homöopathie, Neuraltherapie, Phytotherapie und Traditionelle Chinesische Medizin.

Laut NZZ Online wolle die offene neue Verfassungsnorm die Komplementärmedizin besser ins Gesundheitssystem integrieren und das Zusammenspiel mit der Schulmedizin verbessern. Wie der Volkswille nun konkret umgesetzt werde - beispielsweise bei der Ausbildung - und wie viel das am Ende kosten dürfe, müsse weitgehend das Parlament entscheiden, so NZZ Online.

Eine Grundforderung ist auch die fünf Richtungen wieder in die obligatorische Grundversicherung aufzunehmen. Sie wurden 2005 von Gesundheitsminister Pascal Couchepin gestrichen.

„Dieses klare Bekenntnis der Bevölkerung zu einer ganzheitlichen Medizin, die das Individuum wieder ins Zentrum stellt, wird auch die Stellung der Anthroposophischen Medizin im Gesundheitswesen der Schweiz deutlich stärken“, erklärte Herbert Holliger, Geschäftsführer des Vereins für anthrosophisch erweitertes Heilwesen anthrosana, in einer „Aufwertung der Komplementärmedizin“ betitelten Stellungnahme. „Dies ist insbesondere für die drei anthroposophischen Kliniken und die beiden komplementärmedizinischen Abteilungen an öffentlichen Spitälern in den kommenden, zweifellos schwieriger werdenden Jahren von existenzieller Bedeutung“, so Holliger laut anthrosana-Website.

Auch in Deutschland wurde das Ergebnis willkommen geheißen. In einer Stellungnahme erklärte der Dachverband Anthroposophischer Medizin in Deutschland DAMiD, das Abstimmungsergebnis in der Schweiz spiegele auch die Zustimmung zur Komplementärmedizin in Deutschland wider. In den vergangenen Jahren hätten verschiedene Untersuchungen immer wieder gezeigt, dass sich die große Mehrzahl der Patientinnen und Patienten eine integrative Medizin wünschen, die ganzheitlich ansetzt. „In Deutschland schwinden allerdings die Räume für eine integrativ ausgerichtete Medizin dramatisch – nicht erst seit Einführung des Gesundheitsfonds oder im Rahmen aktueller Entwicklungen zum Arzneimittelgesetz“, so die Stellungnahme. „So sollte das Schweizer Ergebnis auch in Deutschland als Anstoß verstanden werden: Es muss mehr getan werden, um die Vielfalt der Komplementärmedizin zu fördern.“

Die derzeit gültigen gesetzlichen Rahmenbedingungen verwiesen die Komplementärmedizin in „Randbereiche des Gesundheitssystems“, die Patienten müssten für viele dieser Leistungen privat aufkommen. Damit blieben wirksame und sinnvolle Therapieverfahren für viele Patienten unerreichbar, erklärte DAMiD.  Mit Bezug auf das „alte Vorurteil“, dass die Komplementärmedizin erst dann stärker berücksichtigt werden könne, wenn der vollständige Wirksamkeitsnachweis erbracht worden sei, sagte der Verband es könne heute „selbstbewusst zurückgewiesen werden, da die Komplementärmedizin heute zu einem relativen Anteil evidenzbasiert ist – anders als noch vor rund 15 Jahren.“ Zu denken geben sollte allerdings, dass es seit 1999 keine öffentliche Forschungsförderung mehr gebe.

DAMiD zeigte sich aber auch hoffnungsvoll. Die Anthroposophische Medizin – die sich explizit als eine Erweiterung und Ergänzung zur Schulmedizin und nicht als deren Gegensatz oder Alternative versteht – sehe das Schweizer Abstimmungsergebnis als positives Signal, dass sich die Rahmenbedingungen für seriöse komplementärmedizinische Ansätze auch in Deutschland ändern könnten: „Die Menschen wünschen sich eine ganzheitliche und individuell ausgerichtete Medizin. Auch Deutschland täte gut daran, diesen Wunsch stärker zu respektieren“, fasste Dr.  Matthias Girke, Vorstandsmitglied des Dachverbandes Anthroposophische Medizin in Deutschland, seine Hoffnung auf positive Auswirkungen der Schweizer Volksabstimmung zusammen.

END/nna/cva

Links: www.anthrosana.ch, www.ja-zur-komplementærmedizin.ch, www.damid.de

Bericht-Nr.: 090522-01DE Datum: 22. Mai 2009

© 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/

 

 


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