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Das innere Feuer der Freiheit pflegen
Aufbruchsstimmung auf der gut besuchten Anthroposophie- und Waldorflehrer-Tagung in Manila Von NNA-Korrespondent Walter Siegfried Hahn MANILA (NNA). Wie kann das Kind in einer auf künstliche und kognitive Technologien ausgerichteten Gesellschaft noch sinnstiftende Werte, Verhaltensweisen und Fähigkeiten entfalten? Und wie kann die Waldorferziehung dazu beitragen, die Kindheit zu schützen und dem Kind zu helfen das „innere Feuer der Freiheit“ zu pflegen? Unter dieser Fragestellung stand in der ersten Mai-Woche in Manila sowohl die Waldorflehrertagung für den asiatisch-pazifischen Raum AWTC (Asian Waldorf Teachers Conference) wie auch die Asien-Pazifik-Anthroposophie-Tagung APAC (Asia Pacific Anthroposophical Conference). Dazu kam noch ein Delegierten-Treffen anthroposophischer Gruppen. Die über 300 Teilnehmer traten nach den vielfältigen Eindrücken aus Seminaren, Vorträgen, Aufführungen und persönlichen Begegnungen in euphorischer Stimmung die Rückreise in ihre Heimatländer an. Im Jahr 1996 hatte zum ersten Mal ein Treffen von anthroposophischen Initiativen im asiatisch-pazifischen Raum stattgefunden, ebenso in Manila, damals mit 25 Teilnehmenden. Waren vor 12 Jahren die Teilnehmer aus sieben Ländern gekommen (Australien, Kanada, Indien, Neuseeland, Philippinen, Taiwan, USA), so hatte sich bei diesem siebten Treffen die Zahl der Länder verdoppelt – diesmal gab es auch Teilnehmende aus China, Japan, Malaysia, Nepal, Singapur, Südkorea, Thailand und Vietnam. Dazu gesellten sich noch Redner und Seminargeber aus dem Vereinigten Königreich, Deutschland, Isræl und der Schweiz. Neben einer allgemein anthroposophischen Konferenz ist eine Waldorflehrertagung entstanden, die in Manila zum insgesamt dritten Mal stattfand. Den Löwenanteil der Teilnehmenden stellten dabei neben dem Gastgeberland Philippinen (76) die beiden Chinas mit 142 Personen: wie auf den Philippinen selbst ist auch in China und in Taiwan eine stetig wachsende Zahl von anthroposophischen, und vor allem Waldorf-Initiativen, zu beobachten, wo mit großer Begeisterung an der Umgestaltung des Status Quo in der Schule und anderen gesellschaftlichen Bereichen gearbeitet wird. Doch auch wenn aus Ländern wie Nepal, Vietnam, Malaysia oder Indonesien nicht so viele Menschen anwesend waren, wurde deutlich, dass auch dort mit Elan anthroposophisch gearbeitet wird und die Konferenz ein wichtiger Ort für die Verbindung mit den Quellen war. Dafür sorgten nicht zuletzt die Beiträge prominenter Redner wie Hans Mulder (Neuseeland), Paul Mackay, Cornelius Pietzner und Christof Wiechert (alle Dornach). Wiechert war es, der den Geist des Aufbruchs richtig erkannte, den ein Teilnehmer mit den Jahren 1923/24 in Europa verglich – entsprechend berichtete er in seinen täglichen Vormittagsvorträgen aus den ersten Jahren der Waldorfschulbewegung. Schon Raph Lazo von der Anthroposophical Group in the Philippines hatte in seiner Eröffnungsansprache auf die besondere Bedeutung der Tagung hingewiesen, was dann auch in vielen Einzelseminaren und Kursen verdeutlicht wurde. Lazo ging in seinem eigenen Workshop für die APAC „I am a TV baby“ genauso auf das zentrale Konferenz-Thema ein wie die meisten anderen Seminargeber: die momentanen Trends der technologischen Entwicklung und ihr Einfluss auf die Entwicklung des Kindes. Was dabei zu hören war, war zumindest in der Waldorf-Szene nicht unbedingt neu, doch unbedingt in seiner Botschaft: Selbstschulung der Lehrer und Erzieher, Intensivierung der Beziehungen, Stärkung der Willenskräfte von der Ernährung über rhythmische Unterrichtsgestaltung bis zur Intensivierung von Sinnestätigkeiten und Bewegung. In den Beiträgen zu Ökologie (Mulder), Wirtschaft (Mackay) und Gemeinschaft (Pietzner) wurden grundsätzliche Töne angeschlagen, da offensichtlich von einem wenig belesenen Publikum ausgegangen wurde. Hans Mulder beschäftigte sich in seinem Beitrag damit, wie unsere Bilder von Erde und Landschaft dieselben prägen. Paul Mackay ging auf die drei Geldqualitäten Kaufgeld, Leihgeld und Schenkgeld ein betonte die Notwendigkeit von Schenkgeld für das Kulturleben sowie den Übergang von Sklavenarbeit zum Arbeitsmarkt zur Dienstleistungsgesellschaft. Als ungelöste Frage stellte er in den Raum, wie die jeweiligen Geldqualitäten zu verwandeln seien. Cornelius Pietzner konnte aus reichen eigenen Gemeinschaftserfahrungen berichten, war er doch in einer Camphill-Gemeinschaft aufgewachsen. Auch er stellte drei grundsätzliche Pfeiler in den Raum, diesmal auf Gemeinschaft bezogen: Die gemeinsame Idee ist genauso Bedingung wie ständige und ausreichende Kommunikation und die Vielfalt der Möglichkeiten. Auf der Waldorflehrertagungen gab es neben den Morgenvorträgen Wiecherts vormittags und nachmittags fortlaufende Workshops zu den verschiedenen Klassenstufen und Fächern. Die wurden zu einem guten Teil schon von asiatischen Kursgebern durchgeführt, vor allem aus den Philippinen, aus Taiwan und aus Indien. Aber auch aus Singapur, Japan, Neuseeland, Australien und Thailand kamen Beiträge. Den Abschluss des Tages bildete jeweils eine künstlerische Aufführung. Handelte es sich am ersten Abend um indigene Musik der Philippinen, endete der zweite Abend mit Tanz und Musik vom PETA (Philippine Educational Theater), das der Waldorfschulbewegung stark verbunden ist und Waldorf-Elemente in seinen Workshops verwendet. Mit dem dritten Abend begann dann die Reihe der Darbietungen aus den Teilnehmerländern mit den Kollegien der verschiedenen philippinischen Schulen. Die Tagungswoche fand im Seminarzentrum Seimeo Innotech in Quezon City statt, das der Designer Reimon Gutierrez zu dem Zweck festlich umgestaltete. Sie wurde getragen von den Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners in Berlin, der Anthroposophical Group in the Philippines und der Manila Waldorf School, denen eine hervorragende Organisation zu danken ist, mit genügend Raum für die den Filipinos eigene Kunst der Improvisation. Für 29. April bis 6. Mai 2011 ist die nächste der im Zweijahres-Rhythmus stattfindenden Tagungen nach Indien vergeben worden. Zugleich wurden jedoch unter den Teilnehmern lebhaft Ideen diskutiert, wie im Jahr 2011 auch der 150. Geburtstag Rudolf Steiners an vielen Orten Asiens gebührend zu feiern sei. END/nna/wsh Bericht-Nr.: 090520-01DE Datum: 20. Mai 2009 © 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ |
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