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Schulbildung in der Höhe der Anden. Traumreise Lateinamerika / 3. Bericht
Ruth Zbinden ist eine Waldorflehrerin aus der Schweiz, die vor kurzem in Pension gegangen ist. Nun erfüllte sie sich einen Traum: Mit dem Frachtschiff ist sie nach Mittelamerika gereist, wo sie mindestens ein Jahr lang unterwegs sein wird. Unter anderem möchte sie dort in einer Indio-Dorfschule unterrichten. NNA hat sie viele interessante Reportagen von dieser Tour versprochen. In einem ersten Bericht ging es um die Reise nach Costa Rica und die Ankunft dort auf einer Kaffeeplantage. Danach ging es weiter nach Guatemala. Nun ist sie am Ziel ihrer Reise angekommen, einer kleinen Schule in Ecuador hoch in den Anden, wo sie als Freiwillige der Organisation cielo azul arbeitet, einer kleinen Hilfsorganisation mit Sitz in Basel, die sich für das Recht der indigenen Bevölkerung auf Bildung einsetzt. (Link siehe unten) OTAVALO (NNA). Seit zwei Monaten bin ich nun wieder in einer Schule tätig – allerdings unter ganz anderen Bedingungen als zu Hause! Ich arbeite in einem kleinen Dorf, umgeben von einigen Viertausendern, weit weg vom großen Dorf Otavalo. Mein Schulweg am Montagmorgen bedeutet eineinhalb Stunden Fahrt im Lastwagen über mehr Schlaglöcher als Straße. Wenn ich Glück habe, kann ich bis zur Schule fahren, nach starkem Regen ist die Straße oft verschüttet. Das heißt: zu Fuß weiter! Meine Schule liegt in 2400 Metern Höhe und sieht sehr einfach aus. Wir würden sagen: einfach zwei Lagerräume, Komfort gleich null, dafür aber eine wunderbare Aussicht, nichts als Berge, Maisfelder und einige Hütten. In Motilon Chupa erwartet mich eine Lehrerin und 17 Kinder. Wir teilen uns in der Aufgabe. Für diese Schüler ist bereits Spanisch eine Fremdsprache. Ich bin stets erfreut über die Lernfreude dieser naturgeprägten und seelisch gesunden Kinder. Mit der körperlichen Gesundheit steht es leider schlechter. Mangelhafte Ernährung sowie fehlende Hygiene - oft fehlt fließendes Wasser - sind schuld daran. Aber helle Köpfe gibt es hier am Ende der Welt! Im Moment sind wir hier in Otavalo ein Team von 16 Menschen, hauptsächlich junge. Unsere Aufgabe besteht darin, die Lehrer zu unterstützen und Englisch als Fremdsprache zu unterrichten. Dies ist Bedingung, damit die Kinder nach dem 6. Schuljahr ins „Colegio“ eintreten können, das ihnen den Weg zur höheren Schulbildung ermöglicht. Am Wochenende finden für die Volontäre Kurse zur kulturellen Verständigung und Didaktik statt. Auch die einheimischen Lehrer werden von einem Team von cielo azul betreut. Die Menschen in der Gegend von Otavalo sind geschickte Handwerker und gute Geschäftsleute. Der Tourismus zieht aus ihnen einen großen Gewinn. Die Indigenas, die Nachfahren der Inkas im Hochland leben vom Ackerbau und vom Handwerk, besonders von der Verarbeitung von Wolle und Baumwolle. Die farbenprächtigen Werke sind mittlerweile weltberühmt. Trotzdem hat diese Bevölkerungsschicht immer noch sehr wenig Mitspracherecht in Wirtschaft und Politik. Neben den Weißen und den Mestizen bilden die Indigenas eine der drei Bevölkerungsgruppen in Ecuador. Für Kinder aus indigenen Familien ist der Weg zu einer guten Schulbildung wesentlich beschwerlicher als für die anderen. Die Struktur der Schule in Ecuador ist stark in Entwicklung begriffen, besonders in größeren Agglomerationen, aber immer noch unterentwickelt und teilweise vernachlässigt in den Dörfern der Indigenas. Die Situation der Lehrer ist schwierig. Niedrige Löhne zwingen sie zu einer zusätzlichen Beschäftigung. So bleibt wenig Zeit und Motivation, um den Unterricht vorzubereiten. Die Indigenas leben stark in ihrer Mythologie, den Ritualen und Traditionen. Sie sind eng mit der Natur und dem Rhythmus der Jahres-zeiten verbunden. Sie halten großen Respekt dem Leben in Mensch, Tier und Pflanzen gegenüber. Ihre Kleidung sind sogenannte Trachten. Die schwarzen Haare werden weder bei Männern noch Frauen geschnitten, sondern sehr gepflegt und kunstvoll geflochten. Sie gelten als Verbindung der Sonnenstrahlen zur Erde. Ihre Sprache ist Kitschua, die ursprüngliche Sprache der Bewohner Ecuadors, mit keiner anderen uns bekannten Sprache verwandt. Wenn ich diese Menschen beobachte nehme ich wahr, dass sie “Menschenweisheit”, man könnte auch sagen Anthroposophie, tief in ihrem Wesen tragen. Das Ziel der Freiweilligen von monte azul ist es, dass dieses Volk einesteils bestärkt wird, seine Kultur zu pflegen und zu erhalten, aber auch motiviert wird, den Weg zur Hochschule zu schaffen, um mehr Mitspracherecht in Wirtschaft und Politik zu erhalten. Es ist doch nicht richtig, dass die eigentlichen Besitzer dieses Landes wenig bis gar nichts zu sagen haben! Mein Leben hier ist sehr einfach, aber lehrreich, manchmal auch schwierig, da die Korruption bis in die hintersten Winkel ihre Blüten treibt; dies oftmals auch aus purer Not. Ist meine Hilfe ein Tropfen auf dem heißen Stein? Ja, aber ich bin nicht alleine, viele Menschen wirken mit und viele Tropfen können sicher etwas bewirken. Eine gute Erfahrung nach jahrelangem - von Südamerika aus gesehen - doch sehr bequemem Schulleben als Schweizer Waldorflehrerin! END/nna/rzb Link: www.cieloazul.ch Bericht-Nr.: 090505-01DE Datum: 5. April 2009 © 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ |
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