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Impf-Skeptiker als Gesprächspartner notwendigHerdecker Klinik-Chef vertrat Minderheitenposition auf der Nationalen Impfkonferenz in Mainz – „Eltern tragen bei der Impfentscheidung eine hohe Verantwortung“ – Salutogenese als Schwerpunkt Von NNA-Korrespondentin Cornelie Unger-Leistner MAINZ (NNA). Für den Dialog mit den Vertretern des gesundheitspolitischen Mainstreams beim Thema Impfen hat sich Dr. Stefan Schmidt-Troschke, der medizinische Direktor des Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke ausgesprochen. Dabei dürfe es aber nicht darum gehen, skeptische Meinungen zur Impfthema zu verteufeln, betonte Schmidt-Troschke in Mainz gegenüber NNA. Schmidt-Troschke hatte auf Einladung der 1.Nationalen Impfkonferenz in Mainz die Sichtweise der anthroposophischen Ärzte dargestellt. Bei der Konferenz sei deutlich geworden, dass man „auch die Skeptiker als Gesprächspartner braucht, um den Impfgedanken weiter zu entwickeln“, betonte Schmidt-Troschke in dem Gespräch. Auf Einladung der rheinland-pfälzischen Ministerin für Arbeit, Familie und Soziales, Malu Dreyer (SPD), hatten sich Experten aus Wissenschaft, Gesundheitswesen und Politik erstmals zur Nationalen Impfkonferenz getroffen, um gemeinsam über eine bundesweite Strategie beim Thema Impfen zu beraten. Ziel soll ein nationaler Impfplan sein. In einem Interview unterstrich die Ministerin auch, wie wichtig es ihr sei, die Impfkritiker in den Dialog einzubinden. „Wo Unsicherheiten oder Zweifel bestehen, muss Transparenz geschaffen werden,“ sagte sie gegenüber der Mainzer Allgemeinen Zeitung. Eine Impfpflicht wurde in einer Abschlussdiskussion als nicht durchsetzbar abgelehnt. Wie andere Länder zeigten, könne mit einem Nationalen Impfplan durchaus eine „hohe Durchimpfungsrate“ der Bevölkerung erreicht werden, betonte Prof. Friedrich Hofmann, der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission des Robert Koch Instituts (StiKO) am Ende des zweiten Konferenztages. Besondere Bedeutung komme dabei der Information der Bevölkerung zu. Als einen „großen Erfolg“ werteten die Veranstalter daher auch die intensive Berichterstattung der Medien zum Thema Impfen. Bereits im Vorfeld der Konferenz war in den Medien die zu niedrige Impfrate bei Masern in Deutschland angeprangert worden. Impfgegner aus der ökologisch-alternativen Szene sowie Empfehlungen anthroposophischer Ärzte wurden dafür verantwortlich gemacht. An Waldorfschulen sei es in der jüngsten Zeit wieder zu einem Ausbruch der Masern gekommen, weil Eltern Impfungen ablehnten, zum Beispiel in Hamburg. „Eltern gehen eine große Verantwortung ein, wenn sie ihre Kinder nicht gegen Masern impfen lassen“, betonten Dr. Schmidt-Troschke dazu im Gespräch mit NNA. Durch diese Entscheidung könne man zum Auslösefaktor für eine Epidemie werden. Vor der Konferenz hatte Schmidt-Troschke die Erhaltung einer freien Impfentscheidung im Sinne des Selbstbestimmungsrecht jedes Patienten gefordert. Es müsse eine differenzierte und objektive Information zum Impfthema möglich sein, die den Eltern eine eigene Meinungsbildung erlaube. Er verwies auf der Konferenz außerdem auf die Forderung des Bündnisses „Ärzte für eine individuelle Impfentscheidung“ nach einer verstärkten Versorgungsforschung in Deutschland und einer sogenannten Postmarketing Surveillance, die die Wirkungen von Impfungen nach der Zulassung untersucht. Bisher werden die Impfstoffe vor allem vorher getestet. In anderen Ländern sei diese Forschung wesentlich weiter verbreitet. Das Ärztebündnis spricht sich außerdem für eine Verbesserung des Meldesystems bei Impfkomplikationen aus. Bisher ist es so, dass nur der Arzt, der geimpft hat, Probleme an die Behörden weitermelden kann, der Patient hat dazu keine direkte Möglichkeit. Schmidt-Troschke, der auch Mitglied der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland (GAÄD) ist, bewertete seinen Auftritt auf der Nationalen Impfkonferenz in Mainz insgesamt positiv. Es sei gelungen, „Türen zu öffnen“, betonte er beispielsweise in der Frage der Postmarketing Surveillance. „Ich habe außerdem offensiv auch unsere Auffassung eingebracht, dass Kinderkrankheiten auch eine biographische Bedeutung haben,“ ergänzte er. Die Aussichten, sich mit dieser Einschätzung auch in der Gesellschaft durchzusetzen, beurteilte der Herdecker Klinikchef im Gespräch mit NNA allerdings eher negativ und riet zu anderen Schwerpunktsetzungen der anthroposophischen Medizin. Es könne nicht darum gehen, „einen langfristig gewollten gesellschaftlichen Prozess aufzuhalten“. Die anthroposophischen Ärzte möchten sich als „gesellschaftlich verantwortliche Gruppierung darstellen, die auch mitgestaltet“. Die wichtigste Zielsetzung sieht Schmidt-Troschke gegenwärtig darin, den Gedanken der Salutogenese weiter zu verbreiten. „Hier haben wir unsere Stärken, zum Beispiel in der Frage der heilenden Pädagogik“, sagte er. Das Argument von der Impfmüdigkeit will Schmidt-Troschke nicht gelten lassen. Dies sei eine Zweckdebatte, die Impfrate steige auch in Deutschland weiter, wie auch auf der Konferenz deutlich wurde. Nach Angaben des Robert Koch Instituts sind inzwischen in Deutschland 95 Prozent der Schulanfänger gegen Masern geimpft. Die zweite Impfung erhalten nur noch 87,6 Prozent, wodurch das Ziel der Weltgesundheitsorganisaiton WHO, zu dessen Einhaltung sich auch Deutschland verpflichtet hat, nicht erreicht wird, die Masern bis zum Jahr 2010 außurotten. Nach Empfehlung der StiKO des Robert Koch Instituts sollen Kinder im ersten Lebensjahr mit einer Fünf- bis Sechsfach- Impfung gegen Diphtherie, Tetanus, Polio, Keuchhusten und Hepatitis B geimpft werden, im 2.Lebensjahr mit einer weiteren Kombiimpfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Ausgesprochen wurde auch eine Impfempfehlung für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren für die umstrittene Impfung gegen Papillon-Viren. Die StiKo war im Vorfeld der Konferenz auch von der Vereinigung der Hausärzte für ihre Empfehlungen kritisiert und die Objektivität ihrer Empfehlungen angezweifelt worden. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) hatte unter dem Titel „Impfen um jeden Preis? Impfmüdigkeit in Deutschland?“ die übereilte Einführung von Impfungen gerügt und der StiKO Verflechtungen mit der Pharma-Industrie vorgeworfen. Impfungen wie die gegen Windpocken, Meningkokken C oder Pneumokokken seien in ihrer Notwendigkeit oder ihrem Kosten/Nutzen-Verhältnis fragwürdig und der Bevölkerung schwer vermittelbar, hieß es in der Stellungnahme. Bei anderen wie HPV oder Rotaviren stehe der letztendliche Wirksamkeitsnachweis noch aus. Auch der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) fordert in seiner Impfstellungnahme zum Thema Impfen, dass „Aufklärungsgespräche sachlich, wertneutral und ergebnisoffen geführt werden müssen auf der Grundlage möglichst objektiver Informationen“. Die homöopathischen Ärzte äußern ebenfalls Zweifel an den offiziellen Statistiken zum Thema Nebenwirkungen. Bei der Beratung von geimpften Kindern mit Verhaltensstörungen, die in deutlichem zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung aufgetreten sei, würden mögliche Zusammenhänge von den impfenden Ärzten immer wieder negiert. Eine Meldung als Verdacht einer Nebenwirkung erfolge erst gar nicht, heißt es auf einer Stellungnahme auf der Website des Zentralvereins. Ein Problem für die Eltern besteht offenbar auch darin, dass es kaum noch möglich ist, sich isoliert für oder gegen die Impfung gegen eine einzelne Erkrankung zu entscheiden, da die Impfstoffe überwiegend als Kombi-Impfungen angeboten werden. Das Ärzte-Bündnis für eine individuelle Impfentscheidung hat dazu einen alternativen Impf-Plan auf seine Website gestellt. Bei der Mainzer Konferenz war die pharmazeutische Industrie mit zahlreichen Ständen im Foyer der Rheingoldhalle präsent. Ein Stand von Impfkritikern durfte nicht aufgebaut werden. End/nna/ung Links: www.individuelle-impfentscheidung.de, www.degam.de, www.anthroposophischeærzte.de/, www.dzv.de Bericht-Nr.: 090310-01DE Datum: 10. März 2009 © 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ |
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