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Frist für Petition zum Grundeinkommen läuft aus
Goetz Werner zieht Bilanz: „Träume können eine Sog erzeugen“ - Ende des Normalarbeitsverhältnisses erfordert andere Form der Absicherung als Arbeit BERLIN/KARLSRUHE (NNA). Noch bis zum 10.Februar kann eine Petition an den Deutschen Bundestag online unterzeichnet werden, die die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens fordert. Darauf weist das Interfakultative Institut für Entrepreneurship der Universität Karlsruhe (TH) auf seiner Website hin. (Link siehe unten) Auf der Website des Instituts zieht der Gründer der dm Drogeriemarkt-Kette Götz W. Werner, der auch Professor am Institut ist, eine Bilanz der bisherigen Aktivitäten zum bedingungslosen Grundeinkommen nach 350 Vorträgen und anderen öffentlichen Auftritten zum Thema. (www.unternimm-die-zukunft.de) „Träume können einen Sog erzeugen“ , heißt es da. Auch und gerade dann, wenn es Realträume seien, die einen radikalen Paradigmenwechsel erforderten. Inzwischen geistere die Idee des Grundeinkommens keineswegs nur in „kleinen Zirkeln hoffnungsloser Idealisten oder radikaler Spinner“ herum, sondern werde überall diskutiert und weitergedacht und dies sogar „viel sachlicher und fantasievoller“ als er es erwartet habe. In fast jeder Partei gäbe es inzwischen Stäbe, die sich ernsthaft mit dem Thema befassten. Das „eingefrorene, erstarrte Denken“ habe angefangen, sich zu verflüssigen. In seinem Text weist Werner eindringlich auf die Notwendigkeit eines politischen Paradigmenwechsels hin. Das bedingungslose Grundeinkommen habe dabei im Kern „gar nichts mit Sozialpolitik zu tun“, die Gesellschaft brauche das Grundeinkommen, weil sich die Grundbedingungen der Arbeit dramatisch veränderten. Ob in der Industrie, im Handwerk, im Handel, im Dienstleistungsgewerbe, in der Bildung oder in der Kultur – die Zeit der glatten Lebensläufe und der lebenslangen Firmenzugehörigkeit sei „für immer vorbei“. Die Arbeitsgesellschaft des 21. Jahrhunderts werde fundamental geprägt durch unstete und brüchige Berufsbiografien. Was zum Beispiel in der Kultur oder im Journalismus schon länger bekannt sei, werde nun auch in der Bank oder bei einem mittelständischen Maschinenbauer zunehmend zum Normalfall „Der Job fürs Leben, die Firma als zweite Familie – vergangene Zeiten“, betont Werner. Regelmäßig seinen Arbeitgeber, vielleicht sogar zwei, drei Mal im Leben völlig seinen Beruf zu wechseln werde normal sein, die Zahl der Freiberufler und Projektarbeiter dramatisch zunehmen. Auch ganz „unglamouröse wirtschaftliche Aktivitäten“ sieht Werner in Zukunft häufig wie Filmproduktionen ablaufen: Hoch spezialisierte Expertinnen und Experten schließen sich für ein bestimmtes Projekt zusammen, und wenn es abgeschlossen ist, zerstreuen sie sich in alle Winde, um in neuer Zusammensetzung irgendwann das nächste in Angriff zu nehmen. Firmen, wie man sie heute kenne, würden dann vermutlich nur noch als eine Art Keimzelle für solche Projekte fungieren. „Aber ganz gewiss werden sie keinen Menschen mehr als Lehrling einstellen und ihn mit 65 Jahren, versehen mit einer goldenen Uhr, in die Rente entlassen“, schreibt der dm-Gründer weiter. In dieser neuen Arbeitswelt sei „nur der Wechsel dauerhaft“. Jeder werde vorübergehend, mal kürzer, mal länger, keinen Erwerbsarbeitsplatz haben. Die meisten Menschen werden irgendwann in ganz anderen Berufen arbeiten als jenen, die sie erlernt haben. Dazwischen seien längere Phasen des Neu-, Um- und Hinzulernens einzukalkulieren. Doch genau dies müsse letztlich finanziell ermöglicht werden, sonst gerate der Begriff des lebenslangen Lernens zur Farce. Werner sieht eine längere Lebensarbeitßeit auf die Menschen zukommen, dafür werde es aber verstärkt Außeiten geben, für die Gründung einer Familie, für soziale, politische oder kulturelle Projekte. Diese Flexibilität benötige ein Fundament. Wenn in der Arbeitswelt alles diskontinuierlich und obendrein wirtschaftlich riskant werde, könne das, was jeder Mensch kontinuierlich und garantiert zum leben brauche, das Einkommen zur Sicherung seiner Grundbedürfnisse, unmöglich allein aus Arbeit stammen. Wer daran festhalte, dass Arbeit nur Erwerbsarbeit und Einkommen nur Erwerbseinkommen bedeuten könne, sehe die Realität des gesellschaftlichen Wandels nicht. Das sei ungefähr so, wie wenn man „den ersten Industriearbeitern zur Sicherung ihres Nahrungsbedarfs einen Gemüsegarten hinter die Mietskasernen pflanzen wollte“. Nur unter dem Druck der Verhältnisse hätten die Menschen damals „langsam, teils auch widerwillig“ begriffen, dass die Epoche der bäuerlichen Selbstversorgung unwiederbringlich vorbei sei. Ein ähnlicher schmerzhafter Prozess der Erkenntnis stehe der Gesellschaft heute hinsichtlich des Endes des Normalarbeitsverhältnisses bevor. Wie lange man sich noch der Einsicht der Notwendigkeit eines Grundeinkommes verschließen wolle, „haben wir alle in der Hand- oder besser gesagt: im Kopf“, schließt der dm-Gründer in seiner Bilanz. End/nna/ung Link: https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=1422 Bericht-Nr.: 090203-01DE Datum: 3. Februar 2009 © 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ ![]() |