. . . Nachrichten für eine andere Welt Suche Nachrichtenarchiv
   

NNA News
ist eine internationale Nachrichtenagentur, die Nachrichten und Ereignisse verbreitet und kommentiert aus einer Perspektive des Geistes und die sich um ein spirituelles Verständnis bemüht, das mit der Entwicklung neuer Paradigmen auf allen Lebensgebieten verbunden ist – sei es im Aktuellen, in Politik und Gesellschaft, in der Zivilgesellschaft, in Ökologie, Erziehung, Wirtschaft, Landwirtschaft, Kunst und Wissenschaft.


English site

   




Tue, 20 Jan 2009

SEKEM baut neues Wasserlabor

Wasserqualität soll langfristig analysiert werden - Erhebliche Einsparungen durch unterirdische Bewässerung und biologisch-dynamischen Anbau möglich

KAIRO (NNA). Ein neues Wasserlabor wird zur Zeit von der SEKEM Initiative in der Nähe von Kairo in Ägypten gebaut. Es ist Teil eines Wasserbewirtschaftungsprojekts, mit dem die unterirdische Bewässerung ausprobiert werden soll. Diese gilt als effizienter und nachhaltiger im Verbrauch von Ägyptens Wasservorräten.

Das Labor entsteht nach Angaben von SEKEM auf der Adleya Farm, rund fünf Kilometer entfernt von den ursprünglichen SEKEM Gebäuden. Viele Hektar von Kräutern und Früchten werden auf der Adleya Farm angebaut und Gemüse wächst unter dem Schutz von Gewächshäusern, in denen biodynamische Methoden angewandt werden. Das Wasser für die Bewässerung der Farm wird neuerdings über unterirdische Verbindungen zur Farm gebracht. „Das war eine der wichtigsten Innovationen im Jahr 2007, sie hat der Landwirtschaft in der Region eine wichtige Verbesserung gebracht,“ heißt es dazu in SEKEM Insight, dem Newsletter der Initiative.

„Vor der neuen Installation musste das Wasser durch 150 Meter tiefe Brunnen an die Oberfläche transportiert werden und war dadurch immer schwer belastet durch Versalzung, was einen ganz negativen Einfluss auf Gesundheit und Wachstum der Pflanzen hatte. Die neue Bewässerungsmethode verbessert das Wachstum und stärkt die Gesundheit der Pflanzen“.

Das Wasserlabor wird Analysen zur Qualität des Trinkwassers, des Wassers für die Bewässerung und des Abwassers erstellen. Während die Wasseranalysen in SEKEM bisher vor allem der Feststellung des ph-Werts und des Grades der Versalzung galten und das Wasser regelmäßig auf Krankheitserreger und Keime untersuchten, ermöglicht das neue Labor jetzt ein komplettes chemisches Screening aller Arten von Wasser.

Es kann Wasser auch auf Schwermetall testen und andere flüssige Rückstände, die schädlich für Mensch und Tier sein können. SEKEM erhofft sich von dem Labor eine verlässlichere Analyse der Wasserqualität über einen längeren Zeitraum.

Zusätzlich werden die Ergebnisse auch zum Nutzen von anderen SEKEM Projekten eingesetzt zum Beispiel eine Pflanzenkläranlage.

In einem größeren Zusammenhang ziele das unterirdische Bewässerungsprojekt darauf ab, ein Bewässerungssystem zu entwickeln, das zu den ägyptischen Farmen, ihrem Klima und ihren Bedingungen passt und das den Verbrauch von Wasser in der ägyptischen Landwirtschaft verringert, schreibt der SEKEM Newsletter Insight dazu.

„Vergleicht man konventionelle und biodynamische Anbaumethoden, dann zeigt sich, dass sich durch die Methoden der biodynamischen Landwirtschaft auch so der Wasserverbrauch schon verringert. Die fruchtbarere Erde und der höhere Humusgehalt des Boden auf den biodynamischen Farmen halten das Wasser über einen längeren Zeitraum,“ heißt es weiter. „Trotzdem gibt es noch ein riesiges Einsparpotential, wenn man effektivere Bewässerungssysteme nutzt.“

Es sei bekannt, dass unterirdische Bewässerung die Verdunstung des Wassers während des Bewässerungsprozesses vermindere. „Wenn die Felder, wie bisher auf den meisten Farmen in Ägypten üblich, immer mit Wasser überflutet werden, verdunstet das Wasser schnell auf seinem Weg zur Pflanze. Auch Sprinkler können diesen Effekt kaum ausschalten. Die Hoffnung ist groß, dass das unterirdische Bewässerungssystem nicht nur den Wasserverbrauch deutlich vermindert, sondern auch zu kräftigeren Pflanzen führt, da sie direkt an den Wurzeln bewässert werden.“

End/nna/cva/ung

Bericht-Nr.: 090120-05DE Datum: 20. Januar 2009

© 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/

„Bewegung ist Nahrung für das Gehirn“

Forschung belegt Bedeutung des freien Spiels für Lernerfolg und Verhalten – Frühförderung entscheidend - Kongress der Alliance for Childhood in England

Von Rosemary Usselman und Tom Raines

LONDON(NNA). Die Einschränkungen der Kindheit in der heutigen Zeit, die Bedeutung des Spielens draußen für die Entwicklung und die Rolle des Lehrers als bestimmender Qualitätsfaktor des Lernens waren einige der Themen, die auf einer Erziehungskonferenz in London am Ende des vergangenen Jahres diskutiert wurden.

Die Konferenz mit dem Titel „Bewegung, Spiel und emotionale Beziehungen als Basis des Lernens“ wurde organisiert von der „Alliance for Childhood“ in Zusammenarbeit mit der University of East London. Die Alliance ist 1999 gegründet worden im Zuge einer Kampagne für den richtigen Umgang mit Kindern und für mehr Verständnis für sie.

Christopher Clouder, Mitbegründer und internationaler Direktor der Alliance for Childhood, eröffnete die Konferenz. Im Publikum saßen vor allem Menschen, die beruflich mit Kindern zu tun haben.

Clouder stellte fest, dass es in Großbritannien wissenschaftliche Studien gibt, nach denen 80 Prozent der Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren außer Haus betreut werden. Viele der Betreuungsplätze wiesen nach diesen Untersuchungen allerdings qualitative Mängel auf, sie entsprächen nicht den tatsächlichen Bedürfnissen der Kinder. Dieser Umstand führe auf lange Sicht zu einer Reihe von Problemen.

Allerdings, fügte Clouder hinzu, sei ein Anstieg in der Lebensqualität der Kinder in vielen Ländern zu verzeichnen, da immer mehr Regierungen die Notwendigkeit erkennen, mehr finanzielle Mittel für den Bereich der frühen Kindheit außugeben. Es sei eine der Aufgaben der Alliance for Childhood, die Aufmerksamkeit auf die ungewollten Auswirkungen einer schlechten Politik in diesem Punkt zu lenken und diese auch nachzuweisen.

Er berichtete über eine Studie mit dem Titel „Soziale und Emotionale Erziehung“, die von der spanischen Marcelino Botin Stiftung finanziert worden ist und vor kurzem publiziert wurde. Sie enthält Zahlenmaterial, das über einen Zeitraum von zehn Jahren an Schulen in Spanien und in anderen europäischen Ländern zusammengetragen worden ist. Aus dieser Studie gehe hervor, dass ein gutes Konzept pädagogischer Frühförderung unmittelbar Nutzen bringt in den Bereichen emotionale Gesundheit, akademische Bildungund soziales Verhalten. (Siehe NNA-Bericht vom 3.11.08)

Der Zusammenhang zwischen kindlicher Entwicklung und dem Lernen war das Thema des Vortrags von Sally Goddard Blythe, Beraterin für gehirngerechtes Lernen und Direktorin des Instituts für Neurologische Psychologie (INPP) in Chester, England. Es sei erwiesen, betonte sie, dass ungehinderte körperliche Aktivitäten in den frühen Lebensjahren entscheidend beitragen zur Entwicklung des Gehirns, die notwendig sei, um die Grundfertigkeiten des Lesens, Schreibens und Rechnens zu beherrschen. „Bewegung ist Nahrung für das Gehirn“, sagte sie, aber vielen Kindern würde heute keine Zeit mehr gegeben, sich körperlichen Aktivitäten zu widmen. Eine Untersuchung, die an Schulen durchgeführt worden sei, bei denen die Schulpflicht mit vier Jahren beginne, hätte bei fast der Hälfte der Kinder Anzeichen für ein unreifes Zentralnervensystem ergeben.

Zwinge man Kinder zu lesen und zu schreiben, bevor sie die notwendigen körperlichen Voraussetzungen dafür hätten, liefen sie später Gefahr, besondere Lernschwierigkeiten zu entwickeln, Leistungsstörungen sowie Verhaltensprobleme, die aus Frustration entstehen.

Blythe sprach sich dafür aus, die physische Beurteilung bei der Einschulung wieder einzuführen. Bis in die frühen 80er Jahre seien in Großbritannien drei Aspekte bei der Einschulung begutachtet worden – Aufmerksamkeit, Gleichgewichtssinn und Koordination – um zu sehen, ob das Kind schulreif war oder nicht. Bei einer Untersuchung dieser Bewertungen in einer vor kurzem veröffentlichten Studie habe sich gezeigt, dass ungefähr die Hälfte der Schulkinder im Alter zwischen fünf und sechs Jahren für den Prozess des Lernens noch nicht weit genug entwickelt gewesen seien. Bei 35 Prozent der acht- bis neunjährigen Schüler seien sogar noch Reste von „zurückgebliebenen kindlichen Reflexen“ zu finden gewesen, aus denen die Kinder eigentlich schon hätten herausgewachsen sein müssen. Dies weise darauf hin, dass auch diese Kinder noch nicht weit genug entwickelt seien, um den Anforderungen der Schule wirklich zu genügen.

Mangelnde Übereinstimmung zwischen den Anforderungen und dem Entwicklungsstand des Kindes sei es aber, die zu auffälligem Verhalten und Lernstörungen führe. Die körperlichen Aktivitäten, die ein Kind seit seiner Geburt erfahren habe, seien eng mit seiner neurologischen Entwicklung verbunden. Gebe es nicht ausreichend Gelegenheit für die Kinder zu krabbeln, herumzulaufen und zu spielen, treffe man in den Schulen zunehmend auf Leistungsstörungen wie ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, englisch ADD Attention deficit disorder), deren Ursachen allerdings nicht erkannt würden.

Blythe sprach sich außerdem dafür aus, den Unterschieden zwischen Jungen und Mädchen mehr Rechnung zu tragen. Jungen und Mädchen entwickelten ihre Fähigkeiten in verschiedenen Phasen, auf die gegenwärtig nicht im notwendigen Maß Rücksicht genommen werde. Ebenso würden Geburtsdaten oder Frühgeburten in Relation zum Beginn des Schuljahres nicht beachtet mit dem Ergebnis, dass in derselben Klasse Kinder Monate voraus oder zurück sein könnten gemessen an der durchschnittlichen Entwicklung. Trotzdem werde von allen erwartet, dieselben Aufgaben in der gleichen Zeit zu bewältigen. Diejenigen, die das Ziel nicht erreichten, würden dann als „Versager“ abgestempelt.

Blythe unterstrich die Notwendigkeit, Eltern und Erzieher sowie die Öffentlichkeit mehr über den Zusammenhang zwischen körperlichen Aktivitäten und Gehirnentwicklung aufzuklären. Sie regte Interventionsprogramme in den Schulen an, wie das vom INPP entwickelte Programm, das an vielen Schulen angewandt werde. Hier zeige sich eine signifikante Verbesserung bei der Handlungsfähigkeit, bei der Konzentration und dem Selbstwertgefühl der Kinder. Auch bei Kindern mit ADS, die oft mit Medikamenten behandelt würden, sei eine Verbesserung nachzuweisen. Blythe verdeutlichte den Nutzen der Inventionsprogramme mit einer Reihe von beeindruckenden Beispielen.

Joan Almon, Vorsitzende der US-amerikanischen Alliance for Childhood und Beraterin im Bereich frühe Kindheit sprach zum Thema Spiel. Sie war für Jan White, Erziehungsberaterin mit dem Schwerpunkt Frühförderung Outdoor, eingesprungen, sie konnte an der Konferenz nicht teilnehmen. Sie begann mit einer Definition des Spielens als einem „Verhalten, das frei gewählt, persönlich gesteuert und intrinsich motiviert“ ist. Wenn Kinder selbst steuern, was sie tun wollen, sei es Spiel, wenn es von Erwachsenen organisiert würde, tendiere die Aktivität in Richtung Sport. Sie betonte die Wichtigkeit, eine Umgebung zu erhalten, in der Kinder spielen können.

Spielen in der Natur sei fast verschwunden in den Schulen und die Angst der Eltern vor dem „guten Onkel“ trage dazu bei, viele Kinder in den Wohnungen zu behalten. Draußen zu spielen, sich mit der natürlichen Welt auseinanderzusetzen, sei aber eine existentielle Erfahrung, die Kindern helfe, Vertrauen zu entwickeln. Im Spiel draußen würden alltägliche Situationen nachgespielt, soziale Kompetenz und Zusammenwirken würden geübt – Fähigkeiten, die die Arbeitgeber unserer Zeit immer mehr an den jungen Leuten vermissten.

In wissenschaftlichen Studien werde auch gezeigt, dass viele Kindergärten mehr lehrend arbeiteten und fast ihre ganze Zeit darauf verwendeten, die Kinder auf Tests in Lesen, Schreiben und Rechnen vorzubereiten. Nur eine halbe Stunde pro Tag sei für das freie Spiel vorgesehen.

Jenny Drake, früher Grundschullehrerin mit 20 Jahren Berufserfahrung, jetzt Dozentin im Bereich Erziehungßiehungswissenschaft an der Winchester University sprach zum Thema Liebe im Klassenzimmer. Die Kinder dort abzuholen, wo sie stehen und nicht dort, wo man sie gern hätte bringe Nutzen für beide, den Lehrer und den Schüler, schilderte sie aus ihrer eigenen Unterrichtserfahrung. Liebe bedeute, die Kinder anzunehmen und auch die Unterschiede zwischen ihnen zu akzeptieren.

Penny Wilson, eine weitere Rednerin, arbeitet als „play worker“ auf Abenteuerspielplätzen in London. Play worker sind dafür da, passende Umgebungen zu schaffen, in denen die Kinder ohne Anleitung oder Aufsicht durch die Erwachsenen spielen können, das Spiel selbst organisieren sie nicht.

Penny Wilson berät kommunale Einrichtungen und Wohnungsgesellschaften in East London, wo viele Spielplätze heute verwaist und ohne Ausstattung sind. Sie versucht, die Behörden davon zu überzeugen, wie wichtig es ist, dass Grundstücke an geeigneten Orten zur Verfügung gestellt werden, die sich für Kinder eigenen und an denen sie sicher und ohne Aufsicht von Erwachsenen spielen können. Sie berichtete, wie viele Bewohner von Wohnblöcken nie erfahren hätten, was es bedeute, im Freien zu spielen. Diese Situation möchte sie ändern, indem Plätze geschaffen werden, zu denen auch die Eltern Zutrauen haben können. „Spielmangel“ sei ein Faktor, der nachgewiesenermaßen auch zur Entstehung von Kriminalität beitrage.

Sie kritisierte auch den Trend, Unmassen von Spielzeug zur Verfügung zu stellen, den Kindern dann aber keine Zeit zu lassen, um in ein kreatives Spiel einzutauchen. Auch Spielplätze könnten das Spiel der Kinder behindern, wenn ihre Ausstattung die Aktivitäten nur in eine Richtung lenke und Spielen im Matsch, mit Stöcken, mit Wasser verhindere. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Kinder auf der ganzen Welt in einer ähnlichen Weise spielten, wenn man sie ihre eigenen Pläne umsetzen lässt.

END/nna/ung

Bericht-Nr.: 090120-04DE Datum: 20. Januar 2009

© 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/

Chinesen importierten westliche Feiertage

Weihnachten ist vor allem eine gute Gelegenheit, Freunde zu treffen und gut zu essen - Nach den Olympischen Spielen ist die Neugier auf alles Internationale gewachsen

Von NNA-Korrespondent Jakob Steigerwald

Jakob Steigerwald, eigentlich zu Hause in Berlin, hält sich seit elf Monaten als Gaststudent in China auf. Er berichtet über den Alltag in Peking.

BEIJING (NNA). Traditionell ist in China das wichtigste Fest das Frühlingsfest, das entsprechend dem chinesischen Mondkalender Ende Januar oder Anfang Februar gefeiert wird. Aber China hat sich gewandelt und inzwischen sind auch die Feste aus dem Rest der Welt modern und gehören genauso dazu, sogar ein christliches Fest wie Weihnachten. Das hört sich erst einmal etwas ungewohnt an, ausgerechnet in dem Land, das man in Europa so stark mit Atheismus in Beziehung setzt.

Während Valentinstag und Halloween ähnlich wie bei uns gefeiert werden, sehen die Chinesen in Weihnachten vor allem eine gute Gelegenheit, mehr mit Familie und Freunden außugehen und gut zu essen. Mit der Geburt von Jesus Christus bringen die wenigsten das Fest in Verbindung. Die Chinesen lieben feiern, schmücken und gut essen, da bietet sich Weihnachten eben an und wird importiert, auch ohne den christlichen Inhalt. Vor allem bei den jungen Chinesen kommt es immer mehr in Mode, an Weihnachten etwas zu unternehmen, auch wenn es keine arbeitsfreien Tage sind wie bei uns.

Denn wie am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag wird auch am 24. Dezember in China gearbeitet. Läden haben geöffnet und in den Schulen und Universitäten wird unterrichtet. Der 24. Dezember war so eigentlich für den Schreiber dieses Artikels ein ganz normaler Tag in Peking, bitterkalt und sonnig. Gegen meine Gewohnheit blieb ich jedoch nicht in der Universität, sondern machte mich nachmittags auf den Weg noch ein paar Weihnachtsgeschenke für meine Gasteltern zu kaufen.

Im nördlichen Chaoyang Bezirk ging ich auf einen Blumenmarkt auf der Suche nach einem passenden Geschenk. Hier, wo die meisten Ausländer und Botschaften Pekings angesiedelt sind kann man manche Ecken nicht von einer europäischen Stadt unterscheiden: Geschäfte und Straßen sind weihnachtlich geschmückt, auf dem Blumenmarkt gibt es Tannenbäume und Weihnachtsschmuck in Hülle und Fülle. Um die Ecke befindet sich gleich die “South German Backery”. Hier kaufte ich noch schnell ein Tütchen Basler Leckerli und einen Christstollen. Mit meiner Anfrage nach Nürnberger Lebkuchen konnte die chinesische Bedienung zu ihrem Bedauern nichts anfangen, jedoch durfte ich meine Telefonnummer hinterlassen. Fünf Minuten später rief mich die Chefin persönlich an und erklärte mir in fränkischem Dialekt, dass es dies Jahr leider keine Nürnberger Lebkuchen gäbe.

Peking ist besonders jetzt nach den olympischen Spielen eine Weltstadt mit beispielloser Internationalität geworden. Nicht nur, dass es in allen Ecken von Ausländern nur so wimmelt, für die in den Supermärkten jede erdenkliche Spezialität der Welt bereitsteht. Auch die Chinesen selber sind weltoffener geworden und immer an etwas Neuem interessiert. Besonders Waren aus Europa und Amerika finden großes Interesse. Zwar kann man nicht immer sagen, dass es ihnen auch wirklich schmeckt, denn im Großen und Ganzen bleiben sie schon bei traditionell chinesischen Spezialitäten. Aber sie probieren zumindest alles.

Auf dem Heimweg vom Blumenmarkt schielte der Taxifahrer neugierig auf meine eingepackte Orchidee und fragte: “Ist das ein Weihnachtsgeschenk?” Junge Chinesen sind oft sehr interessiert wie man denn in Deutschland Weihnachten feiert, und erzählen dann gerne, wie sie Weihnachten verbringen. Die meisten unternehmen etwas mit Freunden, sei es zusammen Essen oder ins Kino gehen oder die Nacht in einer Karaoke- Bar verbringen. Die Preise für Kino und Karaoke sind am Heiligabend oft zwei bis dreimal so hoch wie an normalen Tagen. Auch Geschäfte und Firmen geben sich weihnachtlich: in den Einkaufspassagen werden Weihnachtslieder gespielt, an belebten Straßenkreuzungen kann man statt Schmuck aus Tibet oder Handies aus Korea nun Weihnachtsbäumchen aus Plastik kaufen und viele Firmen veranstalten für ihre Mitarbeiter Weihnachtsparties.

In meiner Wohnsiedlung angekommen war ich wieder sehr weit entfernt von Weihnachten. Hier im südlichen Chaoyang Bezirk sind die meisten Häuser noch traditionelle, einstöckige Backsteinbauten. Auch die Nachbarn schauten neugierig auf die verpackte Orchidee, als ich aus dem Taxi stieg. Abends bei meiner Gastfamilie gab es ein deutsch-chinesisches Abendessen, dazu Glühwein und Leckereien aus der “South German Bakery”. Ein paar Kerzen wurden aufgestellt, dann verteilte ich meine Geschenke, die mit etwas Verwunderung entgegen genommen wurden. Normalerweise gibt es in China an Weihnachten keine Geschenke, und Geschenke werden auch grundsätzlich nicht eingepackt. Letztendlich freuten sich aber alle und die Stimmung erinnerte schon an Weihnachten zu Hause, auch ohne Weihnachtsbaum und Nürnberger Lebkuchen.   Das wichtigste Fest bleibt jedoch das Frühlingsfest, das am ersten Tag des ersten Monats im chinesischen Mondkalender gefeiert wird. Dieses Datum fällt je nach Jahr auf Ende Januar bis Anfang Februar unseres Kalenders. Auch heute noch werden die meisten chinesischen Feste nach dem Mondkalender berechnet, viele Leute feiern sogar ihren Geburtstag danach. Am chinesischen Frühlingsfest kommt traditionell die gesamte Familie zusammen, man macht zusammen Jiaozi (mit Fleisch und Gemüse gefüllt und anschließend gekochte Teigtaschen) und verbringt die Neujahrsnacht mit Kartenspielen und natürlich jeder Menge Feuerwerk.

Für mich selber ist jedes chinesische Fest wieder ein neues Erlebnis, bei dem ich mehr über diese reiche Kultur erfahren darf. Die Traditionen bei den kleinen Festen in der Familie sind vor allem das gemeinsame Verspeisen einer bestimmten Spezialität, zum Beispiel Mondkuchen am Mondfest (einem mit Lotossamen, Bohnen oder Sesam gefüllter Kuchen) oder Zongzi (in Bambusblättern gekochte Reiskuchen) am Drachenbootfest. Dies und mehr durfte ich schon in meiner Gastfamilie mitfeiern. Jetzt steht das größte Fest vor der Tür, ich bin sehr gespannt was ich dort Neues erleben werde.

END/nna/jst

Bericht-Nr.: 090120-02DE Datum: 20. Januar 2009

© 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/

50 Jahre biodynamischer Landbau auf Perry Court Farm in Großbritannien: Farmer Brockman für sein Lebenswerk ausgezeichnet

LONDON (NNA). Die britische Vereinigung für Biologisch-dynamische Landwirtschaft (BDAA) feiert das 50jährige Bestehen der biodynamischen Wirtschaftsweise auf der Perry Court Farm in der Nähe von Canterbury in Kent. Farmer Alan Brockman wurde für sein Lebenswerk mit einem speziellen Preis ausgezeichnet. Brockman, der die Perry Court Farm seit den 50er Jahren bewirtschaftet, habe auf vielfältige Weise zur Entwicklung der biologisch-dynamischen Landwirtschaft in Großbritannien beigetragen, schreibt die BDAA dazu in einer Erklärung.

„Seine Überzeugung und Hingabe an die Arbeit sind immer noch eine Inspirationsquelle für alle, die sich auf die biodynamische Reise machen,“ fügt die Vereinigung hinzu.

Perry Court war schon immer die typische Mischwirtschaft, wie sie in Kent anzutreffen ist mit dem Anbau von Früchten, Hopfen, Getreide und der Haltung von Schafen. Seit 1953 wurden die 330 Morgen der Farm von Familie Brockman bewirtschaftet. Heute ist sie immer noch eine Mischwirtschaft und nutzt traditionelle Methoden, um die Erträge auf eine sichere und nachhaltige Weise aufrechtzuerhalten und zu verbessern. Die Umstellung auf eine organische und biodynamische Wirtschaftsweise begann bereits in den fünfziger Jahren zunächst mit dem Obst-und Gemüseanbau. Nun wirtschaftet die vierte Generation der Familie auf Perry Court auf bewährte Weise – hinzugefügt wurde der Nutzen der modernen Technik und die neusten organischen und biodynamischen Methoden.

Alan Brockman erhielt die Außeichnung für sein Lebenswerk Anfang Dezember im Rudolf Steiner Haus in London. Der Festakt zielte sowohl auf das bereits Erreichte als auch auf die zukünftigen Ziele der Farm. Ein Büffet mit biodynamischen Speisen sowie eine kurze Ansprache von Alan Brockman rundeten das Ereignis ab. Außerdem fand eine Diskussion über die „aufregenden Perspektiven der biodynamischen Landwirtschaft“ statt, berichtet die BDAA. Am Schluss der Veranstaltung stand ein kurzes Konzert der Liedermacherin Susan Raven, die – wie BDAA schrieb – ein großer Fan der biodynamischen Landwirtschaft ist.

END/nna/cva/ung

Links: www.biodynamic.org.uk, www.perrycourtfarm.com, www.susanraven.com

Bericht-Nr.: 090120-03DE Datum: 20. Januar 2009

© 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/

Hygienestandards gelten auch in der Naturmedizin

Anthroposophische Verbände reagieren auf Urteil gegen HNO-Ärztin aus Bayern

BERLIN/RAVENSBURG (NNA). Ärzte, die in ihren Praxen Naturmedizin zugrunde legen, sind verpflichtet, mit denselben Hygienestandards zu arbeiten wie alle anderen Arztpraxen. Dies unterstrichen Vertreter der anthroposophischen medizinischen Organisationen aus Anlass eines Gerichtsurteils gegen eine Ärztin in Ravensburg, die diese Hygienestandards nicht eingehalten hatte.

Wer gegen die Hygienevorschriften verstoße, handele „gegen jede Art der verantwortungsvollen Medizin“, erklärte dazu Dr.  Matthias Girke im Namen der Fachvereinigung Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland (GAÄD) sowie des Dachverbandes Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD). Faktenbasierte Hygieneanforderungen seien standardisiert und würden im gleichen Umfang für alle Ärztinnen und Ärzte gelten, unabhängig von ihrer fachspezifischen Qualifikation und medizinischen Ausrichtung, heißt es weiter in der Stellungnahme, die vom Dachverband Anthroposophische Medizin (DAMiD) in Berlin veröffentlicht wurde.

Die Anthroposophische Medizin verstehe sich als eine Erweiterung und Ergänzung zur Schulmedizin und nicht als Gegensatz dazu, betonte Girke. Dementsprechend durchlaufen alle Ärztinnen und Ärzte, die anthroposophisch-medizinisch tätig sind, zunächst eine universitäre schulmedizinische Ausbildung und werden danach in den Inhalten der Anthroposophischen Medizin weiter gebildet. Seit 1976 ist die Anthroposophische Medizin im Arzneimittelgesetz als medizinische Richtung gesetzlich verankert und im Sozialgesetzbuch V als „besondere Therapierichtung“ anerkannt.

Mit ihrer Stellungnahme reagierten die Verbände auf ein Urteil des Landgericht Ravensburg vom 16.12.2008, in dem eine HNO-Ärztin aus Bad Saalgau wegen schwerer Hygienemängel in ihrer Praxis zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einem dreijährigen Berufsverbot verurteilt worden war. Während der Gerichtsverhandlung wurde bekannt, dass die Ärztin in ihren medizinisch-therapeutischen Ansatz Naturheilkunde, Homöopathie sowie Anthroposophische Medizin miteinbezogen hatte.

Die 56 Jahre alte Ärztin hatte nach Angaben des Gerichts im Zeitraum von Januar 2005 bis Oktober 2007 zahlreiche Patienten mit einer Eigenbluttherapie behandelt, ohne über die dafür erforderliche Erlaubnis nach dem Arzneimittelgesetz zu verfügen. Außerdem waren in ihrer Praxis Spritzen und Infusionsbestecke mehrfach verwendet und nicht in ausreichendem Maße sterilisiert worden. Presseberichten zufolge hatte die Ärztin ihr mangelhaftes Handeln in der Hygiene ihrer Praxis im Prozess mit Gesichtspunkten des Umweltschutzes begründet.

end/nna/ung

Bericht-Nr.: 090120-01DE Datum: 20. Januar 2009

© 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/

Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/