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Glücklich in Guatemala? Traumreise Lateinamerika / 2.Bericht
Ruth Zbinden ist eine Waldorflehrerin aus der Schweiz, die vor kurzem in Pension gegangen ist. Nun erfüllte sie sich einen Traum: Mit dem Frachtschiff ist sie nach Mittelamerika gereist, wo sie mindestens ein Jahr lang unterwegs sein wird. Unter anderem möchte sie dort in einer Indio-Dorfschule unterrichten. NNA hat sie viele interessante Reportagen von dieser Tour versprochen. In einem ersten Bericht (6.10.08) ging es um die Reise nach Costa Rica und die Ankunft dort auf einer Kaffeeplantage. Nun steht Guatemala auf dem Programm. ANTIGUA, Guatemala (NNA). Seit über zwei Monaten bin ich jetzt in Antigua in Guatemala, meinem ersten „sesshaften“ Ort in Lateinamerika. Die ganze Zeit über habe ich eine Sprachschule besucht. Antigua ist geprägt vom Kolonialismus und deshalb Weltkulturerbe. Mir gefällt das angenehme Ambiente, ideal um hier heimisch zu werden, auch wenn es nicht das normale, alltägliche Guatemala darstellt. Die Sprachschulen werden besucht von Menschen jeglichen Alters, die sich eine Außeit zusammengespart haben, um im Land die Sprache zu lernen, sei es um zu reisen, aus beruflichen Gründen oder aus Interesse an der Kultur. Als Unterkunft habe ich mir ein Studio in einem Gasthaus gemietet. Da ich den Kontakt zur Bevölkerung gesucht habe, fühle ich mich inzwischen nicht mehr so sehr als Touristin. Schon auf dem Markt in Antigua oder im nächsten Dorf begegne ich Einheimischen mit all ihren Sorgen und Freuden. Mein Alltag ist fast wie zu Hause. Doch anstatt zu unterrichten bin ich die Schülerin. Da die Bedürfnisse der Studenten sehr verschieden sind, ist der Unterricht fast immer individuell gestaltet, d.h. jeder Student hat eine Lehrperson. Kompetente Menschen haben es mir ermöglicht, viel über Kultur und Alltag des Volkes in Guatemala zu erfahren. Ich wurde gewarnt – das Land sei ein heisses Pflaster. Drogen- und Waffenhandel sowie Korruption würden hier regieren. Obwohl ich als vorübergehende Bewohnerin etwas geschützt lebe, kann ich meine Augen nicht verschliessen. Jahrzehntelanger Buergerkrieg im letzten Jahrhundert, der mit einem Friedensvertrag 1996 beendet wurde, immer wieder Vulkanausbrüche, Erdbeben – obwohl das ausgeglichene und milde Klima immer für reiche Ernten sorgt, ist inzwischen aus Guatemala eines der ärmsten Länder Lateinamerikas geworden. Besonders schwer haben es die Ureinwohner des Landes, die Indigenas. Es brauchte eine sehr mutige Frau - Rigoberta Menchu, geboren im Jahre l959 - die seit ihrer Jugend unerschütterlich fuer die Anerkennung der indigenen Bevölkerung, der Mayas, und für die Respektierung der Menschenrechte kämpfte. Im Jahre 1991 erhielt sie den Friedens-Nobelpreis. Die Welt horchte auf. Trotzdem ist der Kampf noch lange nicht ausgefochten. Heute liegt die Arbeitslosenquote bei 35 Prozent, die Inflation beläuft sich auf 13 Prozent pro Jahr. Besonders betroffen sind die Indigenas, die 50 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Nur langsam gelingt es ihnen, Schulbildung und Mitspracherecht zu erhalten. Was man hier beobachten kann: Die einfache Lebensweise bringt nicht nur „Natur“, sondern manchmal auch Schaden. Die Mütter tragen ihre kleinen Kinder den ganzen Tag auf dem Rücken. Dies bringt viel Geborgenheit. Da die Frauen aber stundenlang am offenen Feuer im Ein-Raum-Haus kochen - oft mit feuchtem Holz - schädigen Russ und Rauch die Atemwege und Lunge der kleinen Kinder nachhaltig. Täglich treffe ich aufgeschlossene, freundliche Menschen. Ich beobachte, wie sie miteinander umgehen und nehme wahr, dass Familien kaum schelten oder streiten und die Kinder offen und freundlich sind. Das Personal in den Betrieben begegnet sich mit Hilfsbereitschaft und Rücksichtsnahme. Besonders auffallend ist, wie sich die Indigena-Frauen präsentieren. Sie tragen grosse Lasten auf den Schultern und dem Kopf. Meistens hängt es von der Mutter ab, ob die Kinder zur Schule gehen können. Ich sehe aufrecht gehende Frauen mit offenem Blick, die ihre Lasten sicher und selbstbewusst tragen. Es gibt noch einige Rigobertas hier! Ich frage einige Menschen, die in verschiedenen Lebenssituation stehen, ob man in Guatamala glücklich sein kann - aller Sorgen zum Trotz und bekomme die folgenden Antworten: Lily, die 50-jährige Sprachlehrerin, Mestizin: Das ausgeglichene Klima verhilft zu Wohlbefinden. In der Erziehung werden Respekt innerhalb der Familie, älteren Menschen gegenüber und Nächstenliebe gelehrt. Marcial, ein junger Familienvater, Mestize: Gute Frage . . . ich genieße die kleinen Momente des Glücks, lebe in der Gegenwart. Vergangenes ist geschehen, was die Zuklunft bringt, weiß ich nicht, aber jetzt lacht meine kleine Tochter! Nick, Australier, im Freiwilligen-Einsatz, arbeitete mit allen Bevölkerungsschichten zusammen: Das soziale Netz ist stark und wird gepflegt. In den Menschen wohnt eine Leidenschaft, die in der Liebe zur Musik und gemeinsamem Essen zur Geltung kommt. Die junge Gemüsehändlerin auf dem Markt, eine Indigena: Lacht, klopft sich auf die Brust und sagt: „Weil Gott da drinnen ist! Wir haben wenig, aber das Notwendige haben wir immer wieder erhalten!“ Diese Freude, Zufriedenheit und Zuversicht wirken sehr ansteckend! Herzliche Grüße aus Guatemala! End/nna/ruz Bericht-Nr.: 081222 Datum: 22. Dezember 2008 © 2008 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ Jugendhilfeprojekt in Südfrankreich ringt um Überleben
TAUTAVEL (NNA). Das schweizerische Jugendhilfeprojekt „Centre de Formation“ in Tautavel, Frankreich, das in den vergangenen Jahren vielen Jugendlichen aus Deutschland und der Schweiz pädagogische Hilfe in Not- und Krisensituationen leisten konnte, kämpft auch weiterhin ums Überleben. Wie aus dem neuesten Bericht hervorgeht, der von Centre-Gründer Gregor Scherer im November verschickt wurde, ist die Liegenschaft des Centre in der Nähe von Perpignan zum Verkauf ausgeschrieben. Das Jugendhilfeprojekt soll in der Schweiz weiterbetrieben werden. Hintergrund für die Entwicklung ist die Tatsache, dass Aufenthalte im Centre in den letzten zwei Jahren von den Jugendämtern nicht mehr finanziert worden war. Wegen Problemen mit einer Organisation der Jugendhilfe in Spanien sei in der Schweiz die öffentliche Hilfe für Jugendliche in Auslandsprojekten im Jahr 2006 komplet eingestellt worden. Von den 50 Schüleranfragen, die das Centre zum Schuljahr 06/07 erhalten habe, konnte niemand aufgenommen werden, da die öffentliche Unterstützung nicht gewährt wurde und die Eltern den Schulbeitrag des Centre in Höhe von 300 Euro im Monat nicht bezahlen konnten, heißt es in dem Bericht. Es sei auch nicht gelungen, Patenschaften für die Schüler zu finden. Auch Bemühungen, das Centre als Außenstelle eines Schweizer Projekts weiter zu betreiben, seien bisher nicht erfolgreich gewesen. Aufnahmen von Jugendlichen seien trotz des ungewissen Standorts auch weiterhin möglich. Die pädagogische Hilfe sei in jedem Fall gewährleistet, schreibt Gregor Scherer. Auch im Schuljahr 07/08 hatte es 13 Anfragen um Aufnahme gegeben, den aus den genannten Gründen nicht entsprochen werden können. Vier Jugendliche konnten für eine kurze Zeit zur Krisenintervention im Centre aufgenommen werden. Für das Schuljahr 08/09 haben sich drei Schüler im Centre eingeschrieben, für die ein knapp kostendeckender Betrag bezahlt werden konnte. Acht weitere mussten abgewiesen werden. Das Centre, das auch Hotelzimmer und Veranstaltungräume aufweist, ist inzwischen zu einem beliebten Tagungsort für Seminare, Klassenlager und andere kulturelle Aktivitäten geworden. Bisher wurden im Centre Jugendliche in schwierigen Lebenssituation im Alter von zwölf bis 17 Jahren aufgenommen, die Anzahl war auf maximal 12 beschränkt, das Bildungsprogramm im Centre war auf ein Jahr Aufenthalt angelegt. Durch Mitarbeit in der Liegenschaft konnte der Schulbeitrag reduziert werden. End/nna/ung Link: www.centre-de-formation.com, Email: centre.form@wandadoo.fr Bericht-Nr.: 081222-03DE Datum: 22. Dezember 2008 © 2008 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ „Frankfurter Memorandum“ jetzt auch in Französisch
FRANKFURT (NNA). Das „Frankfurter Memorandum“ als Entgegnung zum Vorwurf des Rassismus im Werk von Rudolf Steiner liegt jetzt auch in französischer Sprache vor. In Kürze wird es auch in Englisch erscheinen. Dies teilte der INFO3 Verlag in Frankfurt mit. Autoren sind Ramon Brüll und Jens Heisterkamp, Herausgeber und Chefredakteur der auflagenstärksten anthroposophischen Zeitschrift INFO3, die in Frankfurt erscheint. „Die Rudolf-Steiner-Schulen und Zweige der Anthroposophischen Gesellschaft verfügen damit über ein Aufklärungsmaterial und haben auch ein Instrument, um Unterstellungen und falschen Behauptungen besser begegnen zu können“, erklärte dazu Robert Thomas von der Koordinationsstelle der Rudolf Steiner Schulen in der Schweiz und Liechtenstein, auf dessen Initiative hin das Memorandum übersetzt worden war. Nach einem längeren Diskussionsprozess sowohl mit Vertretern der Anthroposophie als auch mit unabhängigen Experten war die Schlussfassung des „Frankfurter Memorandums“ im September diesen Jahres zunächst in Deutsch veröffentlicht worden. In dem Text kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass es im Werk Rudolf Steiners vereinzelt Äußerungen gibt, die heute diskriminierend oder rassistisch wirken und als „historisch überholt“ beurteilt werden müssen. Gleichzeitig wird betont, dass das Thema „Rassen“ für das Ideengebäude der Anthroposophie insgesamt keinerlei Rolle spielt. „Auf Tausenden von Buchseiten und in Hunderten von Vorträgen zu spirituellen, religiösen, pädagogischen, medizinischen oder politischen Fragen kommt das Thema ‚Rasse’ überhaupt nicht vor. Weder in der anthroposophischen Literatur der Gegenwart noch etwa in Lehrplänen für Waldorfschulen finden sich Äußerungen wie die hier untersuchten“, heißt es dazu in dem Memorandum. End/nna/ung Link: Die französische und die deutsche Version sind auf der Website von INFO3 als Download verfügbar unter www.info3.de/wordpress/?p=153 Bericht-Nr.: 081222-01DE Datum: 22. Dezember 2008 © 2008 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ ![]() |