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Sun, 24 Feb 2008

Mut zur Selbstreflektion auch an der Waldorfschule

Weiterbildungstagung für Lehrer an Schweizer Steiner-Schulen befasste sich mit Idee und Wirklichkeit im pädagogischen Alltag

DORNACH (NNA). „Mut zu Selbstreflexion“ auch für Waldorflehrer war das Fazit der diesjährigen Weiterbildungstagung, zu der sich rund 310 Lehrkräfte der Schweizer Waldorfschulen im Januar am Goethanum in Dornach versammelt hatten. „Unser pädagogischer Alltag - Idee und Wirklichkeit“ lautete der Titel der Tagung, bei der auch Eltern und Schüler anwesend waren.

Prof. Allan Guggenbühl, ein durch sein Engagement in der Erziehungsberatung und im Konfliktmanagement der Schweizer Bildungslandschaft bekannter Psychologe, vertrat in seinem Gastreferat die These: „Schüler müssen die Lehrperson fühlen können.“

Auch die Erkenntnisse der Studie zur Bildung und Lebensgestaltung ehemaliger Schüler von Steiner-Schulen in der Schweiz - eine Absolventenbefragung aus dem Jahr 2007 - flossen in die Weiterbildungstagung ein. Waldorfschulen können demnach in einer Zeit der Hektik und der Oberflächlichkeit zur „lebensbildenden Oase“ werden, die die Schüler auf beiden Beinen im Leben stehend in den Alltag entlasse, hieß es dazu.

Achtundzwanzig Workshops mit Themen wie „Elite-Schule oder Volksschule?“, „Integration von Wirtschafts- und Rechtskundeunterricht in den Lehrplan“ bis hin zur Verbindung vom Lehramt an der Waldorfschule mit einem Universitätsstudium bildeten die Basis des Fortbildungsangebots.

Der Film „Faßination Rudolf Steiner – wer isch das eigentlich gsi?“, von Jugendlichen für Jugendliche gemacht, führte den Anwesenden Biografie und Lebenswerk Rudolf Steiners aus einer neuen Perspektive vor.

End/nna/ung

Kontakt: Robert Thomas, Arbeitsgemeinschaft der Rudolf Steiner Schulen in der Schweiz und Liechtenstein, Carmenstrasse 49, CH - 8032 Zürich. Tel: 044 262 25 01; Fax: 044 262 25 02 eMail: rthomas@access.ch

Bericht-Nr.: 080224-03DE Datum: 24. Februar 2008

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Künstlerisches Tun als Schlüssel zur Verwandlung

Alanus-Hochschule diskutierte Wirkung der Kunst im sozialen Raum

Von NNA-Korrespondentin Edith Willer-Kurtz

ALFTER (NNA). Sind die Impulse und Visionen von Beuys noch präsent oder wie haben sie sich weiterentwickelt? Das war eine der Fragen, die im Februar ein Wochenende lang an der Alanus-Hochschule in Alfter im Raum stand. „Public- Private, Kunst im öffentlichen Raum“ war das Thema eines Symposium des Fachbereichs Kulturwissenschaften, zu dem überwiegend geladene Künstler nach Alfter gekommen waren. Für die Alanus-Studenten bot das Wochenende eine hervorragende Möglichkeit, sich aus erster Hand über die Realisierung von Projekten zu informieren.

„Wo hört der private Raum auf und wo fängt der öffentliche Raum an? Oder führt schon diese Frage in die Irre? benannte Thomas Engelkamp, einer der Leiter des Symposiums, einen Aspekt des Themas. Die Antworten formen die Zukunft mit. Basierend auf der Idee des open space - der Öffnung eines Diskussionsraums besonderer Qualität - wird der Austausch untereinander und die Begegnung mit Experten möglich.

„Was kann der Künstler in der Gesellschaft bewirken und wie wirkt er?“ Und wie lässt sich diese Frage den Studenten in ihrer Studienzeit vermitteln, die eher in Bildhauerei und Malerei mit der Materialverbindung und der Auseinandersetzung mit Stein, Holz, Ton oder mit Farben beschäftigt sind. Kunst im öffentlichen Raum dürfe nicht verstanden werden als erweiterte Galerie mit der Skulptur für den Marktplatz. Diese Ansichten hätten sich überlebt, wenn man auf die Zukunft der Studierenden schaue, hieß es.

Betrachtet man die Entwicklungsgeschichte der Alanus Hochschule, so stellt bereits ihr Untertitel ihres Namens als Hochschule für Kunst und Gesellschaft die Lehrenden in die Verantwortung, die Öffentlichkeit mit einzubeziehen.

Angereist waren denn auch Künstler, die in der Öffentlichkeit wirken. Sie kamen aus Glasgow, Oxford, Wien, Basel, Berlin und aus der näheren Umgebung. Sie diagnostizierten, diskutieren, präsentierten und experimentierten mit den Studierenden in Foren, legten Fäden in deren Bachelor- und Master-Zukunft.

Spätestens seitdem Joseph Beuys den erweiterten Kunstbegriff geprägt hat, geht künstlerisches Wirken anders, sind neue Methoden in der Welt. Die Aktion zwischen den Menschen dort, wo Wärme entstehen kann, und wo im Bewusstsein Weltwirksamkeit beginnt, dort lebt der Mensch immer auch als Künstler.

Beuys habe zum Beispiel auch etliche Behördengänge zu gehen gehabt, bevor die jetzt berühmten 7000 Eichen und Basaltsteine auf dem Vorplatz der Dokumenta in Kassel zum Kunstwerk erklärt worden seien und dann als „Stadtverwaldung“ in und um Kassel „Nutzen“ brachten. Kreativität sei nämlich ein gutes Mittel, erstarrte Gefüge aufzuweichen und in den verbesserten Sollzustand zu wandeln, in der Gesellschaft, in der Industrie, der Verwaltung, den Schulen, dem öffentlichen Leben. Aufgerufen mit diesem Beispiel sei der Künstler.

Erfolg sei dem beschieden, der in der Öffentlichkeit erkenne, wie Kreativität im öffentlichen Leben wirken könne. Enno Schmidt erzählte von seinen mit Einfühlsamkeit verwirklichten Aktionen in der Industrie in den Forenstunden „Wie werde ich als Mensch fähig, in der Gesellschaft zu wirken, nicht per Titel, sondern mit Inhalt“. Daran anknüpfend, sprach er zukunftsweisende Handlungsvorschläge an, darunter auch das Thema Grundeinkommen und bekundete vor den Studenten seine Auffassung: “Es werden Leistungsmöglichkeiten frei, damit Zukunft stattfinden kann“.

Shelley Sacks , Gründerin der Social Skulpture Research Unit an der Oxford Brookes University, hatte großen Zulauf in den Forenstunden. In ihren Künstleraktivitäten, von denen sie erzählte, geht es ihr um die Vergegenwärtigung der Weltthemen, sie sieht im künstlerischen Tun eine nicht zu unterschätzende Macht, Bewusstsein zu schaffen und das so Wirkung entfaltet. „Wie vermittle ich etwas, das tief in mir ist, an einen Anderen und schaffe so einen zwischenmenschlichen Austauschraum?“

Sacks machte den Studierenden deutlich, welche Vorgehensweisen bei Aktionen gegangen werden. Schritt für Schritt gehe es über verschiedene Realisierungsebenen - geübte und ungeübte - bis die gefundene Position in der Welt kreativ und authentisch gelebt werden könne. Das Feld der Sozialen Plastik entstehe aus den Kernfragen. Als erstes forme sich die künstlerische Energie im Suchen und Finden. „Was sehe ich in der Welt“, sei zu notieren, „so genau wie möglich“, „Was gefällt mir, was missfällt mir, was ist das Wichtigste davon für mich“. Jeder Gedanke sei Arbeitsmaterial. Herzerwärmend und überzeugend ermunterte Sacks, das eigene Werk zu tun, denn „es leben Kräfte auf der Erde, und wir verkörpern diese Kräfte“.

Wolfgang Zinggl, seit 2004 Kultursprecher der Grünen im österreichischen Nationalrat, sprach über den Lerngegenstand Kreativität und Realisierbarkeit in öffentlichen Lebensraum, den er als Prozess begreift. Sein Beispiel: wie Material im öffentlichem Leben zum Beispiel nach einem Event manchmal schnell zu Abfall zählt, aber als Material in gemeinnützigen Einrichtungen noch Verwendung finden kann und dabei zum Projekt für die Studenten wird. Diese lernen in der Umwandlung, indem sie mit kreativem Einsatz einem Bedarf nachkommen, alle notwendigen Praktiken, die im öffentlichen Leben gefordert sind. Der Kreislauf sei somit eingerichtet, Aus der Nachfrage erwachse das Projekt für die Studenten, letztendlich das Gestalten des Zusammenlebens. Als Forumsinhalt führte er funktionale Überlegungen der Planung an.

Susanne Bach aus Belfast ließ einige Studenten der Alanus Hochschule Erfahrung sammeln in der Stadt in einer Tausch-Aktion mit einem fremden Menschen. Ein unwichtiger Gegenstand ohne Wirtschaftswert sollte getauscht werden. Das Thema und die Erlebnisse wurden dann in der Straßenbahn als öffentliche Diskussion geführt. Bosch, die sich in Nordirland „Schnittstellenaktivistin“ nennt, will Bewusstwerdung und Stärkung für die Studenten, das aber auf gleicher Augenhöhe, wie sie betonte. Aus ihrem Menschenverständnis überhaupt floss viel Zukünftiges ein an diesem Wochenende. Auseinandersetzung mit dem Anderen, als Schnittstelle, fokussierte sie, denn es seien „Beteiligungskulturen“ aufzubauen, in Irland besonders, aber nicht nur in Irland.

Rüdiger John, der in Baden-Baden und New York lebt, ist für Auseinandersetzung und Klärung. Er behandelte im Forum das Thema „Wie erzeugt man eine Wirkmächtigkeit“. Die Öffentlichkeit entscheide die Art der Kommunikation. Er forderte als Lehre eine begleitende Reflektionsarbeit.

Eine Gruppe von Studenten und drei Künstler, Christiane ten Hoevel, Stefan Krüskemper und Jochen Breme gingen der Idee nach, wie könnte ein Container nach dem Beispiel einer fahrbaren Bibliothek oder des Busses für direkte Demokratie mit der Aufschrift „Ästhetischer Mehrwert“ realisiert und mit Themen und Projekten gefüllt werden. Wann darf die Öffentlichkeit mitagieren und wie? Von der Idee zum Willen, von der Projektplanung im Team zum Weg in die Realisation – diese Schritte zu üben ist an der Alanus-Hochschule situativ immer wieder neu möglich. Fast wie eine Insel liegt die Hochschule auf ihrem Hügel zwischen Köln und Bonn.

Anprangern mit dem Pinsel, anstatt mit dem Zeigefinger waren in der Kunstgeschichte „Spiegelungen“, beispielsweise die eines Gesellschaftsbildes.

„Kunst wandelt, Kunst ist Energie für Verwandlung schlechthin“. Das Zitat von Ernst Cassirer war eines von vielen, mit dem Gabriele Oberreuter, Professorin für Kunstgeschichte an der Alanus Hochschule ihren Abendvortrag ergänzte, der eindrucksvolle Beispiele aus Kunst und Poesie bot.

Für die Alanus Hochschule, als Hochschule für Kunst und Gesellschaft, entstehen so neue Forderungen und Hürden, die angenommen werden und auffordern, in Verantwortung den Studenten und der Zukunft gegenüber für weitere Entwicklungen offen zu sein. Auch das Publikum spürte die Aufforderung, sich verantwortlich in der Welt zu positionieren. Zitate klingen weiter in den Ohren oder bleiben als Notizen wegweisend.

End/nna/wil

Links: www.alanus.edu, Susanne Bosch: www.susannebosch.de, Wolfgang Zinggl: http://wochenklausur.at, Shelley Sacks: http://ah.brookes.ac.uk/staff/details/sacks, Enno Schmidt: www.enno-schmidt.de, Stephan Krüskemper: www.krueskemper.de, Christiane ten Hoevel: www.christianetenhoevel.de, Rüdiger John: http://artrelatet.net/ruediger_john, Jochen Breme: www.j-breme.de

Bericht-Nr.: 080224-02DE Datum: 24. Februar 2008

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Aufschub für Waldorfschule im Südwesten Londons

LONDON (NNA). Die Waldorfschule im Südwesten Londons, die von einer Vertreibung von ihrem Gelände zum April bedroht war, hat jetzt einen Aufschub bis mindestens 2009 zugestanden bekommen. Nach einem Treffen zwischen Vertretern der Schule und dem Wandsworth Council, dem das Land gehört, auf dem die Schule betrieben wird, wurde der Schule erlaubt, noch bis ins nächste Jahr auf dem Gelände zu bleiben. Die Schule hat inzwischen beantragt, diese Frist noch bis 2010 zu verlängern.

„Der Mietvertrag sollte im April auslaufen und die örtliche Verwaltung hatte zugesagt, dass er bis 2009 verlängert werden soll. Wir haben jetzt aber angefragt, ob er bis 2010 laufen kann,“ sagte Philip Martyn, ein Vertreter der Schule gegenüber NNA.

Die Schule, die vor kurzem eine gute Beurteilung durch die Schulaufsicht erfahren hatte, ist gezwungen im Zuge eines umstrittenen Landumlegeverfahrens zu schließen. Fünf Fußballplätze sollen auf einem großen Teil eines öffentlichen Geländes von Tooting Common entstehen im Austausch für einen vergrößerten Zugang zum Woodfield Recreation Ground, auf dessen Gelände sich die Waldorfschule befindet.

Martyn sagte, die Schule hoffe, dass die Gemeinde Wandsworth ihr eine Verlängerung bis 2010 zugesteht. „Sie können uns diese Verlängerung geben, ohne dass dadurch irgendein Entwicklungsplan gestört wird, denn die Realisierung der Planungen wird nicht vorher beginnen.“

Die Gemeinde hatte argumentiert, dass die Schule von Anfang an gewusst habe, dass der Mietvertrag im April ausläuft, Martyn vertrat jedoch die Ansicht, dass die Schule es immer so verstanden habe, dass der Vertrag auch verlängert werden könne.

So war die Ankündigung der Beendigung des Vertrages im Oktober als Schock und Überraschung empfunden worden. Nun hofft die Schule, dass ein Aufschub von ein oder auch zwei Jahren eine Lösung bringen wird.

Falls die Schule umziehen muss, sieht sie sich ernsthaften Schwierigkeiten gegenüber, ein neues Gelände zu finden. „Es ist eben London: teuer und kompliziert“, sagte Martyn.

End/nna/cva/ung

Bericht-Nr.: 080224-01DE Datum: 24. Februar 2008

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