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Mon, 21 May 2007

Märchen als Kulturschatz für heutige Gesellschaft retten

Berliner Zentrum präsentiert Text von Sebastian Jüngel als „Märchen des Monats“

BERLIN (NNA). „Märchen öffnen Tore, die mit Gewalt nicht zu öffnen sind“, heißt es auf der Homepage von „Märchenland“, dem Zentrum für Märchenkultur, das seit vier Jahren in Berlin arbeitet. Die Einrichtung, die im historischen Nikolaiviertel im Kurfürstenhaus direkt am Spreeufer ihren Sitz hat, möchte mit den Märchen einen „fast verloren geglaubten Kulturschatz“ für unsere heutige Gesellschaft zurückerobern und bietet dazu Veranstaltungen und wissenschaftlichen Forschungen zum Thema Märchen an. Sie veranstaltet auch die Berliner Märchentage.

Märchenland stellt auf seiner Homepage jeden Monat ein neues Märchen vor, das „Märchen des Monats“. Für den Monat Mai wurde das Märchen „Die kleine Quelle“ von „Goetheanum“-Redakteur Sebastian Jüngel ausgewählt.

Das Märchen erzählt die Geschichte einer kleinen Quelle, die mehr von der Welt sehen möchte, aber nicht über ihren angestammten Ort hinauskommt. Da nimmt die kleine Quelle alle ihre Kraft zusammen und wächst schließlich zu einem großen Fluss heran. Nun kann die kleine Quelle endlich die Welt kennen lernen, verliert jedoch den Überblick über sich selbst, wird schwach und krank, was sich erst bessert, als die Menschen eingreifen.

Sebastian Jüngel schreibt unter anderem Märchen für Kinder und Erwachsene. 2006 erschien seine Erzählung „Der leere Spiegel“ im Ogham-Verlag, Dornach.

End/NNA/ung

Link: www.mærchenland-ev.de

Bericht-Nr.: 070521-05DE Datum: 21. Mai 2007

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Immer in Entwicklung: die SEKEM-Initiative

Freunde des ägyptischen Modellprojekts trafen sich in Stuttgart

Von NNA-Korrespondentin Edith Willer-Kurtz

STUTTGART (NNA). Der Verein zur Förderung kultureller Entwicklung in Ägypten e.V. feiert mit seinen Mitgliedern, wie seit vielen Jahren einen SEKEM-TAG. Dieses Jahr - weil die Mitglieder und Freunde zahlreicher werden - fand das Treffen im Rudolf Steiner Haus in Stuttgart statt.

Im ersten Teil wurden für die Vereinsmitglieder die formalen Punkte abgehandelt wie Finanzbericht, Kassenprüfer und Jahresbericht. Wenn man aber dem Vorstandsbericht von R. Schættle folgte, konnte man bereits eintauchen in die vorbildliche, zukunftsweisende SEKEM-Welt ca. 60 km nordöstlich von Kairo.

Derzeit sind fast 2000 Menschen in SEKEM beschäftigt, ein Beispiel: 120.000 Teebeutel werden beispielsweise jährlich produziert und in die ganze Welt, verschickt – um nur zwei einprägsame Zahlen aus dem Bericht zu nennen.

Dass dadurch weitere Beschäftigung erfolgt, kann man sich dazu denken. Die Erträge aus der entstandenen vielfältigen Wirtschaftstätigkeit stehen für die sozialen und kulturellen Einrichtungen von SEKEM zur Verfügung.

Seit Dr.  Ibrahim Abouleish vor 30 Jahren ein 70 ha großes Wüstenstück erwarb und die SEKEM -Initiative gründete, ist viel geschehen. Heute sind etliche Ziele von damals schon erreicht, eine nachhaltige soziale und kulturelle Entwicklung durch die biologisch- dynamische Anbaumethode, am Anfang stand der Kräuteranbau für medizinische Zwecke. Mittlerweile ist dies so modernisiert, dass die Arbeitswelt sozial verträglich gestaltet wird. Die Beschäftigten lernen die Anbauweisen, aber auch die technischen Gerätschaften zu warten, zu reparieren und zu bauen. Bis heute hat sich der Anbau ausgeweitet auf 125 ha Wüstengebiet mit Obst, Gemüse, Baumwolle, Getreide, Honig, Heil- und Gewürzpflanzen.

Aber auch der pädagogische Teil des Projekts kann sich inzwischen sehen lassen. 50 Kinder in drei Gruppen, werden mit Nahrung und Kleidung versorgt und zum Spielen angeleitet, denn ägyptische Kinder können erstmal nicht spielen.

Ältere Kinder werden in Schulen vorbereitet, um einen Beruf zu erlernen. Heilpädagogen können mit 20 Jugendlichen zum Beispiel in eigener Werkstatt Papier schöpfen, so wie es ihre seelische und körperliche Einschränkung erlaubt. 150 junge Menschen lernen ihre Berufe, wobei frühere Waldorfschullehrer so leiten und lehren, dass sie Begeisterung erzeugen, daraus entwickelt sich wiederum, dass immer mehr Geräte geschaffen werden können, die weiterwirken. Der Plan ist, eine Fabrik zu gründen, in der Landmaschinen gebaut werden können und weitere junge Menschen Bildung und Beschäftigung finden.

Zum Projekt gehört auch das SEKEM Medical Center, welches die umliegende Bevölkerung aufklärt und therapeutisch versorgt. Dort sollen neue Möglichkeiten eingerichtet werden für die physiotherapeutische Behandlung und die Heil-Eurythmie. Eine Endoskopie–Diagnose soll möglich werden. Ein Meeting Room für Vorträge und Filmvorführungen ist geplant, so dass die Initiatoren nach innen und außen wirken können. Derzeit kann es vorkommen, dass 180 Menschen innerhalb 6 Std. zur Behandlung kommen.

SEKEM ist in ständiger Entwicklung, dank eigener Entwicklung und Unterstützung, wie auch die Jahresveranstaltung mit den Europäischen Schwesterverbänden Holland, Schweiz und Österreich dokumentierten.

Schættle berichtete von weiteren Aktivitäten, eine davon ist das neue EU-Projekt „Dreizehn Dörfer“ . Diese 13 um SEKEM liegenden Dörfer beherbergen etwa 45-50.000 Menschen. SEKEM-Mitwirkende widmen sich dem Dreizehhn-Dörfer-Projekt mit unterschiedlichen Themen z.B. Gesundheit, Bildung und Sauberkeit sowie Starthilfen für kleinere Betriebsgründungen.

Bis jetzt herrschen recht unterentwickelte Verhältnisse. Sozialarbeiter gehen in die Dörfer um Aufklärung zu leisten, “warum die Verhältnisse so sind, wie sie sind“. Man darf sich vorstellen, dass ohne Organisation zum Beispiel der Abfall auf der Strasse liegen blieb mit dem entsprechenden Parasitenbefall. In den einzelnen Dörfern wurde Abfall gesammelt und sortiert, teilweise zur Wiederverwendung zugeführt, ein Klärwerk wird eingerichtet und wertvoller Kompost entsteht.

In Berufsbildungßentren sollen Möglichkeiten zur technischen Wartung und Reparaturen eingerichtet werden.

Das Projektteam liefert pro Jahr einen Zwischenbericht von 25 Seiten, die EU- Fördermittel sind bewilligt und können schrittweise Einsatz finden.

Auf Schautafeln in den Fluren können die Besucher des SEKEM-Tages 2007 vieles auf Fotos sehen und auch, wie anders die Welt dort aussieht. Erwähnt wird auch, dass mittlerweile Besucher aus allen Ländern nach SEKEM reisen, um die sozialen und kulturellen Wirkungen praktisch und atmosphärisch zu erleben.

Die SEKEM-Akademie schließlich ist ein Versuch, Mitarbeitern und später auch Studierenden ein ganzheitliches Verständnis für die Durchdringung der Bereiche Wissenschaft, Kunst und Religion in Forschung und Lehre zu vermitteln. Daraus hervorgehend ist die geplante HELIOPOLIS-Universität im Aufbau.

Mit dem Ansatz „Was braucht die Welt über das Land hinaus in den verschiedenen Bereichen“ und der Aufforderung, an dieser Aufgabe mitzuwirken will die Universität Freiheit in Verantwortung und Kompetenz im jeweiligen Fachgebiet repräsentieren. Prof. Helge Löber, Universität Leipzig führte dazu weiter aus: Kunst auf allen Gebieten, miteinander neu zu lernen, zu lernen, sensibel zu sein bilde eine neue Ästhetik. In kooperativen Einheiten sollen sich praktisches und theoretisches Lernen, Ingenieurwissenschaften, Projektmanagement und Wirtschaftswissenschaften im Geist von SEKEM weiter entwickeln und verbreiten.

„Kunst Wissenschaft Religion“, das Motto dieses Tages gilt als Entwicklungsimpuls für die Bildung des Menschen und ist auch das Bildungsanliegen von SEKEM.  So zielte dieser Tagungsimpuls besonders auf die Gründung und Eröffnung der von SEKEM initiierten gemeinnützigen HELIOPOLIS- Universität im September diesen Jahres.

End/NNA/wil/ung

Links: www.sekem.com, www.sekemshop.com, www.sekemsales.com

Bericht-Nr.: 070521-04DE Datum: 21. Mai 2007

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Herdecker Medizinstudenten zeigten es den Kritikern

Absolventen der Privatuni schnitten bei schriftlichen Prüfungen bundesweit am besten ab - Dekan: selbstbestimmte, problemorientierte Ausbildung kann mithalten

WITTEN/HERDECKE (NNA). Die Medizinabsolventen der Universität Witten-Herdecke (UWH) haben beim zweiten Teil der der bundesweit einheitlichen schriftlichen Prüfung in diesem Frühjahr von allen 36 deutschen Medizinfakultäten am besten abgeschnitten. Dies geht aus den Ergebnissen der Prüfung hervor, die das Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) jetzt vorgelegt hat.

Alle 16 Wittener Prüfungsteilnehmer bestanden danach das schriftliche Examen dieses Frühjahrs. Mit 77,2 Prozent richtig gelöster Aufgaben erzielten sie das bundesweit beste Ergebnis, deutlich vor Münster (75%) und Würzburg (74,8%) auf den Plätzen zwei und drei. Der Bundesdurchschnitt lag bei 71 Prozent.

An der Wittener Universität freuten sich Professoren und Dozenten gemeinsam mit den erfolgreichen Absolventen: Man sieht das Konzept des viel diskutierten und vom Wissenschaftsrat hart kritisierten Modellstudiengangs bestätigt, der nicht auf Multiple-Choice-Prüfungsvorbereitungen, sondern auf eine breite und fundierte Ausbildung zur Arztpersönlichkeit seinen Schwerpunkt legt.

“Wir können wirklich stolz sein”, betonte Wittener Medizin-Dekan Dr.  Martin Butzlaff. Das gute Abschneiden der Studenten zeige erneut, dass der Ansatz einer „praxis- und problemorientierten, selbstbestimmten Ausbildung“ an der Uni Witten/Herdecke nicht im Widerspruch stehe zu fundierten theoretischen und naturwissenschaftlichen Kenntnissen, wie sie bei einer solchen Prüfung verlangt würden.

Die Zukunft der Medizinerausbildung an der Universität Witten/Herdecke war bis zum Juli 2006 durch ein kritisches Gutachten des Wissenschaftsrates infrage gestellt gewesen. Durch Reformen des Studiengangs vor allem durch Aufstockung der Forschung hatte die Universität Witten-Herdecke eine Rücknahme der Vorbehalte erreicht. Erst dadurch wurde der Studiengang wieder in seiner Existenz gesichert. (NNA berichtete)

Der neukonzipierte zweite Abschnitt der Ärztlichen Prüfung wird nach dem zwölften Semester abgelegt. Sie kann jetzt erst nach dem praktischen Jahr absolviert werden und macht - zumindest formell - Medizinstudenten zu Ärzten. Das IMPP erstellt als zentrale Einrichtung der Bundesländer die Prüfungen. Mit der neuen Approbationsordnung für Ärzte sind das frühere erste, zweite und dritte Staatsexamen im Vorjahr erstmals zu einer großen abschließenden Prüfung zusammengefasst worden.

Beim schriftlichen Teil mit 320 Aufgaben handelt es sich um eine bundesweit standardisierte Multiple-Choice-Prüfung mit Einzelaufgaben und Fallstudien. Ihre Benotung gilt als besonders harter Parameter des Leistungsvergleiches, weil subjektive Beurteilungen durch Prüfer nicht einfließen können. Wegen ihrer enormen Stofffülle ist sie bei den Studenten als „Hammer-Examen“ berüchtigt.

Dass die Wittener Studierenden bei ihren Lernleistungen den Vergleich mit staatlichen Hochschulen nicht zu scheuen brauchen, zeigten bereits frühere Auswertungen. Noch im Herbst letzten Jahres wies eine Publikation der Universität Hamburg im Deutschen Ärzteblatt auf Grundlage der Ergebnisse der ärztliche Vorprüfungen (Physikum) der Jahre 1994 bis 2004 der Universität Witten-Herdecke im bundesweiten Vergleich den zweiten Platz zu.

Der Modellstudiengang beweist seine Stärken aber gerade in den praktischen und sozialen ärztlichen Fähigkeiten: Rankings und Leistungsvergleiche (u.a. des Centrums für Hochschulentwicklung und der Wochenzeitung „Die Zeit“ aus dem Jahr 2006) zeigten, dass die Wittener Fakultät besonders in den Bereichen Betreuung der Studierenden, Studiensituation und Vorbereitung auf das Berufsleben bundesweit eine Spitzenposition einnimmt.

END/NNA/ung

Bericht-Nr.: 070521-02DE Datum: 21. Mai 2007

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Eltern bringen Schullandschaft in Bewegung

Studie der GLS-Bank sieht bei alternativen Schulen in Deutschland noch erhebliches Wachstumspotential – Bürgerengagement als Vorbild für andere

BOCHUM (NNA). Der Bereich der Freien und Alternativen Schulen in Deutschland birgt - im Vergleich zu anderen europäischen Ländern – noch erhebliches Wachstumspotential. Außerdem kann er für die ganze Gesellschaft als ein Vorbild für Gründerelan und Bürgerengagement dienen. Dies war das Ergebnis einer umfangreichen Studie zum Thema Freie und Alternative Schulen, die von der GLS-Bank in Bochum in Auftrag gegeben und jetzt in Bochum vorgestellt wurde.

Im Schnitt finden nur vier von fünf Eltern in Deutschland, die ihre Kinder an einer Freien oder Alternativen Schulen anmelden wollen, ein entsprechendes Angebot. Dieser „Nachfrageüberhang“ sei nicht auf die aktuelle PISA-Debatte zurückzuführen, betont die Studie des Autors Christof Jauernig. Insgesamt gibt es derzeit in Deutschland 500 Freie oder Alternative Schulen. Ein Viertel von ihnen ist in den letzten vier Jahren entstanden, überwiegend durch die Initiative von Eltern.

Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht erstaunlich, dass relativ große Mitspracherechte und überdurchschnittlich engagierte Eltern ein wesentliches Merkmal der Freien und Alternativen Schulen sind.

Mindestens jeder vierte Geschäftsführer arbeitet ehrenamtlich. Die Lehrerschaft nimmt für den größeren pädagogischen Gestaltungsspielraum deutliche Gehaltsabschläge gegenüber den staatlichen Schulen in Kauf. Das Durchschnittsgehalt erreicht in den alten Bundesländern nur 86 und in den neuen 82 Prozent des jeweils geltenden Tarifs für Staatschullehrer.

Seit über 30 Jahren unterstützt die GLS-Gemeinschaftsbank Freie und Alternative Schulen mit Finanzierungskonzepten. In diesem Zeitraum konnte sich ein „gewachsenes, substantielles Kunden- und Mitarbeiternetz“ aufbauen. Auf dieses Know How möchte die Bank mit ihrer Veröffentlichung hinweisen. Gerade bei etablierten Schulen werde der Spielraum für die Einwerbung zusätzlicher Spendengelder durch systematisches Fundraising nicht ausgeschöpft. Auch in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sieht die Studie noch Handlungsbedarf. Außerdem kritisiert die Studie die „unzureichende gegenseitige Wahrnehmung“ der alternativen Schulen.

Die Umfrage ergab auch, dass die Freien und Alternativen Schulen auch selbst von positiven Entwicklungsmöglichkeiten ausgehen und in großer Zahl eine Ausweitung ihres Dienstleistungsangebots geplant haben.

Werner Landwehr, Leiter der Kreditabteilung der GLS-Bank teilte auf der Pressekonferenz der Bank die optimistische Einschätzung der Schulen. Im Vergleich mit den anderen OECD-Ländern, die einen durchschnittlichen Anteil von 15,1 Prozent an Freien und Alternativen Schulen aufweisen können, liege Deutschland mit 6,7 Prozent noch deutlich zurück. In einzelnen Ländern wie den Niederlanden oder Großbritannien ist der Anteil dieser Schulen mit 76 und mehr über 40 Prozent noch höher.

Hier weist die Studie deutlich auf die besseren Rahmenbedingungen für Schulgründungen in den anderen europäischen Ländern hin. In Deutschland fehle vor allem ein „fairer Preis“ bei der Berechnung der Schulkosten, so dass die Zuschüsse des Staates im Vergleich zu den staatlichen Schulen zu niedrig bemessen seien. Außerdem weiche die Bezuschussungspraxis der Bundesländer stark voneinander ab.

Hier plädiert die GLS-Bank für eine bundesweite Harmonisierung der gesetzlichen Bestimmungen zur Genehmigung und Finanzierung von sogenannten Ersatzschulen.

Die Studie basiert auf Interviews und einer Primärdatenerhebung. Dazu wurden Fragebögen an die rund 500 Schulen in privater Trägerschaft verschickt, die sich durch alternative pädagogische Konzepte außeichnen. Die Rücklaufquote betrug 40 Prozent. Der „Branchenbericht Freie und Alternativpädaogik“ umfasst 109 Seiten und kann bei der GLS-Bank gegen eine Schutzgebühr von 45 Euro bestellt werden.

END/NNA/ung

Bestelladresse: GLS Bank, Postfach 100829, 44708 Bochum. Oder Tel. +49 (0)234 – 57 97 178, Fax +49 (0)234 – 57 97 157 (Pressestelle)

Bericht-Nr.: 070521-03DE Datum: 21. Mai 2007

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Viel guter Wille und keine taktischen Scharmützel

Jahresversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft in Kassel erreichte Durchbruch bei Dauerbrennern unter den internen Konflikten

Von NNA-Korrespondent Bernhard Steiner

KASSEL (NNA). Mit ihrer diesjährigen Jahresversammlung hat die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland einen „Durchbruch“ erreicht. Nicht taktisches Scharmützel, sondern viel guter Wille habe die Versammlung geprägt. Dieses Fazit zog der neu gewählte zweite Generalsekretär, Hartwig Schiller zum Abschluss der Versammlung, die vom 11. bis zum 13.Mai in Kassel stattfand.

Das war nach den eher turbulenten Versammlungen der letzten Jahre auch dringend nötig, begannen doch immer mehr Mitglieder in Folge dieser Auseinandersetzungen der Jahresversammlung fernzubleiben.

Mehrere Faktoren trugen diesmal zum Gelingen bei: an erster Stelle zu nennen sind Lichtblicke hinsichtlich der Überwindung der drei Hauptkonflikte, die die anthroposophische Arbeit in den letzten Jahren belasteten und zu lähmen drohten, zum zweiten war es die gut vorbereitete inhaltliche Arbeit und drittens die sensibel ausgesuchten und dargebrachten künstlerischen Beiträge in Musik und Eurythmie.

Bei den angesprochenen drei Hauptkonflikten handelt es sich zum einen um die Fehler, die im Zusammenhang der „Vermögens-, Verwaltungs- und Verwertungsgesellschaft mbH“ (VVV), gemacht worden sind, außerdem um die wenig konstruktiven und von vielen als störend empfundenen Beiträgen einer Gruppe, die sich selbst „Gelebte Weihnachtstagung“ nennt und schließlich um den Konflikt, der im Berliner Arbeitßentrum stattfand. Vielleicht muss man auch sagen: noch stattfindet.

Was den ersten der Konflikte betrifft, konnte Justus Wittich - der zur Zeit neben seiner Schatzmeistertätigkeit auch kommissarischer Geschäftsführer ist – die erfreuliche Nachricht mitteilen, dass die Gemeinnützigkeit der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland (AGiD) bewahrt werden konnte.

Nachdem im März den Schweizer Mitgliedern der Gruppe „Gelebte Weihnachtstagung“ die Mitgliedschaft in der Anthroposophischen Gesellschaft entzogen worden ist (NNA berichtete), verlief die diesjährige Versammlung auch in Deutschland ruhiger.

Der Konflikt im Berliner Arbeitßentrum wurde in den verschiedenen Beiträgen am eindringlichsten behandelt. Die Mitglieder einer dafür extra eingesetzten Urteilsfindungs-Kommission (ihre Mitglieder sind: Alexander von der Geest, Dr.  Erhard Kröner und Rahel Uhlenhoff) trugen die Zusammenfassung des Abschlußberichtes vor. Daraus ging hervor, dass das Phänomen der Stigmatisation von Judith von Halle nur deshalb zu einer Krise führte, weil schon vorher ein explosives Gemenge die Atmosphäre im Arbeitßentrum bestimmt hatte.

Dem Phänomen der Stigmatisation könne sich jeder nur mit der ihm größtmöglichen Unbefangenheit und Vorurteilslosigkeit nähern. Als eigentliche Ursache des Konfliktes sei vielmehr die Schwierigkeit außumachen, zwischen der Ebene der Erkenntnisfragen auf der einen und derjenigen der rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen auf der anderen Seite zu unterscheiden.

Auf diese Schwierigkeit wies Rudolf Steiner wohl hin, wenn er sagte, dass es oft nicht um die Frage ginge was wirklich sei, sonder vielmehr darum, was wirksam sei. Während in der Folge des Konfliktes Peter Tradowsky, Judith von Halle und Edda Lechner die „Freie Vereinigung für Anthroposophie“ auch „Morgenstern Vereinigung“ genannt, gegründet haben, die sich das Ziel gesetzt hat, sich der Pflege geisteswissenschaftlicher Forschung zu widmen, wird das Arbeitßentrum Berlin nun in Zukunft von den zwei neu bestellten Geschäftsführern Hans-Georg Portner und Armin Grassert geführt.

Inhaltlich knüpfte die diesjährige Jahresversammlung an Motive aus dem Vortrag von Rudolf Steiner vom 11.Februar 1919 „Der Gedanken- und der Willensweg zu Christus“ an. Der Gedankenweg besteht darin, vorurteilsloses Interesse zu entwickeln für die Gedankenwelt der anderen Menschen, der Willensweg darin, sich Idealismus anzuerziehen, was konkret heißt, das eigene Handeln am Geistigen zu orientieren. Auf sehr individuelle Art versuchten nun die Vortragenden in ihren Beiträgen Wege aufzuzeigen, wie aus der gedachten Wahrheit, eine gelebte Wahrheit werden kann.

Im Totengedenken blickte die Versammlung gemeinsam auf Motive aus dem Leben des kurz vor Weihnachten letzten Jahres verstorbenen Frank Teichmann. Für viele Teilnehmer unerwartet kam die Nachricht vom Tod des langjährigen Seminarleiters der Waldorflehrerausbildung in Stuttgart, Ernst-Michæl Kranich am Tag vor der Zusammenkunft. Mit ihm verliert die Waldorfschulbewegung einer ihrer wichtigsten Forscher.

Zu den Zukunftsaufgaben der Gesellschaft wird es zählen, von Mitteleuropa aus die Initiativen außerhalb dieser Region zu unterstützen – so wie das Herz als Zentralorgan des Kreislaufs auch seine Peripherie wahrnimmt und belebt. Eine weitere Aufgabe, – das klang in verschiedenen Beiträgen und Gesprächen immer wieder an – wird es sein, Räume zu schaffen, die nicht unter dem Diktat des Geldes stehen, das ja heute in zunehmender Weise im Begriff ist, das allein entscheidende Gestaltungselement vieler Lebensbereiche zu werden.

End/nna/ung

Bericht-Nr.: 070521-01DE Datum: 21. Mai 2007

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