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Tue, 20 Jul 2010

Arbeit der Zukunft als Menschenbildung

Herrschende Krise kann nur durch grundsätzliche Neuorientierung überwunden werden - Tagung der Anthroposophischen Gesellschaft in Bochum

Von NNA-Korrespondentin Edith Willer-Kurtz

BOCHUM (NNA). Ohne eine sinngebende, ethisch und moralisch vertretbare Neuorientierung sind die gegenwärtigen Krisen unserer Gesellschaft nicht zu meistern. Diese These stand im Mittelpunkt des Kongresses „Zukunft der Arbeit- Karma des Berufs“, den die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland Ende Juni in Bochum veranstaltete.

Vorträge, Gesprächsforen, Arbeitsgruppen und Podiumsgespräche boten - umrahmt von künstlerischen Elementen - rund 500 Teilnehmern viele Fragen und Antworten zu einem neuen Verständnis von Arbeit und Einkommen, von Beruf und Berufung. Neue, unkonventionelle Wege wurden aufgezeigt, wobei spirituelle und deren praktische und gesellschaftlich relevante Verwirklichung eine wichtige Rolle spielten.

Wirtschaftskrisen seien im Grunde Kulturkrisen erläuterte Michæl Schmock, Vorstandsmitglied der Gesellschaft und verantwortlich für das Arbeits-zentrum in NRW. Nur ein neues Verständnis vom Wesen der Arbeit führe in die Zukunft, betonte er. Arbeit sei anzusehen als ein freier schöpferischer Prozess, in dem der Mensch seine Fähigkeiten einbringe.

Das Kongressmotto brachte er mit Rudolf Steiners Vortrags-zyklus “Das Karma des Berufs des Menschen….“(GA172 von 1916) in Verbindung. Rudolf Steiner mache deutlich, dass in Zukunft von dem „WIE“, also der inneren Gesinnung, der seelisch-geistigen Ausrichtung, die Weiterentwicklung der Erde abhängen würde, „bis in die elementarischen Prozesse hinein……“, zitierte Schmock. Arbeit sei letztlich ein Prozess zur Verwandlung der Erde. In diesem Prozess sei der Mensch zunehmend mitverantwortlich. Das sei das Karma des Berufs – „heute noch wesentlich aktueller als vor 100 Jahren“.

Hartwig Schiller, Generalsekretär der anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland, zeichnete in seinen einführenden Worten ein kritisches Bild der Verfassung der Arbeit in der gegenwärtigen Gesellschaft. Ihre Inhalte seien ohne Würde, betonte Schiller. Tugend und Arbeit schlössen sich aus. Ein anderes Bild ergebe sich, wenn der Arbeitende sich in das Weltgeschehen im Ganzen stelle. „Arbeit ist Menschenbildung!“ betonte Schiller. Die Tugend sei etwas, was der Mensch aus freier Verantwortlichkeit heraus tue, indem er etwas hinzufüge von seinen Fähigkeiten.

Als Unternehmer sprach Wolfgang Gutberlet, der Geschäftsleiter von tegut, zu den Anwesenden. Gutberlet schilderte seinen biographischen und karmischen Lebensweg in Verbindung von Unternehmerschaft und Christentum. Aus christlicher Sicht sah er drei Qualitäten: Im Denkraum gehe es um die Suche nach Gott, im Fühlen um das Gebot der Nächstenliebe. Im Wollen gehe es um den Grundsatz, dass „geben seliger ist als nehmen.“

Betrachte man diese drei Wege, so seien Metamorphosen, Umstülpungen und Prozesse des „Stirb und Werde“ zu erkennen. Das soziale Hauptgesetz beinhalte die Aussage: „Wende dich zu den Anderen - lasse los und belebe die Gemeinschaft“. So entstünde ein heilsamer Entwicklungsprozess.

Dr.  Friedrich Glasl , Wirtschaftswissenschaftler und Mitbegründer der Trigon Entwicklungsberatung erklärte die Verantwortung von Unternehmern anhand der Gegenüberstellungen von altem und neuem Denken.

Im Neo-Liberalismus sei es die Nutzungsfunktion der Wirtschaft gewesen, Vermögen zu mehren. Jetzt sei die öko-soziale Marktwirtschaft eines Unternehmens entscheidend. Das Unternehmen trage die Verantwortung für eine gesunde Infrastruktur.

Die gesellschaftlichen Problemsituationen im Zuge der Globalisierung seien die neuen Herausforderungen. Es gehe nicht darum Ethnokriege zu führen, sondern zu kooperieren. Darin lägen auch Chancen für interkulturelles Lernen.

Derzeit fänden noch Kämpfe um Machtpositionen statt, durch Fusionen entstünden Konzentrationsbewegungen. Monopolbildung führe jedoch zum Konkurs. „In diesem Hamsterrad kommen die Menschen zu seelischer Atemnot, das innere Leersein (burn out) greift um sich“, beschrieb Glasl den gegenwärtigen Zustand in der Wirtschaft.

Dagegen agiere eine wachsende Bewegung gesellschaftlicher, sozialer Verantwortung, Corporate Social Responsibility, CSR genannt. Die CSR-Bewegung - im umfassenden Sinn verstanden - schaffe Räume für Initiativen und Selbstverantwortung und strahle auf die Dauer aus auf Geistesleben, Rechtsleben und Wirtschaftsleben, erklärte Glasl.

Zum Beispiel schaue man auf die „Kulturverträglichkeit“ der Arbeit, während Unternehmen die Personalentwicklung im Auge hätten. Die soziale Verträglichkeit beinhalte Gleichbehandlung, Humanisierung, Arbeitsplatzsicherung und gerechte Entlohnung. Die Arbeit geschehe in Verträglichkeit mit der Natur, also schone sie die Ressourcen und achte die Lebewesen. Abfall und Emissionen würden vermieden.

Clusterbildung, d.h. Zusammenführung von ökologischen Projekten ermögliche nicht nur eine ressourcenschonende Logistik. Vielmehr könne man dabei neben den eigenen Arbeitsabschnitten auch die folgenden Arbeitsabschnitte bis hin zum Kunden und die Nebenzweige im Auge behalten. Dann könne man von Achtsamkeit in diesem Wertschöpfungsprozess sprechen, betonte Glasl.

Prof. Dr.  Frithjof Bergmann Wirtschaftswissenschaftler und Gründer des ersten Zentrums für „Neue Arbeit“ erläuterte, dass neue Arbeit schon jetzt stattfindet.

Die Arbeit befinde sich im Wandel, statt Kurzarbeit schlug er vor, sollten längere Pausen entstehen; in dieser Arbeits-zwischenzeit könne man sich in der „Neuen Arbeit“ einbringen. „Neue Arbeit“ könnten auch Rentner anbieten.

Prof. Bergmann stufte die gegenwärtige Situation als ernst ein. Die Unglaubwürdigkeit der Staaten mit ihren Versuchen, das Finanzwesen zu regulieren führe - ebenso wie die Unsicherheit der Versicherungen - bereits jetzt zu „Neuer Arbeit“. Eine Möglichkeit sei dabei: In einer Gemeinschaft selbständig zu werden. Denn „Neue Arbeit“ bedeute auch, miteinander zu reden und gemeinschaftlich zu arbeiten. Das Grundprinzip dabei sei, nicht missionarisch vorzugehen, sondern den Ort zu suchen, wo Menschen das, was die Neue Arbeit beinhaltet, auch wirklich wollen.

Prof. Götz Werner, Unternehmer und Gründer des dm-marktes ging auf die Frage ein: Wie schaffen wir Rahmenbedingungen, die Initiative wecken? Es gehe dabei nicht darum, zu sagen, wie die Welt sein solle. Vielmehr bestehe die Aufgabe darin, heraus-zufinden welche neuen Fragen die Welt brauche. Fragen, durch weitere Fragen belebt, bringen lebendige Entwicklung, so Werner.

An Beispielen erzählt er bildhaft, dass oft der Zeigefinger auf andere gerichtet sei, wenn es um Initiativen gehe. Er propagierte den Richtungswechsel des Zeigefingers: Jeder zeige auf sich selbst.

Auch Werners Arbeitsbegriff ging davon aus, dass die Arbeit dazu da ist, dass sich der Mensch weiterentwickeln kann. Dazu steuerte er seine Beobachtung als Unternehmer bei, wie Menschen sich ändern, wenn sie authentisch arbeiten und einsatzfreudig werden. Die Soziale Kunst bestünde darin, die Menschen sensibel zu machen für diese Sicht der Arbeit. Der Arbeitsplatz werde zum Platz, der einen Sinn vermittle, anstatt eines Einkommensplatzes. „Unsere jetzige Aufgabe ist es, Denkirrtümer aufzuklären“, betonte Werner.

Der Impuls eines bedingungslosen Grundeinkommens als gesellschaftliche Aufgabe zur Zukunft der Arbeit brachten Enno Schmidt und Gerhard Häfner in einem Forum ins Gespräch. Enno Schmidt ist Mitautor des Films von Daniel Häni um Thema Grundeinkommen.

Der Film Grundeinkommen war im Filmraum des Kongress zu sehen; bisher wurde der Film von 300.000 Menschen gesehen, erwähnte Schmidt. Arbeit als Leibeigener oder Arbeit, in der man seine Lebens-zeit verkaufe, gehören dem Denken der Vergangenheit an. Menschen sollten zu dem Punkt kommen können, aus Freiheit zu handeln und ihre Fähigkeiten einzusetzen, bekräftigt Häfner, der seit 2009 als Europaabgeordneter im Europäischen Parlament arbeitet.

Das bedingungslose Grundeinkommen sehen Häfner und Schmidt als die Voraussetzung für diese Freiheit im Handeln. Es böte Befreiung auf der einen Seite und Brüderlichkeit auf der anderen. Freiheit und Brüderlichkeit bedingten einander. Miteinander über Gesellschaftsutopien zu sprechen, könne ein erster Schritt sein, ermutigt Schmidt die Zuhörer.

Nach unterschiedlichsten Ausführungen konnte Johannes Stüttgen schon auf Ansätze verändernden Denkens aufbauen. Als Künstler und Erklärer der Ideen von Joseph Beuys - er war seinerzeit dessen Schüler - tritt er ein für die rechte Bewusstwerdung der Begriffe. Begriffe seien Wirklichkeiten, die sich an den ganzen Menschen wenden, sie werden empfunden und wollen in das Denken hinein.

„Unser Ego ist erfüllt von Vergangenheitsgedanken, unser Ich wird ständig bedrängt. Doch ein glühender Funke liegt in uns, der uns aufruft zu spüren, wie wir den gemeinsamen Arbeitsplatz so gestalten, dass wir die Ich-Freiheit erreichen“, erklärt Stüttgen. Sein Begriff vom „Kapital“ ist die umfassende Fähigkeit der inneren Stimme. In der inneren Stimme liege die Wahrheit, die spirituelle Bestimmung, mit diesem „Kapital“ entstehe die menschliche Arbeit.

Stüttgen ist auch Gesellschafter des „Omnibus für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“, der sich während der Tage auf dem Schulgelände präsentierte. Exkursionen als dezentrale Foren erweiterten den Kongress. Angeboten waren das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, das Institut für Waldorfpädagogik in Witten/Annen, das Kulturhaus OSKAR in Bochum, die GLS Treuhand in Bochum, die Universität Witten/Herdecke, die Zeche Zollverein in Essen, die Arbeitsgemeinschaft der Waldorfschulen und Pädagogisch- Soziales-Zentrum in Dortmund und der Demeterhof Vorberg im Windrather Tal.

END/nna/wil

Links: www.anthroposophische-gesellschaft.org, www.anthroposophie-nrw.de, www.mehr-als-schule.de, www.grundeinkommen.de, www.archiv-grundeinkommen.de, www.newwork-newculture.de

Bericht-Nr.: 100720-01DE Datum: 20. Juli 2010

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Wed, 23 Jun 2010

Steiner für alle

Wolfsburger Ausstellung holt Vordenker und Impulsgeber des 21.Jahrhunderts aus der Nische – Ganzheitliches Weltbild aktuell

Von NNA-Korrespondent Ernst Ullrich Schultz

WOLFSBURG (NNA). „Steiner gehört nicht den Anthroposophen allein“, so formuliert es der Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg Brüderlin provozierend und fügt hinzu, Steiners Denken enthalte eine Universalität, die weit über die Anthroposophie hinausgehe. Sein ganzheitliches Weltbild habe angesichts der heutigen Krisen eine sehr aktuelle Bedeutung.

Rudolf Steiners Ideenwelt, sein künstlerisches Schaffen und sein Einfluss auf die Kunst des 21.Jahrhunderts sind gegenwärtig im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen, ab Februar 2011 dann in Stuttgart. Es ist die erste Ausstellung dieser Art außerhalb anthroposophischer Zusammenhänge und sie hat in allen Medien - vom Kunstmagazin bis hin zur TV-Sendung - viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Was im wissenschaftlichen Bereich mit der Esoterikforschung seinen Anfang nahm, setzt sich so nun im Kulturleben fort: die Erkundung alternativer Denkweisen zu Beginn des 21.Jahrhunderts. Es ist sicher kein Zufall, dass der künstlerische Bereich hier in Führung gegangen ist: Waren die Künstler doch von jeher als Avantgarde ein Seismograph für Veränderungen, deren Notwendigkeit im Rest der Gesellschaft entweder nicht gesehen oder gar geleugnet wurde.

Auch die Altlinken in der Medienlandschaft sind auf die ihrer Meinung nach „langweilige“ Ausstellung aufmerksam geworden, der sie jede Zukunftssubstanz absprechen. Hier werde exemplarisch deutlich, was die Ausstellung „unabhängig von ihrer pseudodistanzierten Haltung“ bewirke: „Steiner wird diskursfähig.“

Und so beschreibt die „Junge Welt“ sehr treffend die Veränderung, die die Ausstellung in Wolfsburg auslöst: Rudolf Steiner „hat im öffentlichen Raum Bestand.“ Rechtzeitig zu seinem 150.Geburtstag im Februar nächsten Jahres hat der österreichische Philosoph und Vordenker damit seinen Nischenplatz in der anthroposophischen Bewegung verlassen.

Kunstkritiker und Feuilletonisten haben ihre Deutungen bereits breit publiziert (siehe Link) – aber was kann nun der durchschnittlich kunstinteressierte Besucher aus der Ausstellung mitnehmen?

Der erste Teil der Ausstellung, der sich mit der Wirkung des „Kosmos Steiner“ auf die zeitgenössische Kunst beschäftigt, zeigt Plastiken und Bilder zeitgenössischer Künstler, die zum Teil extra für diese Ausstellung konzipiert und gefertigt wurden.

Wandtafelzeichnungen und Skizzen Steiners sind im Original dazu gestellt und zeugen eindrucksvoll von der lebendigen Begegnung der Künstler mit der Ideenwelt Steiners. Die ausgestellten Künstler sind, bis auf Beuys, sämtlich nicht mit der Anthroposophie verbunden.

Beim Rundgang durch die Ausstellung „Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart“ fallen zunächst die großen Plastiken von Tony Cragg auf, organische Formen, die von der Künstlerhand bis in die Feinheiten liebevoll ausgearbeitet wurden und poliert wie riesige Handschmeichler wirken. Auch die monumentale vieleckige und geschwungene Metallplatte von Katharina Grosse weist auf eine Formensprache hin, die Steiners Intensionen nahe stehen könnten.

Das Unsichtbare sichtbar zu machen, diese Deutung lässt ein gläsernes Objekt des Künstlers Anish Kapoor zu. Aufgestellt ist ein großer Quader aus Acryl mit einer eingeschlossenen amorphen Figur, umgeben von Blasen. Das Element Luft wird hier gezeigt, sichtbar gemacht durch den Einschluss in dem durchsichtigen Klotz. In den gleichen Zusammenhang gehört eine Skulptur des Italieners Giuseppe Penone. Der Künstler gestaltete eine birnenförmige Masse aus Ton und kniete sich mit seinem Körper in dieses Material. Ein Teil des Kopfes ist oben als Negativform zu sehen, einschließlich einer Umstülpung des Rachenraumes. Der Raum des Atems dieses Menschen ist hier quasi in den Ton eingebrannt worden. Eine Wandtafelzeichung von Steiner dahinter scheint diesen Vorgang treffend zu illustrieren, skizziert wird der unsichtbare Atemraum, der uns beim Sprechen umgibt.

Bemerkenswert ist die starke Beziehung der Wandtafelzeichnungen Steiners zu den ausgestellten zeitgenössischen Werken, eine große konzeptionelle Leistung, zumal diese scheinbar flüchtigen farbigen Skizzen von Steiner auch einen großen optischen Genuss bieten.

Im Ausstellungsteil „Alchemie des Alltags“ wird der Einfluss Steiners auf die moderne Architektur und Design mit seinem organischen Ansatz deutlich. Die bisher umfangreichste Schau aus dem Nachlass in Dornach, das dem Vitra-Design-Museum übereignet wurde, stellt Steiners Wirken mit Exponaten aus der Zeit nach der Jahrhundertwende in einen historischen Kontext. Die Ausstellung zeigt neben architektonischen Entwürfen ein breites Spektrum von originalen Gebrauchsgegenständen, Büchern, Bildern, Filmausschnitte von der Eurythmie, sowie Bilder und Objekte von anderen Architekten und Künstlern vom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts.

Auch die kritische Auseinandersetzung der Zeitgenossen mit Steiners Impulsen wird mit Zeitungsausschnitten und Karikaturen illustriert. Steiner war immer auch ein „Kind seiner Zeit“. Dieser Umstand scheint in manchen anthroposophischen Kreisen nicht genügend bewusst zu sein. Den Formenkanon Steiners für eine unangreifbare Konstante zu halten, führt unweigerlich in Starrheit und wirkt letztlich dogmatisch.

Die Zeitbezogenheit seines künstlerischen Schaffens schmälert keineswegs die außerordentliche geistesgeschichtliche Bedeutung Steiners. Mit folgendem Zitat kann man die Weite seines Kunstbegriffs ermessen: „Es entsteht das Bedürfnis nach Kunst, wenn der Mensch lebendig bleibt – wenn er das Totwerden der Idee im Gedanken nicht mitmacht“. Dieses Zitat stammt aus einem kleinen handschriftlichen Notizbuch Steiners, einem Exponat dieser Ausstellung.

Ein weiterer Anreiz nach Wolfsburg zu fahren, bietet der monumentale Farblichtraum „Bridget’s Bardo“ des amerikanischen Künstlers James Turell. Der 700 qm große begehbare Innenraum erzeugt beim Betrachten eine unglaublich intensive, fast überirdische Farbwahrnehmung. Alles ist Farbe, die räumlichen Dimensionen scheinen aufgelöst zu sein und der langsame Wechsel der Farbigkeit des Raumes führt den Betrachter in eine meditative Stimmung.

Ein eindrücklicher Beitrag zur Sinneserfahrung wird hier geboten, der dem New York Times Style Magazine Recht gibt, in dem ein ehemaliger Waldorfschüler in seiner Ausstellungskritik schreibt, dass Kunst offensichtlich ein sehr geeignetes Mittel ist, um die unbegreiflichen und ewigen Gesetze des Kosmos sichtbar zu machen. Darin sei Rudolf Steiner unbedingt zuzustimmen.

END/nna/eus/ung/vog

Medienbeiträge zur Ausstellung finden sich unter:

http://www.anthromedia.net/pressemeldungen-und-news/artikel/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=1441&tx_ttnews%5BbackPid%5D=2&cHash=d1391a9d8c

Termine:

Die Doppelausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg wird noch bis zum 3. Oktober 2010 zu sehen sein. Das Kunstmuseum Stuttgart ist nächster Ausstellungsort vom 5.Februar vom. bis zum 22. Mai 2011.

Bericht-Nr.: 100623-01DE Datum: 23. Juni 2010

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Tue, 15 Jun 2010

GLS-Bank wieder mit zweistelligem Wachstum

Geschäftsergebnis um knapp ein Viertel gesteigert - Von Verbrauchern zur „Bank des Jahres“ gewählt - Studie belegt: ökologische Geldanlagen sind wirksam

BOCHUM (NNA). Immer mehr Menschen wollen ihre Bank aktiv mitgestalten und setzen deswegen auf das Modell der sozial-ökologischen Genossenschaftsbank mit ihren Beteiligungsmöglichkeiten. Eine anhaltende Nachfrage und ständig steigende Kundenzahlen verzeichnete daher die Bochumer GLS Bank auch in diesem Jahr.

„Gerade in diesen politisch und wirtschaftlich unsicheren Zeiten suchen die Menschen eine Bank, der sie vertrauen können“, betonte dazu Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der Bank auf der Pressekonferenz in Bochum. Die transparente Arbeitsweise der GLS-Bank, ihre klare nachhaltige Ausrichtung sowie ihre langjährige Erfahrung böten den Verbrauchern die notwendige Orientierung.

Seit Jahresanfang entschieden sich bereits 7.000 Kunden für einen Wechsel zur GLS Bank. Insgesamt verzeichnet sie damit rund 80.000 Kunden und 17.000 Genossenschaftsmitglieder. Besonders stark nachgefragt werden nach Angaben der Bank neben Girokonten vor allem Tagesgeldkonten und Sparangebote. Bei einem Wachstum von 24% bis Ende Mai beläuft sich die Bilanzsumme auf nunmehr 1,67 Mrd. Euro.

Entsprechend kann der Vorstand auf der diesjährigen Generalversammlung einen erfolgreichen Jahresabschluss und einen guten Start 2010 präsentieren. 750 Besucher werden zur Generalversammlung erwartet.

In ihrer Pressemitteilung berichtet die GLS-Bank auch von neuen Angeboten. So legte sie im März zusammen mit Partnern, darunter Brot für die Welt, erfolgreich den FairWorldFonds auf, der erstmals auch entwicklungspolitische Kriterien berücksichtigt. Die Nachfrage habe bereits kurz nach dem Start die Erwartungen übertroffen, schreibt die Bank dazu. Anfang des Jahres erhielt die GLS Bank den Auftrag von der Bundesregierung, das Mikrokreditgeschäft in Deutschland flächendeckend außubauen. (NNA berichtete)

Die Wertschätzung der Kunden für ethisch-ökologische Geldanlagemöglichkeiten zeigte sich auch bei einer aktuellen Umfrage des Magazins Börse Online, bei der die GLS Bank zur „Bank des Jahres 2010“ gewählt wurde. 150 deutsche Banken, darunter alle großen Privat- und Genossenschaftsbanken standen zur Auswahl, rund 34.000 Verbraucher hatten sich an der Umfrage beteiligt. Bewertet wurde die Leistungsfähigkeit der Bank, darunter Qualität und Transparenz der Angebote, Kundenberatung und Einlagensicherheit.

Dass die Verbraucher mit ihrer Entscheidung für ökologisch orientierte Geldanlagen auch tatsächlich dem Klimaschutz dienen, zeigt eine Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums, die im Rahmen der Messe „Invest 2010“ vorgestellt wurde. Danach führen Spar- und Termineinlagen bei der GLS Bank zu 67 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als konventionelle Bankprodukte.

Die Studie zeige, welche zentrale Rolle den nachhaltigen Geldanlagen zukomme, schreibt die GLS Bank dazu. Um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen, seien in Deutschland Investitionen in Höhe von 30 Milliarden Euro notwendig. Der Finanzwirtschaft, die zu einem großen Teil das Kapital dafür bereitstelle, komme so eine Schlüsselrolle zu.

Der Titel der Studie lautet „Der Carbon Footprint von Kapitalanlageprodukten“, sie wurde von adelphi erstellt, einem Institut für Politikanalyse und Strategieberatung. Untersucht wurden Spareinlagen, Anleihen, Unternehmensbeteiligungen sowie Aktien- und Rentenfonds. Die Analyse vergleicht die Treibhausgasintensität eines durchschnittlichen deutschen Anlageportfolios mit einem entsprechenden klimafreundlichen Portfolio.

END/nna/ung

Bericht-Nr.: 100615-02DE Datum: 15. Juni 2010

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Der Ersten Weltkrieg „gegen den Strom“ interpretiert

Steiner-Verlag gibt brisante „Zeitgeschichtliche Betrachtungen“ von 1916/17 neu heraus – Erstmals wissenschaftliche Edition

Von NNA-Korrespondent Wolfgang G. Vögele

BASEL (NNA). Von Steiner-Kennern wird sie als „hochbrisant“ eingestuft, die Vortragsreihe „Zeitgeschichtliche Betrachtungen“ aus den Jahren 1916/17, in denen sich Rudolf Steiner zum aktuellen Geschehen des 1.Weltkriegs äußerte. Jahrelang war sie vergriffen, was das Rätselraten um die tatsächliche Bedeutung dieser Vorträge noch vergrößert hat. Nun sind sie in vollständig neu bearbeiteter Ausgabe wieder zugänglich, die heutigen wissenschaftlichen Standards entspricht. (GA 173 a-c)

Der Steiner-Verlag in Dornach wählte eine für GA-Bände sonst nicht übliche Form der Präsentation: die Neuausgabe wird an verschiedenen Orten der Öffentlichkeit vorgestellt. Start der Tour war Basel. Die renommierte Buchhandlung Bider & Tanner war dicht mit Besuchern gefüllt, die den spannenden Ausführungen des Herausgebers Alexander Lüscher und des Verlagsleiters Jonathan Stauffer folgten und danach beim Apéro intensiv weiterdiskutierten. Worum geht es?

Steiner wird von Kritikern immer wieder vorgeworfen, in seinen Vorträgen zum Weltkriegsgeschehen und in der Frage der Alleinschuld Deutschlands am Kriegsausbruch 1914 obskure Verschwörungstheorien vertreten zu haben. So kann man diese neue, wissenschaftlich fundierte Edition und ihre Präsentation als Flucht in die Öffentlichkeit interpretieren, mit der Steiner-Verlag und -Archiv diesen Vorwürfe entgegentreten wollen. Die Brisanz der Angelegenheit ergibt sich auch daraus, dass der Band GA 173 in der rechten Esoterikßene wegen der darin vertretenen Thesen Steiners zum Kultbuch avancierte.

Verlagsleiter Stauffer verglich die Neuedition, die 1800 Seiten umfasst, mit einer langen und schweren Geburt. Er beleuchtete die inhaltlichen und verlegerischen Aspekte des neuen Opus und erläuterte die historische Situation, in der Steiner diese Vorträge gehalten habe. Sie sei etwa vergleichbar mit der eines Redners, der heute vor einem internationalen Publikum zu den Hilfstransporten in den Gaza-Streifen Stellung nehme. Dieser Redner würde mit einer Flut völlig gegensätzlicher, oft fanatisch vorgetragener Meinungen konfrontiert.

Steiner habe damals auf neutralem Boden vor Angehörigen sich bekriegender Nationen gesprochen. Er habe wach und souverän die Einwände abfedern müssen, um in der explosiven Atmosphäre bestehen zu können. Zudem sei auch in der neutralen Schweiz die Meinung der Bevölkerung tief gespalten gewesen, was die Sympathien zu den Kriegsparteien (Mittelmächte und Entente-Mächte) betraf.

Steiners Bemühen um eine objektive Geschichtsbetrachtung, die in jedem Vortrag deutlich werde, und darauf gerichtet war, die Zuhörer eben nicht in die überall vorherrschenden Emotionen zum Thema zu verstricken, sei an sich schon eine gewaltige Leistung. Bewundernswert sei auch seine ungewöhnlich breite Informationsbasis gewesen: „Ein absolut modernes Vorgehen“, betonte Stauffer. Die Fleißarbeit des Herausgebers gehe letztlich auf die Fleißarbeit Steiners zurück, mit der dieser seine Informationen zusammengetragen habe.

Alexander Lüscher, seit 14 Jahren Mitherausgeber der Steiner-Gesamtausgabe, verstand es, den trockenen historischen Stoff, aber auch seine Editionspraxis spannend zu vermitteln. Ohne die Zusammenarbeit mit einem gut eingespielten Team, darunter auch Stenographie-Experten, Menschen, die recherchierten, Korrektoren, Zeichner und Layouter, hätte die Neuausgabe nicht entstehen können. Mitgearbeitet haben auch der Historiker Markus Osterrieder und der Sprachwissenschaftler Hans-Diedrich Fuhlendorf.

Die 24 Vorträge Steiners verteilen sich nun auf drei Bände, die jeweils eigene Einführungen enthalten. Auch die Editionsgeschichte ist darin ausführlich dokumentiert. Jeder Band enthält im Anhang einen umfangreichen Anmerkungsteil. Diesen ausführlichen Anhang begründete Lüscher mit mehreren Argumenten: Ein heutiger Leser kenne kaum noch die von Steiner erwähnten Namen und Vorgänge. Seine oft entlegenen Quellen seien nicht einmal Historikern ohne weiteres zugänglich, auch nicht mit Suchmaschinen im Internet zu finden. Fundierte Kenntnisse der zeitgenössischen Literatur seien daher unumgänglich gewesen, ebenso wie die Heranziehung von Steiners Bibliothek. Die Quellen, aus denen Steiner geschöpft hat, sind im originalen Wortlaut abgedruckt. Außerdem sind Notizzettel und Seiten aus Notizbüchern im Faksimile wiedergegeben, durch deren Einbeziehung manche verstümmelt überlieferte Textstelle rekonstruiert werden konnte.

Lüscher schilderte den Anwesenden die dramatische weltpolitische Situation zur Jahreswende 1916/17, in der Steiner die Vorträge gehalten hat. Die Entente-Staaten hatten das Friedensangebot Deutschlands abgelehnt. Steiner habe Augenzeugenberichten zufolge auf diese Entwicklung, aber auch auf die Haltung führender deutscher Staatsmänner „verzweifelt“ reagiert.

Am 14. Januar 1917 schob Steiner einen Vortrag über psychische Erkrankungen ein, weil er überzeugt war, dass der Ausbruch des Weltkriegs und sein weiterer Verlauf wesentlich von den psychischen Ausnahmezuständen der jeweiligen Entscheidungsträger mitbedingt gewesen sei.

Steiner hatte seinen Zuhörern das Mitschreiben verboten, weil ausländische Anthroposophen manchmal ihre Nachschriften in ihre Heimatländer schickten, wo sie von der Zensur abgefangen wurden. Steiner, der während der Kriegsjahre wie viele Ausländer in der Schweiz unter polizeilicher Beobachtung stand, wollte jeden unnötigen Verdacht vermeiden. Nachweislich haben die Ententemächte auch Steiners Ausweisung aus der Schweiz betrieben.

Die Erstausgabe, die unter Marie Steiners Regie 1949 in zwei Privatdrucken von je 100 Exemplaren als Studienmaterial erschien, beruhte daher auf einer unzureichenden Nachschrift. Die vorhandenen Stenogramme waren damals noch nicht zugänglich, sondern verpackt, was Fehler und Ungereimtheiten nach sich zog. Auf diese mangelhafte Urfassung gingen im Wesentlichen die Nachdrucke im Rahmen der Gesamtausgabe zurück (GA 173 und 174), die seit Jahren vergriffen waren.

Da die vorliegenden Stenogramme mittlerweile restlos entziffert worden sind, konnte der Vortagstext vollständig neu bearbeitet werden. An verschiedenen Textbeispielen demonstrierte Lüscher die Unterschiede von alter und neuer Fassung und begründete die notwendigen Abweichungen. Auch die dazugehörigen Handschriften Steiners auf Notizzetteln und Notizbüchern konnten erstmals herangezogen werden. Bei der Dechiffrierung, etwa von schwer verständlichen Abkürzungen, war manchmal auch Intuition gefragt oder der Zufall trug zur richtigen Lösung bei.

Steiner habe manchmal in einzelnen Daten und biographischen Angaben geirrt, die jetzt korrigiert wurden. Alle Berichtigungen seien für den Leser nachvollziehbar dargestellt. Die vielen Hinweise belegten, dass Steiner nicht „aus dem Blauen heraus erzählt“ habe, sondern sich auf vielfältige Quellen gestützt habe.

Zu seinen Korrekturen habe sich Lüscher schon deshalb legitimiert gefühlt, weil Marie Steiner, die Erbin von Steiners literarischem Nachlass, ihre eigene Edition nicht für letztgültig gehalten, sondern auf spätere, fachkundige Bearbeitung gehofft habe. Lüscher kündigte in diesem Zusammenhang auch neue Editionsrichtlinien der Nachlassverwaltung an, die im Endstadium der Ausarbeitung seien.

Die zeitgeschichtlichen Betrachtungen, so der Herausgeber zusammenfassend, enthielten darüber hinaus eine Enthüllung des historischen „Tiefenstroms“. Steiner sei es im Sinn seiner geschichtlicher Symptomatologie auch darauf angekommen, darauf hinzuweisen, dass alles historische und politische Geschehen spirituelle Hintergründe habe. Es habe seine Zuhörer zu objektiver Geschichtserkenntnis anregen wollen.

Von manchen Kritikern werde Steiner den Verschwörungstheoretikern zugerechnet, da er von einer planmäßigen Einkreisung Deutschlands durch die Entente-Mächte gesprochen habe. Es gebe Verschwörungsgläubige und Verschwörungsleugner. Ein heutiger Interpret von Steiners Vorträgen dürfe sich nicht von solch extremen Positionen leiten lassen. Steiner habe lediglich langfristige machtpolitische Strategien der westlichen Mächte aufgezeigt, die im 20. Jahrhundert weitgehend umgesetzt wurden. Derartige langfristige Ziele seien dagegen bei den Mittelmächten nicht nachweisbar. Steiners Darstellungen stimmten in hohem Maße mit den heutigen historischen Erkenntnissen überein. Lüscher wies auf ein demnächst erscheinendes Buch von Markus Osterrieder hin, das sich mit dem Thema „Rudolf Steiner und der Erste Weltkrieg“ beschäftige und neueste Erkenntnisse zusammenfasse.

Bei der dann folgenden Fragenbeantwortung räumte der Verlagsleiter ein, dass es trotz aller Bemühungen schwierig sei, Rezensionen auch in nichtanthroposophischen Medien zu erreichen. Lüscher meinte, dies hänge auch damit zusammen, dass der Mainstream der Geschichtswissenschaft noch immer von Deutschlands Alleinschuld am ersten Weltkrieg ausgehe. Einige Historiker stellten diese These zwar in Frage, seien aber eher in der Minderheit. Steiner habe diese Mainstream-Auffassung nicht geteilt. Es dürfe nicht übersehen werden, dass die Schweizer Presse noch während des Weltkriegs die angebliche alleinige Kriegsschuld der Mittelmächte viel differenzierter beurteilt habe als spätere Historiker.

Lüscher trat Befürchtungen entgegen, GA 173 könne – trotz des wissenschaftlichen Niveaus der Neuausgabe – zum Eigentor für die anthroposophische Bewegung werden, da eine kritische Öffentlichkeit das Werk nicht differenziert genug beurteile und es in die „revisionistische Ecke“ stelle. Dieses Problem sei ihm durchaus bewusst. Es sei immer schwierig, ein Werk heraußugeben, das inhaltlich in vielen Punkten gegen den Mainstream schwimme. Er sei aber im Ganzen zuversichtlich, weil die Vorwürfe der Unwissenschaftlichkeit und der Geheimniskrämerei gegen die neue Ausgabe nicht mehr erhoben werden könnten.

END/nna/vog

Rudolf Steiner: Zeitgeschichtliche Betrachtungen. (GA 173a, 173b, 173c) Drei Leinenbände in Schuber. Herausgegeben von Alexander Lüscher unter Mitarbeit von Hans-Diedrich Fuhlendorf und Markus Osterrieder. Dornach: Rudolf Steiner Verlag 2010. CHF 190.-/ € 130.-; ISBN 978-3-7274-1731-3.

Weitere Veranstaltungen zur Neuausgabe finden noch im Juni in Bern, Hamburg und Köln statt.

Link: www.steinerverlag.com

Bericht-Nr.: 100615-01DE Datum: 15. Juni 2010

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Tue, 08 Jun 2010

Ökonomie allein kann Krise nicht überwinden

Auch Uni Witten/Herdecke bietet jetzt interdißiplinären Studiengang für Wirtschaftswissenschaft, Politik und Philosophie an – Anmeldung möglich

WITTEN/HERDECKE (NNA). Nach der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn führt jetzt auch die Universität Witten/Herdecke (UWH) einen Studiengang ein, der Wirtschaftswissenschaften mit anderen Dißiplinen verbindet. Die Wirtschaftskrise der letzten Jahre habe eindrücklich gezeigt, dass ein Verständnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge allein nicht ausreiche. „Die auf uns zukommenden ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen überschreiten alle Grenzen akademischer Dißiplinen, sie sind nur durch einen konsequent interdißiplinär ausgerichteten Zugriff zu lösen“, heißt es in der Pressemitteilung der UWH.

Der neue interdißiplinäre Studiengang PPÖ verbindet Philosophie, Politik und Ökonomie. Er wurde von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft gemeinsam mit der Fakultät für Kulturreflexion entwickelt. Er startet - vorbehaltlich der Akkreditierung und staatlichen Genehmigung - im Wintersemester 2010/11 und danach jeweils zum Sommer- und zum Wintersemester. Er wird wahlweise in sechs Semestern mit 180 ECTS oder in acht Semestern mit 240 ECTS angeboten. Bewerbungen sind schon jetzt möglich. Voraussetzung zum Studium ist die allgemeine Hochschulreife oder alternativ eine äquivalente Qualifikation und signifikante Praxiserfahrung.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1983 nimmt die UW/H eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein. Sie setzt auf Seminare mit kleinen Gruppen und hoher persönlicher Betreuungsintensität. Neben Wissensvermittlung und Werteorientierung legt sie großen Wert auf die Entwicklung umfassend gebildeter Persönlichkeiten, die in der Lage sind, neue Verbindungen zu knüpfen und quer zu denken. Die Studierenden werden dazu ermutigt, in größeren Zusammenhängen zu denken, um gesellschaftliche Verantwortung auch jenseits der Grenzen ihrer eigenen Fachdißiplin übernehmen zu können.

Betriebswirtschaftliche Studiengänge, die BWL mit Kunst und Philosophie verbinden, bietet die Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn als einzige Kunsthochschule an. Sie ist jetzt vom Wissenschaftsrat akkreditiert worden. (NNA berichtete)

END/nna/ung

Links: www.uwh.de/wbp, www.alanus.edu

Bericht-Nr.: 100608-02DE Datum: 8. Juni 2010

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Studierende als Mitunternehmer

Finanzmodell der Uni Witten-Herdecke feiert 15. Geburtstag

WITTTEN/HERDECKE (NNA). Studiengebühren an Universitäten sind in Deutschland höchst umstritten. Umso ungewöhnlicher ist das Modell einer finanziellen Beteiligung der Studierenden an der Privatuniversität Witten-Herdecke, das jetzt sein 15jähriges Bestehen feiert. Was damals am Küchentisch in einer Wittener Studenten-WG erfunden worden sei, könne heute Impulse für das heiß diskutierte Thema Studiengebühren liefern, betonte dazu Malte Kullak-Ublick vom Vorstand der StudierendenGesellschaft. Die finanziellen Beiträge der Studenten würden in Witten-Herdecke nicht als Preis oder Gebühr für das Studium verstanden, sondern als „unternehmerischer Beitrag zur Finanzierung der Universität“, betonte Kullak-Ublick. Die Höhe bemesse sich nicht nach den Kosten oder der Zahl der Bewerber, sondern nach der persönlichen Wertschätzung der Studenten gegenüber ihrer Universität.

Der finanzielle Beitrag wird erst nach dem Studium fällig, er ist unabhängig von der Dauer des Studiums und bezieht das Einkommen ein, das der ehemalige Studierende erzielt. „Wir halten das Modell für eine echte Alternative zu den gewöhnlichen Studiengebühren. Gerne laden wir alle Interessenten ein, mit uns in Kontakt zu treten“, erklärte Gero Niggemeier, ebenfalls Vorstandsmitglied der Studierendengemeinschaft. Die Herdecker Studierenden hätten mit ihrem Modell eines „umgekehrten Generationenvertrags“ einen Weg gefunden, Finanzierung, Sozialverträglichkeit und freiheitliche Studienbedingungen miteinander zu vereinen. Ein Ziel des Modells ist es, niemand aus finanziellen Gründen vom Besuch der Hochschule außuschließen.

Der Verein, der von den Studenten selbst geführt wird, hält inzwischen auch Geschäftsanteile an der Privatuniversität. Wie hoch die Wertschätzung der Studenten in Witten/Herdecke für ihre Universität ist, wurde auch deutlich, als die erste Privatuni Deutschlands in den Jahren 2008/09 durch die Streichung von Landeßuschüssen in Höhe von 4,5 Millionen Euro in eine existentielle Krise geraten war. Ein Sponsoren-Patchwork hatte damals die Universität vor dem Bankrott gerettet, dabei wurden auch die Studierenden aktiv und sagten die Beschaffung von Geldbeträgen in Millionenhöhe zu. Inzwischen ist die Software AG Stiftung der Hauptsponsor der UWH. (NNA berichtete)

END/nna/ung

Bericht-Nr.: 100608-01DE Datum: 8. Juni 2010

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Mon, 07 Jun 2010

Landwirtschaftliche Sektion jetzt mit Dreier-Team

DORNACH (NNA). Ein Dreier-Team steht jetzt an der Spitze der Sektion für Landwirtschaft des Goetheanum, der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach. Wie die Hochschule mitteilte, wurden Jean Michel Florin, Ueli Hurter und Thomas Lüthi als neue Leitung berufen. Sie treten die Nachfolge von Nikolai Fuchs an, der sich künftig im Rahmen einer Stiftung in Genf mit Weltagrarhandelsfragen befassen wird. Mit der neuen Form der Sektionsleitung solle der momentanen Situation im Lebensfeld der Landwirtschaft entsprochen werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Goetheanum.

Jean Michel Florin (48 J.) ist Geschäftsführer des biologisch-dynamischen Vereins in Frankreich (Colmar), Ueli Hurter (48 J.) Landwirt in L'Aubier (Westschweiz) und Thomas Lüthi (62 J.) ist noch leitend in der biologisch-dynamischen Ausbildung in Schweden tätig.

Die Sektion für Landwirtschaft ist eine der elf Sektionen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum. Zu ihren Aufgaben gehört die Wahrnehmung und inhaltliche Koordination der weltweiten biologisch-dynamischen Bewegung, die Ausrichtung der jährlichen internationalen Landwirtschaftlichen Tagung am Goetheanum mit bis zu 850 Teilnehmern und in den letzten Jahren verstärkt auch Forschung.

End/nna/ung

Bericht-Nr.: 100607-03DE Datum: 7. Juni 2010

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