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Immer weniger Chancengleichheit in der Schulbildung
Der Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen stellt eine neue Studie aus Baden Württemberg vor BERLIN (NNA). Eine Untersuchung über die Bildungschancen in Baden Württemberg kommt zum Ergebnis: Immer weniger Elternhäuser können es sich leisten, ihr Kind auf eine Schule in Freier Trägerschaft zu schicken. Die Studie wurde auf der diesjährigen Pressekonferenz des Bundes der Freien Waldorfschulen in Berlin vorgestellt. Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Baden Württemberg hat ein Gutachten beim Steinbeis Transferzentrum Wirtschafts- und Sozialmanagement in Heidenheim erstellen lassen. Bei diesen Berechnungen ist ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg zugrunde gelegt worden, nach dem ein Schulgeld von durchschnittlich 120 Euro pro Kind und Monat noch den Anforderungen des Grundgesetzes entspricht. Danach muss ein Paar mit zwei Kindern über 3600 Euro pro Monat verfügen, damit das Schulgeld der Waldorfschule noch finanzierbar ist. Über ein derartiges Einkommen verfügen jedoch nur 48 Prozent aller Haushalte. Bei den Alleinerziehenden sind es sogar über 80 Prozent, die sich die freien Schulen nicht mehr leisten können. Der letzte Armutsbericht der Bundesregierung zeigte auf, dass der Anteil der finanziell benachteiligten Familien weiter wächst und da die Schullaufbahn der Kinder vom sozialen Status der Eltern abhängig ist, neue soziale Probleme in der Zukunft zu erwarten sind. Das Schulsystem in unserem Land hat immer noch nicht in ausreichendem Maß auf die Herausforderungen der Gegenwart reagiert. Benachteiligt sind finanziell schlecht gestellte Elternhäuser und Alleinerziehende, die Schulen in freier Trägerschaft für ihre Kinder wünschen. Nur durch einen schulinternen Solidarausgleich zwischen der unterschiedlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Eltern gelingt es den Waldorfschulen bislang, sie nicht zu „wirtschaftlichen Eliteschulen“ werden zu lassen. Das entspricht auch nicht dem Selbstverständnis der von Rudolf Steiner als Schule für die Arbeiterkinder der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik gegründeten Schulform. Kinder mit Migrationshintergrund haben es besonders schwer und daher ist kaum zu verstehen, dass die Interkulturelle Waldorfschule in Mannheim trotz ihres hohen Zuspruchs und ihres Modellcharakters für das schwierige Themengebiet Migration und Bildung laufend um private Spenden bitten muss, damit sie ihren Betrieb aufrechterhalten kann. Die Schulgesetze der Bundesländer verhindern auch bisher, dass das so erfolgreiche Modell über Baden-Württemberg hinaus „exportiert“ werden kann. Wenn die Waldorfschulen immer mehr in die Situation kommen, dass sie ihre Schüler nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der Eltern aussuchen müssen, geraten sie in Widerspruch zur Verfassung, die genau das untersagt, erklärte Dr. Albrecht Hüttig vom Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen, der das Gutachten in Berlin vorstellte. Wer – wie die Bundeskanzlerin Frau Merkel – mehr Chancengleichheit will, darf die freien Schulen als Innovationsmotor nicht dadurch bremsen, dass ihnen zunehmend wirtschaftliche Belastungen auferlegt werden. END/nna/eus Bericht-Nr.: 080811-01DE Datum: 11. August 2008 © 2008 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ Schulsystem: Lebendiger Wettbewerb um die besten Ideen nötigAuch die Freien Waldorfschulen stellen sich der Herausforderung der Qualitätsentwicklung – Bericht von der Jahrespressekonferenz des Bundes in Berlin Von NNA-Korrespondent Ernst Ullrich Schultz BERLIN( NNA). Chancengerechtigkeit im Bildungswesen braucht Vielfalt, so lautete das Motto der diesjährigen Jahrespresskonferenz des Bundes der Freien Waldorfschulen in Berlin. Eine keineswegs nüchterne Bilanz zur finanziellen Situation der Schulen zogen Vorstand und eingeladene Experten. Nicht nur die Zahlen standen im Mittelpunkt, sondern es ging auch um die Themen Chancengerechtigkeit, Qualitätsentwicklung und die Stärkung der pädagogischen Vielfalt in Deutschland. Nur ein lebendiger Wettbewerb um die besten Ideen kann dem deutschen Schulsystem weiterhelfen. Schulqualität bedarf einer hohen Identifikation mit der eigenen Schule – und die ist ohne die Förderung pädagogischer Initiative nicht zu bekommen“, betonte Henning Kullak-Ublick vom Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen am Schluss seines Referates. Eine Qualitätsoffensive im deutschen Schulwesen ist dringend erforderlich, so die Meinung des Vorstandes. Allerdings könne es nicht darum gehen, dass durch Zentralisierung und Normierung der Qualitätssicherungsverfahren die pädagogische Vielfalt noch weiter eingeschränkt wird, es komme vielmehr darauf an, die Handlungskompetenz der Lehrerinnen und Lehrer vor Ort zu stärken. Auch die Waldorfschulen stellen sich der Herausforderung der Qualitätsentwicklung. Zum diesjährigen Kongress zu diesem Thema trafen sich über 400 Lehrerinnen und Lehrer. Viele Waldorfschulen sind inzwischen erfolgreich zertifiziert und arbeiten mit Qualitätssicherungsverfahren. Auf der Veranstaltung wurde außerdem betont, dass die Waldorfschulen als einzige Schulform ihre finanziellen Verhältnisse öffentlich transparent machen und dabei den Vergleich mit öffentlichen Schulen keineswegs scheuen brauchen. Der Staat spart über 30 Prozent Schulkosten an jedem Waldorfschüler und die Eltern müssen die finanzielle Lücke füllen. Die Aufwendungen der Kultusministerien für die Aufsicht und Reglementierung der öffentlichen Schulen sind in diesem Vergleich nicht einmal enthalten. Unter dem Strich arbeitet die Waldorfschule also kostengünstiger, auch dank des hohen ehrenamtlichen Einsatzes von Eltern und Förderern. Der enorme Zulauf und der hohe Anteil der Abitursabschlüsse der Waldorfschulen seien messbare Indikatoren dafür, dass gute pädagogische Arbeit geleistet werde. End/nna/eus Bericht-Nr.: 080811-01DE Datum: 11. August 2008 © 2008 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ Fri, 27 Jun 2008 Europa-Parlament: 1500 Personen am Demeter-Imbiss
BRÜSSEL (NNA). Demeter-International war jetzt zum ersten Mal beim Tag der Offenen Tür des Europäischen Parlaments in Brüssel vertreten: an einem gemeinsamen Ausstellungsstand zusammen mit der europäischen Fraktion der Grünen unter der Schirmherrschaft des Europa-Abgeordneten Milan Horacek konnten die Besucher sich über die biologisch-dynamische Anbauweise informieren. Im Vordergrund stand die biologisch-dynamischen Pflanzenzüchtung, teilte Demeter International e.V. in Brüssel mit. Über die Informationen hinaus konnten die Besucher sich gleich vor Ort von der Qualität überzeugen: am Stand gab es einen Imbiss in Demeter-Qualität. Mit Fruchtsaft, Wein, Bier, Gebäck und Brezeln seien insgesamt 1500 Besucher verköstigt worden, schreibt Demeter International. End/nna/ung Kontakt: Büro Brüssel, Rue du Trône 194, B-1050 Brüssel, Demeter-brussels@belgacom.net Bericht-Nr.: 080627-02DE Datum: 27. Juni 2008 © 2008 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ GLS-Bank übernimmt weitere Ethik-Bank
Krise auf den Finanzmärkten konnte Geschäftsergebnis nicht beeinträchtigen – Mitarbeiter der IntegraBank werden übernommen BOCHUM (NNA). Trotz Krise auf den internationalen Finanzmärkten konnte die GLS Bank in Bochum mit einem Bilanzwachstum von 20 Prozent ihren Erfolgskurs auch in diesem Jahr fortsetzen. Auf einer Pressekonferenz in Bochum berichtete der GLS Vorstand außerdem von der anstehenden Übernahme der IntegraBank eG in München. 2003 hatte die Bochumer GLS Bank bereits die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Ökobank übernommen. Mit der Übernahme der IntegraBank eG, so Vorstandssprecher Thomas Jorberg, könne die GLS Bank ihre Position als Marktführer im Bereich ethisch-ökologischer Geldanlagen weiter festigen. Die IntegraBank ist wie die GLS Bank genossenschaftlich organisiert und dem Gedanken des gemeinsamen und nachhaltigen Wirtschaftens verpflichtet. Grundlage der IntegraBank ist dabei die katholische Soziallehre. Ihren 1.600 Kunden bietet die Bank alle üblichen Bankgeschäfte von Girokonten über Sparangebote und der Vermittlung von Versicherungen bis hin zum Vermögensmanagement. Die Bilanzsumme beläuft sich auf etwa 38 Millionen Euro. Die Genossenschaftsanteile der IntegraBank-Mitglieder werden mit Wirksamwerden der Übernahme in gleich viele, voll eingezahlte Genossenschaftsanteile an der GLS Bank übertragen. Der Filialstandort in München bleibe erhalten, die Mitarbeiter würden mit Ausnahme des Vorstandes nach der Übernahme durch die GLS Bank übernommen, wurde mitgeteilt. Bisher ist die GLS Bank – neben der Zentrale in Bochum – in Berlin, Frankfurt, Freiburg, Hamburg und Stuttgart vertreten. Mit der neuen Filiale in München werde ein weiterer Schwerpunkt in Süddeutschland gesetzt, betonte Vorstandssprecher Jorberg. Wie der Vorstandssprecher auf der Pressekonferenz weiter ausführte, stehe die GLS Bank bereits seit über 30 Jahren für die jetzt von vielen Finanzexperten geforderte Transparenz, so dass ihre Kunden von einer doppelten Rendite profitierten: die von der Bank finanzierten Unternehmen und Projekte erarbeiten sowohl monetären als auch sozialen und ökologischen Mehrwert. Die ethisch-ökologische GLS Gruppe fördert derzeit über 4.000 zukunftsweisende Unternehmen, Projekte und Initiativen in den Bereichen Energie, ökologischer Landbau, Naturkost, Bildung, Sozialeinrichtungen, Wohnen und Kultur. Zur GLS Bank gehören außerdem die GLS Treuhand e.V., die bei der Realisierung von Stiftungs- und Schenkungsvorhaben berät, und die GLS Beteiligungs AG. Letztere stellt jungen und nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen Kapital in Form von geschlossenen Fonds und Genussrechten zur Verfügung. End/nna/ung Bericht-Nr.: 080627-01DE Datum: 27. Juni 2008 © 2008 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ Wed, 11 Jun 2008 Mit Argumenten gegen Anthro- und Waldorf-Bashing
Walter Kugler bringt sein „Feindbild-Steiner“ - Buch neu heraus – Kritiker haben nicht wirklich ein Interesse an Sachlichkeit und Aufklärung Von NNA-Korrespondent Wolfgang G. Voegele DORNACH (NNA). Unter dem Eindruck der Kampagnen der letzten Zeit gegen Rudolf Steiner und die Waldorfschulen hat der Leiter des Dornacher Steiner-Archivs, Walter Kugler, sein vor sieben Jahren erschienenes Buch „Feindbild Steiner“ jetzt in überarbeiteten Form und mit einem neuen Titel herausgebracht. „Rudolf Steiner, wie manche ihn sehen und andere wahrnehmen“ heißt die 128 Seiten starke Schrift jetzt und sie ist geeignet, manches Fehlurteil zurecht zurücken, mögliche Irritationen zu beseitigen und bietet auch Insidern manches Neue. Überarbeitet und erweitert ist unter anderem das Kapitel „Steiner contra Antisemitismus“. Hier weist Kugler nach, wie sehr sich Steiner mit seinen heute von Kritikern beanstandeten Äußerungen ganz innerhalb des damals üblichen Diskurses um die Assimilation der Juden bewegte. Wenn der jüdische Historiker Michæl A. Meyer 1994 rückblickend auf das 19. Jahrhundert formuliert: „Das Judentum hatte seine Existenzberechtigung verloren, weil es keinen, nur ihm eigenen, zeitüberdauernden Gehalt hatte.[…] Hegel zufolge hatte das Judentum aufgehört, eine eigene welthistorische Bedeutung zu besitzen.“, dann beschreibt er damit exakt die Perspektive, aus der heraus auch Steiner die Situation des liberalen Judentums einschätzte. Der Leser erfährt, dass ähnliche Vorstellungen schon die Arbeit des 1819 gegründeten Berliner „Vereins für Cultur und Wissenschaft der Juden“ bestimmten. Steiners Beiträge in der „Zeitschrift zur Abwehr des Antisemitismus“ seien, so Kugler, von Kritikern bisher völlig ignoriert worden. Ganz neu ist das Kapitel „Der Okkultismus: Quelle der Wissenschaften“, das im Einklang mit der universitären Esoterikforschung darauf hinweist, dass abendländische Esoterik und moderne Naturwissenschaft einen gemeinsamen Ursprung haben. Nach wie vor gilt der von Kugler zitierte Satz des bekannten amerikanischen Wissenschaftlers und Publizisten Russell W. Davenport: „Steiner ist nicht mehr Mystiker als Albert Einstein; er war in erster Linie Wissenschaftler, aber ein Wissenschaftler, der es wagte, in die Geheimnisse des Lebens einzudringen.“ Neu hinzu gekommenen ist auch ein Abschnitt mit Stimmen jener, die in Steiner einen der größten Querdenker des 20. Jahrhunderts sehen. Sie stammen von renommierten Schriftstellern, Kunstwissenschaftlern und Museumsdirektoren. Das Kernstück des Buches blieb weitgehend unverändert. Es weist auf wesentliche, von Kritikern übersehene oder vorsätzlich ausgeblendete Tatsachen in Steiners Biographie hin. Eine neue Anordnung der Abbildungen und deren verbesserte Qualität steigern jedoch auch hier die Attraktivität der Publikation. Durch sein Cover, das eine am Strand auslaufenden Welle zeigt, bietet das Buch eine Symbolik für die Angriffe auf Rudolf Steiner und die Anthroposophie: seit hundert Jahren versuchen Gegner immer wieder, in rhythmischen Abständen, das Ansehen Steiners in der Öffentlichkeit zu diffamieren. Dass das Interesse der Öffentlichkeit an objektiven Darstellungen steigt, konnten sie nicht verhindern. In seinem Vorwort zur erweiterten Neuausgabe schreibt Kugler, dass er bei Erscheinen des Buches im Jahr 2001 die Hoffnung gehabt habe, das Bild Rudolf Steiners in der Öffentlichkeit werde sich allmählich versachlichen. An Informationen dazu aus den Reihen der anthroposophischen Bewegung habe es nicht gemangelt. Einer bestimmten Art von Kritikern gehe es jedoch nicht wirklich um Klärung und Sachlichkeit. Dies hätten Vorgänge wie die Initiierung von falschen Medienberichten wie dem in der Frankfurter Sonntagßeitung vom Juli 07 oder dem Indizierungsverfahren bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften zur Genüge bewiesen. Worum es wirklich gehe, liege im Dunkeln, schreibt Kugler weiter und stellt die Vermutung an, dass Ziel der Aktivitäten sei, die Waldorfschulen in ein schlechtes Licht zu rücken. Die Frankfurter Sonntagßeitung hatte einen vollkommen falschen Bericht abgedruckt, in dem es hieß, die Gewaltneigung an Waldorfschulen sei höher als an Hauptschulen. Eine Berichtigung fand nie statt. Einen der vehementesten Gegner, der die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften wegen ihres Spruchs im Indizierungsverfahren noch mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde attackiert hatte, nennt Kugler nicht namentlich. Es handelt sich um Michæl Grandt. Bereits vor zehn Jahren versuchten die Brüder Guido und Michæl Grandt mit ihrem „Schwarzbuch Anthroposophie“ Rudolf Steiner in der Öffentlichkeit in die Nähe von Satanismus zu rücken, was ihm – dank offensiver Öffentlichkeitsarbeit der anthroposophischen Bewegung - misslungen ist. Für den Herbst hat Michæl Grandt ein neues Buch in einem renommierten Verlag angekündigt, der der evangelischen Kirche nahe steht. Es soll ein „Schwarzbuch“ zur Waldorfschule werden. Die nächste Runde im Anthro- und Waldorf-Bashing steht damit bevor. Kuglers Buch kommt gerade zur rechten Zeit neu heraus. Bashing: von engl. bashing „öffentliche Beschimpfung“ bzw. bash „heftiger Schlag“ bezeichnet eine Form von physischer oder verbaler Gewalt. (Wikipedia) End/nna/vog Walter Kugler: „Rudolf Steiner. Wie manche ihn sehen und andere wahrnehmen“. Stuttgart: Verlag Freies Geistesleben 2008. 128 Seiten, €9.90, sfr18.90. Bericht-Nr.: 080611-03DE Datum: 11. Juni 2008 © 2008 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ Esoterik als Quelle musikalischer Inspiration
Internationale Wissenschaftler diskutierten in Rom ROM (NNA). Musik und Esoterik war das Thema eines internationalen wissenschaftlichen Kolloquiums, das im April in der Academia Belgica in Rom stattfand. Vorbereitet hatte die Tagung ein wissenschaftliches Komitee aus Vertretern von europäischen und außereuropäischen Universitäten. Von der Universität Amsterdam war Prof. Wouter Hanegraaff vertreten, einer der führenden europäischen Esoterikforscher. Etwa 25 Referenten stellten an drei Tagen ihre Forschungsergebnisse vor, auf die Aussprachen folgten. Anhand bestimmter Kompositionen und musiktheoretischer Schriften wurden die Beziehungen verschiedener esoterischer Dißiplinen wie Magie, Astrologie, Alchemie, Dämonologie, Wahrsagung, Kabbala zur Musik untersucht. Dabei wurde ausschließlich die abendländisch-europäische Esoterik berücksichtigt, die aus platonischen, jüdischen und christlichen Wurzeln hervorging. Diese Tagung sollte, wie es in der Ankündigung hieß, dazu beitragen, die übliche Isolation der Dißiplinen wie Geschichte, Kunstgeschichte, Musikgeschichte, Philosophiegeschichte aufzuheben. In einem interdißiplinären Gespräch sollten musikalische Verfahrensweisen im Lichte eines historischen und fachwissenschaftlichen Kontexts beleuchtet werden mit dem Ziel, unsere Erkenntnisse, die wir vom kulturellen Hintergrund der musikalischen Welt gewonnen haben, in der Sprache der Wissenschaft und des Glaubens zu vertiefen und außutauschen. Die einzelnen Vorträge thematisierten entweder den Umgang mit Musik innerhalb kultureller und geheimwissenschaftlicher Traditionen oder die Anwesenheit solcher Traditionen innerhalb der Musik. Dabei ergänzten sich zwei Fragestellungen: Wie haben Philosophen die Musik in ihren Theorien integriert? Wie versuchten Musiker, Komponisten und Musiktheoretiker okkultes Wissen in ihre Theorien oder ihre Partituren einfließen zu lassen? Auf der Tagung wurde deutlich, dass die Suche nach kosmischen Gesetzmäßigkeiten in der Musik möglicherweise so alt ist wie die Menschheit. Als Belege wurden theoretische Entwürfe vom neuplatonischen Philosophen Proclus über den jesuitischen Universalgelehrten Athanasius Kircher oder den Alchemisten Heinrich Khunrath bis zu Johannes Kepler herangezogen. Ein Vortrag befasste sich mit den Geheimnissen des Klangs in H. P. Blavatskys Esoterischen Unterweisungen. Interessant war es, dass auch Komponisten des 20. Jahrhunderts, behandelt wurden. Wouter Hanegraaff sprach über Das Unaussprechliche und das Gesetz: Musik als esoterische Sprache bei Anton Webern. Immer mehr zeigt es sich, dass nicht nur die bildende Kunst, sondern auch die Musik des verflossenen Jahrhunderts in ihren Innovationen eng mit Theosophie und Anthroposophie verflochten waren. Insbesondere wäre die geistige Entwicklung Arnold Schönbergs, den man mit Recht als den Vater der modernen Musik bezeichnet hat, anders verlaufen, hätte er nicht aus der Esoterik seiner Zeit Anregungen empfangen. Die Esoterikforschung ist dabei, die Affinität von Anthroposophie und modernem Zeitgeist zu entdecken. Gerade am Beispiel der modernen Musik des 20. Jahrhunderts, und speziell anhand der Schönbergschule ließe sich der Einfluss der Anthroposophie zeigen. Ansätze dazu waren in Rom zu spüren. End/nna/vog Bericht-Nr.: 080611-02DE Datum: 11. Juni 2008 2008 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ Zwischen Mantram und Mikro
Die buddhistische Nonne Ani Choying gibt Konzerte zugunsten von Schule in Nepal - Deutschlandstart eines bemerkenswerten Films Von NNA-Korrespondentin Cornelie Unger-Leistner MAINZ (NNA). Fast zeitgleich mit dem Auftakt der Fußball-Europameisterschaft erlebten rund 200 Personen in der Mainzer Fachhochschule eine ganz andere Premiere: zum ersten Mal lief in Deutschland der Film „One more concert, one more child“. Die Filmemacherin Karin Guse portraitiert darin die buddhistische Nonne Ani Choying Drolma, die mit spirituellen Liedern in Europa und den USA auf Tournee geht und damit eine Schule für Mädchen in Nepal finanziert. Die Künstlerin war in Mainz anwesend und gab in Anschluss an die Filmvorführung ein Konzert. Eingeladen zu der Veranstaltung hatte das Frauenreferat der Fachhochschule Mainz. Sind in der Öffentlichkeit als Repräsentanten des Buddhismus meist nur Männer präsent, allen voran der Dalai Lama, so berichtet der Film von Karin Guse nun von einem spektakulären Frauenleben im Zeichen dieser Religion. Als Tochter tibetischer Flüchtlinge 1971 in Nepal geboren fasste Moktan Lama, wie Ani Choying Drolma damals hieß, mit elf Jahren den Entschluss, in ein Kloster einzutreten. Tulku Urygen Rinproche, das Oberhaupt des Klosters Nagi Gompa, wurde ihr Lehrer. Gesang und Melodik, so erläutert Ani Choying, spielen in den Ritualen des Buddhismus eine große Rolle. Und so wird aus der Novizin, die ein gewaltiges Stimmvolumen mitbringt, im Laufe der Jahre auch eine beachtliche Sängerin. „Ich singe nicht, ich bete,“ betont Ani Choying im Film und unterstreicht damit den spirituellen Hintergrund, ohne den ihre Darbietung nicht denkbar ist. Im Jahr 1998 wird sie von dem amerikanischen Gitarristen Steve Tibbetts entdeckt, der eine CD von ihr aufnimmt und ihr vorschlägt, mit ihm auf Tournee zu gehen. Einladungen zu Konzerten aus den USA, Deutschland, Österreich und der Schweiz folgen und auch in ihrer Heimat Nepal wird Ani Choying bekannt. „Plötzlich hatte ich Geld, eine Menge Geld aber was sollte ich damit machen?“ erzählt sie. Sie kommt auf die Idee, eine Bildungseinrichtung für Nonnen zu gründen. Denn während die Mönche in Nepal durchaus Schulunterricht erhalten, gibt es viele ältere Nonnen, die zwar Gebete und Gesänge perfekt beherrschen, aber noch nicht einmal ihren Namen schreiben können. Damit sind sie in Nepal nicht allein. Wie man im Film erfährt, sind in dem Land im Himalaya immerhin 40 Prozent der Männer und 80 Prozent der Frauen Analphabeten. So gründet Ani Choying die Nuns Welfare Foundation, deren Hauptprojekt die Arya Tara Schule ist, die 18 Kilometer entfernt von der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu liegt. Ein Besuch beim spirituellen Oberhaupt des Buddhismus, dem Dalai Lama, bestärkt die Nonne in ihrem Vorhaben. „Lernen die Nonnen denn auch lesen und schreiben,“ fragt Ihre Heiligkeit sie, wie sie im Film erzählt und Ani Choying kann dies bestätigen. Heute besuchen über 50 Mädchen und Frauen im Alter von acht bis 24 Jahren die Schule, mit jedem Konzert kann Ani Choying einen Schulplatz mehr finanzieren. 600 Euro ermöglichen ein Jahr Schulbesuch. Die meisten Mädchen kommen aus armen Familien, es ist ihre einzige Chance, eine Schulbildung zu erhalten. Im Rahmen einer staatlich anerkannten Schulausbildung werden die jungen Nonnen sechs Jahre lang in Nepali, Englisch, Mathematik, Sozialkunde und Naturwissenschaften unterrichtet. Im Film erzählt Ani Choying stolz, dass drei ihrer Absolventinnen inzwischen eine buddhistische Hochschule in Indien besuchen. Ein Traum, den sie selbst immer hatte, sich ihn aber nie erfüllen konnte. Die Unterweisungen in den buddhistischen Ritualen finden in tibetischer Sprache statt. Ziel von Ani Choying ist es, dass die jungen Frauen in ihre Dörfer zurückkehren und dort als Lehrerinnen wirken. Im Film erläutert sie, wie wichtig es ist, bei den Frauen anzusetzen. „Wenn man einen Mann in die Schule schickt, bildet man nur einen. Wenn eine Frau unterrichtet wird, bildest du eine ganze Familie. Denn die Mutter ist es, die dann die Kinder erzieht.“ Die Filmemacherin Karin Guse, die die Nonne bei einem Konzert 2003 kennengelernt hat, erzählt Ani Choyings Geschichte mit eindrucksvollen Bildern. Anders als die meisten, die im Himalaya drehen, schwelgt sie nicht in atemberaubenden Landschaftsbildern. Die Landschaft kommt zwar vor, aber sie liefert nur den Rahmen. Guses Kameraführung richtet das Augenmerk vor allem auf die Menschen und ihre Einbettung in das religiös-spirituelle Leben. Einzelheiten über das Land Nepal erfährt der Zuschauer außer den Angaben zum Analphabetismus und zur Situation der Frauen - nicht. Mehr als vier Jahre hat Karin Guse an dem Film gearbeitet, wegen der schwierigen politischen Verhältnisse in Nepal kam die Arbeit 2005 ins Stocken. Nun ist der Film gerade zu einem Zeitpunkt fertig geworden, zu dem die Weltöffentlichkeit durch Olympiade und Naturkatastrophen verstärkt auf die Region Südasien blickt. Ein Gedenken an die Opfer der Naturkatastrophen in Birma und China durch ein gemeinsam gesungenes Mantram stand dann auch am Ende des Konzerts von Ani Choying, das im Anschluss an den Film stattfand. Im Konzert selbst erleben die Zuhörer Wirkung und Faßination des rituellen Gesangs von Ani Choying. Fast scheint es, als versinke der nüchterne Waschbetonbau der Mainzer Fachhochschule zugunsten einer anderen Welt hinter den Dingen, die für das Auge nicht sichtbar, durch den Gesang aber hörbar wird. Und auch hier wird einmal mehr deutlich, warum die konsequent nach den Regeln und Traditionen des Buddhismus lebenden Menschen gegenwärtig gerade in Europa eine große Anziehungskraft ausüben: mit großer Selbstverständlichkeit und Eleganz bewegt sich Ani Choying, die ja immerhin Nonne ist, zwischen Mantram und Mikro, zwischen tiefer Konzentration und humorvoller Außendarstellung hin und her. Und so ganz nebenbei, ohne jeden Anflug von missionarischem oder überheblichem vermittelt sie authentisch ihre spirituelle Grundüberzeugung an die Zuhörer, dass es die Gedanken der Menschen sind, die die Welt formen. Ihr Lied „Blumenauge“, dessen Refrain sie zum Schluss noch in Deutsch vorträgt, zielt genau in diese Richtung. Durch das Auge der Blume wird die Welt zur Blumenwelt, heißt es darin und: durch das Dornenauge sieht man nur Gestrüpp. Zuvor hatte Ani Choying lachend erklärt, dass es gerade dieses Lied gewesen sei, das ihr in Nepal die Popularität eines Popstars eingebracht habe. „Blumenauge, Blumenauge“ rufen die Menschen in Karin Guses Film ihr zu und drängen sich fröhlich um sie, als sie in Kathmandu von Termin zu Termin eilt und eine Schule besucht. Zeit habe sie dort nie, erfährt man, denn zu viele Aufgaben warten auf sie, wenn sie nach den Tourneen zurückkehrt. Da ist sie froh, dass sie einen Führerschein und einen Wagen hat. Auch wenn es für die Menschen in Nepal noch keineswegs selbstverständlich ist, dass eine Nonne Auto fährt. End/nna/ung Links: www.choying.de, choying@karin-guse.de, de.wikipedia.org/wiki/Nepal Bericht-Nr.: 080611-01DE Datum: 11. Juni 2008 2008 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten. Siehe: www.nna-news.org/copyright/ Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/ |
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